Schlagwort: kommunikation

  • Sprachpsychologie: Warum es entscheidend ist, für die Zielgruppe zu sprechen – nicht über sie

    Sprache ist kein neutrales Transportmittel für Inhalte.
    Sprache wirkt. Immer.
    Sie schafft Nähe oder Distanz, Sicherheit oder Widerstand, Verständnis oder Rückzug.

    Und trotzdem wird sie im Alltag, in Beratung, Pädagogik, Marketing und sogar in der psychologischen Arbeit oft behandelt, als wäre sie nebensächlich. Hauptsache korrekt. Hauptsache fachlich. Hauptsache „richtig“.

    Das Problem:
    Menschen reagieren nicht auf richtig.
    Sie reagieren auf stimmig.

    Genau hier setzt die Sprachpsychologie an.


    Sprache ist Beziehung – bevor sie Information ist

    Aus sprachpsychologischer Sicht ist jede Kommunikation zuerst ein Beziehungsangebot. Noch bevor ein Inhalt verarbeitet wird, prüft das Gegenüber unbewusst:

        • Spricht diese Person mit mir oder über mich?
        • Fühle ich mich angesprochen – oder beurteilt?
        • Darf ich so sein, wie ich bin, oder soll ich mich anpassen?

    Diese Prüfung dauert Millisekunden. Und sie entscheidet darüber, ob ein Mensch offen bleibt oder innerlich dichtmacht.

    Gerade in sensiblen Kontexten – Familie, Beratung, Schule, Coaching, Therapie – ist das kein Detail, sondern zentral.


    Zielgruppensprache heißt nicht „vereinfachen“ – sondern übersetzen

    Ein weitverbreiteter Irrtum:
    „Für die Zielgruppe sprechen“ wird oft gleichgesetzt mit „alles banal machen“ oder „Fachlichkeit verlieren“.

    Das Gegenteil ist der Fall.

    Zielgruppengerechte Sprache bedeutet:

    • Komplexe Inhalte anschlussfähig zu machen
    • Fachwissen so zu formulieren, dass es verarbeitet werden kann
    • Sprache an Lebensrealität, Vorerfahrungen und emotionale Lage anzupassen

    Ein Beispiel:

    „Ihr Kind zeigt oppositionelles Verhalten aufgrund exekutiver Dysfunktionen.“

    Fachlich korrekt.
    Psychologisch wirkungslos – oder sogar beschämend.

    „Ihr Kind kann gerade nicht kooperieren, weil sein Gehirn im Stressmodus festhängt.“

    Inhaltlich dasselbe.
    Aber die zweite Version öffnet Verständnis statt Abwehr.


    Fachsprache: sinnvoll – aber nur im richtigen Kontext

    Fachbegriffe haben ihren Platz.
    Aber sie sind Werkzeuge, keine Auszeichnungen.

    Sprachpsychologisch gilt:

    • Fachsprache strukturiert Denken
    • Alltagssprache reguliert Emotionen

    Wer Fachsprache benutzt, ohne den Kontext zu beachten, riskiert:

    • Überforderung
    • Machtgefälle
    • Rückzug („Ich bin wohl nicht gemeint“)

    Die entscheidende Frage ist nicht:

    Ist das fachlich korrekt?

    Sondern:

    Hilft diese Sprache meinem Gegenüber, sich selbst besser zu verstehen?

    Wenn nicht, ist sie fehl am Platz – egal wie klug sie klingt.


    Tonalität: Wie etwas gesagt wird, wirkt stärker als was

    Die gleiche Aussage kann trösten, triggern oder lächerlich wirken – je nach Tonalität.

    Tonalität umfasst:

    • Wortwahl
    • Satzlänge
    • Rhythmus
    • Direktheit oder Vorsicht
    • emotionale Färbung

    Beispiele:

    • Belehrend: „Man muss lernen, seine Emotionen zu regulieren.“
    • Verbündend: „Emotionen zu regulieren ist lernbar – und niemand kann das von Anfang an.“

    Menschen spüren Tonalität, selbst schriftlich.
    Und sie reagieren darauf – oft unbewusst, aber sehr deutlich.


    Gestik und Mimik: Wenn Worte und Ausdruck nicht zusammenpassen  

    Menschen hören nicht nur zu – sie vergleichen.
    Unbewusst, automatisch, in Sekundenbruchteilen.

    Passt das, was gesagt wird, zu dem, was gezeigt wird? – Zur Körperhaltung, zum Blick, zur Spannung im Gesicht?

    Wenn jemand beruhigende Worte benutzt, dabei aber angespannt wirkt,
    wenn Verständnis betont wird, während der Körper auf Abstand geht,
    entsteht Verunsicherung.

    Nicht, weil das Gegenüber „schwierig“ ist – sondern weil das Gehirn widersprüchliche Signale nicht einordnen kann.

    In solchen Momenten verlieren Worte an Glaubwürdigkeit. Nicht aus Bosheit, sondern aus Selbstschutz.

    Gerade in Beratung, Coaching und Pädagogik heißt das:
    Verständnis lässt sich nicht nur formulieren – es muss sichtbar werden.


    Schriftliche Sprache: Nähe ohne Körper herstellen

    Schriftlich fehlen Gestik, Mimik, Stimme. Deshalb muss Sprache hier mehr leisten.

    Zielgruppengerechte Schriftsprache:

    • nutzt klare Strukturen
    • vermeidet unnötige Fachbegriffe
    • spricht Menschen direkt an
    • lässt Raum für eigenes Erleben

    Gerade Blogs, Workbooks und Online-Angebote entscheiden oft still darüber, ob jemand sich gesehen fühlt – oder wegklickt.

    Ein Text kann sagen:

    „Das ist für dich.“

    Oder:

    „Das ist nicht für dich.“

    Und das entscheidet nicht der Inhalt, sondern die Sprache.


    Warum das alles praktisch relevant ist

    Ob Eltern, Jugendliche, Teams oder Einzelpersonen – Menschen kommen nicht wegen Theorien.
    Sie kommen, weil sie verstanden werden wollen.

    Sprache, die:

    • wertschätzt
    • entlastet
    • erklärt statt bewertet
    • einlädt statt belehrt

    …schafft Vertrauen.

    Und Vertrauen ist die Grundlage für Veränderung. Nicht Methoden. Nicht Konzepte. Nicht Zertifikate.


    Klartext: Gute Arbeit scheitert oft an schlechter Sprache

    Das ist unbequem, aber wahr:
    Viele fachlich hervorragende Angebote erreichen ihre Zielgruppe nicht, weil sie sprachlich an ihr vorbeigehen.

    Nicht aus Arroganz. Sondern aus Gewohnheit.

    Sprachpsychologisch sauber zu arbeiten heißt:

    • Verantwortung für Wirkung zu übernehmen
    • Machtgefälle zu reflektieren
    • Menschen dort abzuholen, wo sie stehen – nicht dort, wo man sie gern hätte

    Fazit

    Für die Zielgruppe zu sprechen ist kein Marketing-Trick. Es ist eine Haltung.

    Eine Haltung, die sagt:

    Ich sehe dich. Ich nehme dich ernst. Ich spreche so, dass du dich selbst besser verstehst.

    Und genau das macht den Unterschied – in Beratung, Pädagogik, Coaching, Texten und Beziehungen.


    Wenn du möchtest, dass deine Kommunikation:

    * fachlich fundiert und menschlich verständlich ist
    * Wirkung zeigt statt Widerstand erzeugt
    * Menschen erreicht, statt sie auszuschließen

    dann nutze mein Angebot.

    Ich unterstütze dich dabei, Sprache bewusst, wirksam und zielgruppengerecht einzusetzen – schriftlich wie mündlich, im Alltag wie im professionellen Kontext.

    Nicht weichgespült.
    Nicht belehrend.
    Sondern klar, respektvoll und psychologisch stimmig.

    Wenn du magst, gehen wir den nächsten Schritt gemeinsam.

  • Weibliche Neurodivergenz: Warum Mädchen so oft durchs Raster fallen – und wie die späte Diagnose das Leben verändert

    Neurodivergenz hat viele Gesichter. Manche davon sind laut, quirlig, offensichtlich. Andere sind leise, höflich, unsichtbar – zumindest auf den ersten Blick. Und genau da beginnt das Dilemma: Mädchen und Frauen mit ADHS oder Autismus werden deutlich seltener und oft viel später diagnostiziert als Jungen. Nicht, weil sie „weniger betroffen“ wären. Sondern weil sie seit ihrer Kindheit zu Meisterinnen des Tarnens, Anpassens und Funktionierens geworden sind.

    In diesem Artikel schauen wir hin: Warum werden Mädchen so häufig übersehen? Welche Mechanismen stecken hinter Masking und Anpassung? Und was passiert, wenn eine Diagnose erst spät kommt? Und vor allem: Wie lässt sich mit der Diagnose leben – vielleicht zum ersten Mal wirklich leben?

    Warum weibliche Neurodivergenz so oft nicht erkannt wird

    Stell dir ein Klassenzimmer vor. Irgendwo hinten wirbelt ein Junge durch die Gegend, plappert ununterbrochen und vergisst zum dritten Mal sein Matheheft. Zack – fällt auf. Zack – wird abgeklärt.

    Und das neurodivergente Mädchen daneben?
    Sitzt still. Schaut aufmerksam. Lächelt. Und ist innerlich vielleicht kurz vorm Kollaps, weil sie seit 20 Minuten versucht, dem Unterricht zu folgen und gleichzeitig nicht zu zeigen, dass sie komplett lost ist.

    Viele Mädchen wirken nach außen völlig unauffällig. Sie fallen nicht durch impulsive Ausbrüche auf. Sie stören nicht. Sie verhalten sich „altersgerecht“. Sie wirken sozial kompetent. Und genau das ist der Grund, warum ihre Schwierigkeiten niemand sieht.

    Die klassische Vorstellung von ADHS und Autismus ist immer noch männlich geprägt. Das hat historische Gründe – die Forschung orientierte sich jahrzehntelang fast ausschließlich an Jungen. Mädchen sind statistisch seltener hyperaktiv, dafür häufiger verträumt, introvertiert und sozial angepasst. Ihre Symptome spielen sich im Inneren ab: Gedankenspiralen, Überforderung, emotionale Intensität, Vergesslichkeit, Erschöpfung.

    Kurz gesagt: Mädchen brennen innerlich – während sie äußerlich funktionieren.

    Masking: Das Tarnnetz, das zur zweiten Haut wird

    Masking bedeutet, dass Betroffene ihr Verhalten bewusst oder unbewusst so anpassen, dass sie „normal“ wirken. Und Mädchen lernen dieses Muster erschreckend früh.

    Schon in der Grundschule werden sie dafür gelobt, wenn sie brav, höflich und rücksichtsvoll sind. Mädchen sollen ruhig sein, empathisch, sozial kompetent, „unproblematisch“. Und wenn ihnen das nicht von Natur aus leichtfällt, dann wird es eben gelernt. Strategisch. Hart erarbeitet.

    Masking kann viele Formen haben:

    • Sozialverhalten imitieren: Lachen, wenn die Gruppe lacht. Zuhören, obwohl der Input überfordernd ist. Smalltalk auswendig lernen.
    • Überkorrektheit: Bloß keinen Fehler machen. Bloß niemandem zeigen, dass man verwirrt ist.
    • Extrem-Anpassung: Interessen, Kleidung, Gesten – alles wird an die Umgebung angepasst.
    • Emotionsregulation nach außen verschieben: Zusammenreißen bis zum Schulschluss, dann Zusammenbruch im Kinderzimmer.

    Masking schützt kurzfristig – aber kostet langfristig Kraft, Identität und oft seelische Gesundheit.

    Anpassung: Wenn funktionieren wichtiger wird als fühlen

    Viele neurodivergente Mädchen werden zu wahren Chamäleons. Sie spüren sehr früh: Anders sein ist unsicher. Also passen sie sich an. Perfektionistisch. Detailverliebt. Overperforming – immer ein paar Prozent drüber, um keine Angriffsfläche zu bieten.

    Einige Strategien, die typisch sind:

    • Leistungsorientierung: Gute Noten, um nicht aufzufallen.
    • Übersozialisierung: Freundlich sein, selbst wenn man keine Energie mehr hat.
    • Konfliktvermeidung: Alles runterschlucken. Hauptsache Harmonie.
    • Innere Alarmbereitschaft: Situationen scannen, um Fehler zu vermeiden.

    Anpassung wird zum Lebensstil. Und gleichzeitig zum Gefängnis. Denn wer immer versucht, jemand anderes zu sein, verliert irgendwann das Gefühl für das eigene Selbst.

    Warum die Diagnose oft erst so spät kommt

    Die Gründe sind vielfältig – und frustrierend:

    1. Klischees in der Diagnostik

    Viele Diagnosekriterien basieren immer noch auf männlichen Mustern.

    2. Gute Schulnoten = keine Probleme

    Leistungen überdecken die inneren Kämpfe.

    3. Mädchen „dürfen“ still sein

    Ein stiller Junge fällt auf. Ein stilles Mädchen wird gelobt.

    4. Emotionen werden missinterpretiert

    Überforderung wird als Sensibilität bewertet.
    Wutausbrüche als PMS, Hormone, „Teenager-Drama“.

    5. Masking führt Diagnostiker in die Irre

    “Oh, sie wirkt so sozial kompetent!”
    Ja. Genau das ist das Problem.

    Viele Frauen berichten erst im Erwachsenenalter von ihrer Diagnose – ausgelöst durch Burnout, Mutterschaft oder das neurodivergente Kind, das plötzlich eine ADHS- oder Autismusdiagnose bekommt. Und dann heißt es: „Verdammt. Das bin ich doch auch.“

    Die Folgen einer fehlenden oder späten Diagnose

    Fehlende Diagnose bedeutet nicht: „Alles gut“.
    Es bedeutet: „Alles schwerer als nötig.“

    Typische Folgen:

    • Chronische Erschöpfung / Burnout
      Masking frisst Energie. Irgendwann ist der Akku leer.
    • Selbstzweifel und negatives Selbstbild
      „Mit mir stimmt etwas nicht.“
      „Andere schaffen das doch auch.“
    • Depressionen, Angststörungen und Sucht
      Unbehandelte ADHS und Autismus ziehen oft Komorbiditäten nach sich.
    • Beziehungsschwierigkeiten
      Menschen lesen ist anstrengend, Nähe regulieren schwer, Grenzen setzen kompliziert.
    • Berufliche Überforderung oder Underachievement
      Hochbegabt, aber chaotisch. Kreativ, aber schnell überstimuliert.
    • Fehlende Identität
      Nach Jahren des Anpassens wissen viele Frauen nicht mehr, wer sie eigentlich sind.

    Die späte Diagnose bedeutet nicht „zu spät“. Aber sie bedeutet: Der Preis bis dahin war hoch. Mitunter sehr hoch.

    Leben mit der Diagnose – endlich atmen

    Wenn die Diagnose endlich kommt, passiert bei vielen Frauen etwas Erstaunliches: Erleichterung. Kein Versagen. Kein Charakterfehler. Sondern ein Gehirn, das anders tickt.

    Und mit dieser Erkenntnis beginnt etwas Neues:

    1. Selbsterkenntnis statt Selbstkritik

    „Ah. Deshalb war Schule so schwer.“
    „Deshalb brauche ich Pausen.“
    „Deshalb fühle ich so intensiv.“

    Selbstvorwürfe verlieren ihren Halt.

    2. Reizmanagement und Strukturen aufbauen

    Routinen, Pausen, klare Prioritäten, Reizfilter, Time-Blocking – plötzlich funktionieren Dinge, die vorher unmöglich schienen.

    3. Masken absetzen – Schritt für Schritt

    Nicht mehr überall funktionieren müssen. Nicht mehr jedem gefallen. Grenzen spüren. Grenzen setzen.

    4. Beziehungen neu gestalten

    Offene Kommunikation darüber, wie das eigene Gehirn arbeitet, schafft Nähe und Verständnis.

    5. Selbstannahme

    Die Diagnose wird zum Werkzeug, nicht zum Etikett.
    Zum Kompass, nicht zum Käfig.

    Viele Frauen berichten, dass sie sich zum ersten Mal im Leben verstehen. Und dass sich damit ein zarter, neuer Gedanke einschleicht:

    Ich war nie falsch.
    Ich war einfach unentdeckt.


     

    Wenn dich das Thema berührt oder du selbst den Verdacht hast, neurodivergent zu sein, dann schreib mir gern. In meinen Beratungen unterstütze ich Frauen, Eltern und Jugendliche dabei, (ihre eigene) Neurodivergenz besser zu verstehen – liebevoll, humorvoll und alltagsnah. Meine Begleitung: Damit du dich nicht länger anpassen musst, sondern endlich so leben kannst, wie du wirklich bist.

     

    Ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Ich begleite dich auf deinem Weg zu mehr Klarheit, Selbstverständnis und innerer Stärke – aber ich diagnostiziere nicht und führe keine therapeutische Behandlung durch. Meine Arbeit ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Diagnostik, sondern versteht sich als präventive, unterstützende und alltagsnahe Begleitung. Wenn du den Verdacht hast, dass eine psychische Erkrankung vorliegt, wende dich bitte zusätzlich an eine approbierte Fachperson. Gemeinsam – und mit den richtigen Stellen an deiner Seite – darf dein Weg leichter werden.

  • Gruppenchats bei Kindern: Was Eltern, Trainer:innen und Vereine wissen sollten

    In Zeiten von Smartphones, WhatsApp und Co. sind Gruppenchats aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen kaum noch wegzudenken. Ob für die Klasse, die Fußballmannschaft oder die Tanzgruppe – diese Chats versprechen schnelle Kommunikation, Teamkoordination und ein Gefühl der Gemeinschaft. Doch wie bei fast allem im digitalen Raum gibt es auch hier Schattenseiten, die Eltern, Trainer:innen und Vereine kennen sollten.

    Die Vorteile von Gruppenchats

    Zunächst einmal: Gruppenchats können richtig praktisch sein. Sie ermöglichen es, Termine schnell abzusprechen, Änderungen kurzfristig mitzuteilen oder spontane Treffen zu organisieren. Gerade im Schul- oder Vereinsalltag sparen Gruppenchats oft viel Zeit – keine endlosen Telefonketten mehr oder verlorene Zettel mit Terminen.

    Für Kinder und Jugendliche haben sie außerdem einen sozialen Nutzen: In der digitalen Welt entstehen Freundschaften, die über den Schulhof oder die Sporthalle hinausgehen. Gruppenchats bieten einen Raum, um sich auszutauschen, sich gegenseitig zu unterstützen oder kleine Erfolgserlebnisse zu teilen. Ein Kind, das im Fußballtraining ein Tor geschossen hat, kann gleich Lob von der ganzen Mannschaft bekommen. In Klassenchats können Kinder Hausaufgabenfragen stellen oder sich auf gemeinsame Projekte vorbereiten.

    Und nicht zu vergessen: Gruppenchats können auch inklusive Räume schaffen. Kinder, die eher zurückhaltend sind, finden hier manchmal leichter Zugang zur Gruppe, da sie schriftlich kommunizieren können und nicht direkt im „Präsenz-Sturm“ agieren müssen.

    Risiken und Gefahren von Gruppenchats

    So praktisch sie sind – Gruppenchats bergen auch Risiken, die Eltern, Lehrer:innen und Trainer:innen nicht ignorieren sollten.

    1. Mobbing und Ausgrenzung

    In Gruppenchats kann Mobbing subtiler und gleichzeitig anhaltender sein. Ein spöttischer Kommentar, der schnell gepostet wird, erreicht sofort die ganze Gruppe und bleibt oft gespeichert. Kinder, die sich ausgeschlossen fühlen, erleben die Wirkung solcher Nachrichten intensiv. Auch das „stille Mitlesen“ – also Kinder, die Nachrichten nur verfolgen, aber nicht antworten – kann Gefühle von Isolation verstärken.

    2. Überforderung und Stress

    Gruppenchats erzeugen sozialen Druck. Kinder fühlen sich oft verpflichtet, sofort zu reagieren oder ständig „up to date“ zu sein. Die permanente Verfügbarkeit kann zu Stress, Schlafstörungen und einem Gefühl der Überforderung führen.

    3. Datenschutz und Persönlichkeitsrechte

    Viele Kinder posten Fotos, Videos oder Standorte, ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein. Ein einmal geteiltes Bild kann sich schnell vervielfältigen oder in die falschen Hände geraten. Eltern und Vereine müssen darauf achten, dass die Privatsphäre der Kinder respektiert wird und keine sensiblen Daten unkontrolliert geteilt werden.

    4. Risiko von sexualisierter Gewalt

    Leider sind Kinder online auch Risiken ausgesetzt, die über bloßes Mobbing hinausgehen. Unbekannte Dritte oder sogar Gleichaltrige können durch Gruppenchats Zugang zu Kindern finden. Trainer:innen, Eltern und Vereine müssen hier besonders wachsam sein, klare Regeln aufstellen und Präventionsmaßnahmen implementieren.

    Spezielle Risiken in Sportvereinen

    Gruppenchats in Sportvereinen haben eigene Herausforderungen. Hier treffen Kinder und Jugendliche auf Erwachsene – Trainer:innen, Betreuer:innen oder Übungsleiter:innen. Die Hierarchien sind klar, und die Nähe kann sowohl Chancen als auch Risiken bergen.

    1. Verantwortung der Trainer:innen

    Trainer:innen stehen in der Pflicht, die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten. Dazu gehört, dass sie sich bewusst sind, welche Inhalte in Gruppenchats geteilt werden dürfen. Sensible Themen wie Gesundheitsdaten, Familieninformationen oder persönliche Fotos sollten nicht ungefiltert ausgetauscht werden. Auch der korrekte Umgang mit den Telefonnummern und Profilbildern muss allen Gruppenmitgliedern klar sein.

    2. Prävention sexualisierter Gewalt

    Gruppenchats können ein Einfallstor für Grenzverletzungen sein. Trainer:innen müssen darauf achten, professionelle Distanz zu wahren und klare Regeln für die Kommunikation festzulegen. Vereinsinterne Richtlinien, Aufklärung der Kinder über ihre Rechte und die Einführung von „zweiten Ansprechpartner:innen“ im Verein sind wichtige Präventionsmaßnahmen.

    3. Datenschutz

    Viele Sportvereine nutzen WhatsApp-Gruppen, ohne die datenschutzrechtlichen Aspekte zu bedenken. Namen, Telefonnummern oder Fotos von Kindern werden häufig ohne Einverständnis geteilt. Vereine sollten Alternativen prüfen, bei denen die Daten der Kinder geschützt sind, z. B. Messenger mit verschlüsseltem, datenschutzkonformen Rahmen oder vereinsinterne Kommunikationsplattformen. Auch muss sichergestellt werden, dass Gruppenmitglieder sich an die rechtlichen Vorgaben halten.

    4. Konflikte und Transparenz

    Gruppenchats können Konflikte schnell eskalieren lassen, besonders wenn Nachrichten missverstanden werden. Trainer:innen sollten bewusst moderierend eingreifen, klare Regeln für den Umgang miteinander aufstellen und den Kindern Sicherheit geben.

    Praktische Tipps für Eltern und Trainer:innen

    Um die Vorteile von Gruppenchats zu nutzen und die Risiken zu minimieren, können folgende Maßnahmen helfen:

    • Regeln aufstellen: Klare Absprachen darüber, welche Inhalte geteilt werden 
    • dürfen, wann geantwortet werden sollte und wie respektvoll miteinander umgegangen wird.
    • Eltern informieren: Gerade bei jüngeren Kindern sollten Eltern wissen, welche Chats existieren und welche Inhalte geteilt werden.
    • Alternativen prüfen: Für Vereine bieten sich datenschutzkonforme Plattformen an, auf denen Kinder und Trainer:innen sicher kommunizieren können.
    • Aufklärung und Sensibilisierung: Kinder sollten lernen, wie sie sich online schützen, Grenzüberschreitungen erkennen und im Notfall melden können.
    • Grenzen der Trainer:innen wahren: Erwachsene sollten private Kontakte auf Social Media möglichst vermeiden und offizielle Kommunikationswege nutzen.
    • Regelmäßige Reflexion: Gruppenchats regelmäßig evaluieren – funktioniert die Kommunikation? Gibt es Probleme? Wie kann man sie lösen?

    Fazit

    Gruppenchats sind ein zweischneidiges Schwert: Sie bieten enorme Vorteile für Kommunikation, Teamgeist und soziale Teilhabe, bergen aber auch erhebliche Risiken – von Mobbing über Datenschutzprobleme bis hin zu potenziellen Gefahren für die Kinder im Kontext sexualisierter Gewalt. Besonders in Sportvereinen, in denen Erwachsene und Kinder in enger Beziehung stehen, müssen klare Regeln, Präventionsmaßnahmen und Sensibilisierung stattfinden.

    Eltern, Trainer:innen und Vereine sollten die Chancen nutzen, aber nie die Risiken aus den Augen verlieren. Nur so können Gruppenchats zu einem sicheren, praktischen und positiven Werkzeug für Kinder und Jugendliche werden.

     

     

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    Wenn du Unterstützung oder Begleitung bei der Vermittlung/Festigung der Medienkompetenz deines Kindes benötigst, bin ich dir gern behilflich.

  • Bossing – warum passiert es und was du tun kannst

    Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz ist weit mehr als ein Schlagwort für moderne HR-Abteilungen oder ein „Wohlfühlprogramm“ für Mitarbeitende. Sie beschreibt den Zustand des psychischen Wohlbefindens in einem beruflichen Umfeld – und ist damit ein zentraler Bestandteil nachhaltiger Unternehmensführung. Denn wer täglich Leistung bringen soll, braucht nicht nur funktionierende Technik und klare Aufgaben, sondern auch emotionale Sicherheit, Wertschätzung und die Möglichkeit, sich als Mensch ganz zu zeigen – mit Stärken, Schwächen, Belastungen und Ressourcen.

    Klar ist: Ein Unternehmen, das auf mentale Gesundheit achtet, nimmt die psychische Belastung seiner Mitarbeitenden ernst. Es schafft Räume für Dialog, bietet Unterstützung bei Krisen an, fördert Resilienz und reduziert systematische Stressoren – etwa durch realistische Zielsetzungen, gerechte Aufgabenverteilung oder die Möglichkeit zu Pausen. Dazu zählen auch Angebote wie Coaching, psychologische Beratung, Supervision oder ein flexibler Umgang mit Arbeitszeitmodellen. Doch das alles funktioniert nicht im luftleeren Raum. Mentale Gesundheit ist kein Einzelprojekt – sie ist eine Haltung, die sich durch alle Ebenen einer Organisation ziehen muss.

    Studie gefällig?
    Laut einer Erhebung der Techniker Krankenkasse (2023) berichten fast 50 % aller Beschäftigten in Deutschland von häufigem Stress im Job. Jeder fünfte gibt an, dass sich dieser negativ auf die psychische Gesundheit auswirkt.

    Was mentale Gesundheit konkret beinhaltet – und was nicht

    Mentale Gesundheit im beruflichen Kontext umfasst mehrere Ebenen: das individuelle psychische Befinden, die Teamdynamik, die strukturellen Arbeitsbedingungen sowie die Werte, nach denen im Unternehmen tatsächlich gelebt wird. Ein gesundes Arbeitsumfeld erkennt diese Vielschichtigkeit an und reduziert psychische Risiken. Dazu gehören etwa monotone Tätigkeiten, fehlende Handlungsspielräume, mangelnde Anerkennung, ständige Unterbrechungen, toxische Kollegialität oder unrealistische Anforderungen.

    Kurz gesagt: Ein Obstkorb oder ein Tischkicker machen noch keine gesunde Unternehmenskultur. Es reicht nicht, Wellness-Angebote zu präsentieren, während gleichzeitig Überstunden als stillschweigend erwartet gelten und Konflikte unter den Teppich gekehrt werden. Mentale Gesundheit ist kein Feel-Good-Gadget – sie ist das Resultat eines respektvollen, transparenten und entwicklungsförderlichen Miteinanders.

    Zitat zum Nachdenken:
    „Man kann Menschen nicht motivieren, wenn man sie gleichzeitig ausbrennt.“
    – Gerald Hüther | Neurobiologe

    Dazu gehören psychologische Sicherheit, also die Möglichkeit, sich auch mit Unsicherheiten zu zeigen, ohne negative Konsequenzen zu befürchten. Es braucht einen wertschätzenden Umgang, transparente Kommunikation, klare Rollen – und vor allem: echte Achtsamkeit im Miteinander.

    Der Führungsstil als Schlüssel zur psychischen Gesundheit

    Ob mentale Gesundheit gefördert oder untergraben wird, hängt maßgeblich vom Führungsstil ab. Führungskräfte sind Multiplikatoren – sie prägen nicht nur Prozesse, sondern auch die Art, wie im Unternehmen mit Belastung, Fehlern, Emotionen und Konflikten umgegangen wird. Ein autoritärer Führungsstil, der auf Kontrolle, Schuldzuweisung und Druck basiert, schafft nicht etwa bessere Leistungen – sondern innere Anspannung, Demotivation und langfristig psychische Instabilität.

    Ein kooperativer, achtsamer Führungsstil wirkt hingegen stabilisierend. Er zeichnet sich durch Offenheit, echtes Zuhören, klare Kommunikation, Feedbackkultur und emotionale Intelligenz aus. Gute Führung erkennt emotionale Belastungen frühzeitig, spricht sie wertschätzend an und sorgt dafür, dass Menschen gesund arbeiten können – nicht „trotz“ Stress, sondern inmitten komplexer Anforderungen. Sie schafft einen Rahmen, in dem Menschen nicht funktionieren müssen, sondern sich entfalten können.

    Zitat für Führungskräfte:
    „Leadership is not about being in charge. It’s about taking care of those in your charge.“
    (Frei übersetzt: Bei Führung geht es nicht darum, für alles verantwortlich zu sein, sondern darum, sich um die Verantwortlichen zu kümmern.)
    – Simon Sinek | US-amerikanischer Hochschullehrer, Autor, Journalist und Unternehmensberater

    Mentale Gesundheit beginnt also bei der Frage: Sehe ich meine Mitarbeitenden als funktionierende Rädchen im System – oder als ganze Menschen? Und bin ich bereit, mein eigenes Verhalten zu reflektieren?

    Wenn mentale Gesundheit ignoriert wird – die Folgen

    Das systematische Übergehen psychischer Gesundheit hat drastische Folgen – sowohl individuell als auch wirtschaftlich. Laut dem Gesundheitsreport 2024 der DAK sind psychische Erkrankungen mittlerweile die zweithäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit in Deutschland. Burnout, Depression und Angststörungen führen im Schnitt zu über 40 Fehltagen pro Jahr pro Fall – mit massiven Auswirkungen auf Produktivität und Betriebsklima.

    Doch schlimmer als die ökonomischen Folgen ist das menschliche Leid: chronische Erschöpfung, innere Leere, Sinnkrisen, Rückzug, familiäre Probleme – und im schlimmsten Fall der vollständige Zusammenbruch. Und: Je länger mentale Gesundheit ignoriert wird, desto länger dauert die Genesung.

    Trotzdem schweigen viele Betroffene – aus Angst vor Stigmatisierung oder Nachteilen im Job. Genau hier braucht es Unternehmen und Führungskräfte, die die Tür aufmachen. Die sagen: Du darfst hier ganz sein. Du bist nicht „schwach“, wenn du Hilfe brauchst – du bist mutig.

    Fazit – und ein Aufruf zum Umdenken

    Mentale Gesundheit ist keine Privatsache. Sie ist eine kollektive Aufgabe. Unternehmen, die sie ernst nehmen, gewinnen auf allen Ebenen: engagiertere Mitarbeitende, niedrigere Krankheitsstände, bessere Zusammenarbeit – und nicht zuletzt: Sinn.

    -> Du möchtest mentale Gesundheit in deinem Team stärken, deine Führung achtsamer gestalten oder herausfinden, was in deiner Organisation wirklich wirkt?
    Ich begleite dich gern dabei – in Workshops, Beratungen oder Einzelsettings. Mit Klarheit, Humor und fundiertem psychologischem Know-how. Für Arbeitsbeziehungen, die gut tun – und Menschen, die bleiben.

  • Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz – mehr als ein „nice to have“

    In einer Welt voller ständiger Kommunikation – ob in Besprechungen, beim Kaffeeklatsch oder in den sozialen Medien – sind wir alle von Natur aus interpretiert.

    Und manchmal interpretieren wir die Dinge einfach zu viel.

    Wir hören etwas und zack, sofort schießen wir mit einer ganzen Armada von Gedanken, Annahmen und Schlussfolgerungen aus der Hüfte.

    Dabei, so schön die Vorstellung eines supergeübten, allwissenden Interpretierenden auch ist, hat es eine ganz einfache Schwachstelle: Wir interpretieren oft mehr, als tatsächlich gesagt wurde.

    Und das führt zu Missverständnissen, Fehlannahmen und manchmal zu peinlichen Momenten, bei denen wir uns fragen, warum wir es nicht einfach gelassen haben.

    Das Interpretationschaos: Warum wir so gerne in die Falle tappen

    Nun, warum tun wir uns das überhaupt an?

    Die Antwort liegt in einem wunderbar menschlichen Mechanismus: Unser Gehirn liebt es, Informationen schnell zu verarbeiten und Zusammenhänge zu erstellen.

    Wir sind von Natur aus darauf programmiert, die Welt zu verstehen und Muster zu erkennen.

    Aber anstatt die Dinge einfach zu hören und hinzunehmen, werfen wir oft noch eine extra Schicht Interpretation drauf.

    Das kann aus unterschiedlichen Gründen passieren: Wir fühlen uns verletzt, sind unsicher oder sogar einfach neugierig, was der andere wirklich meint. Vielleicht haben wir eine dunkle Vergangenheit mit ähnlichen Aussagen oder misstrauen generell den guten Absichten unseres Gegenübers.

    So oder so, wir neigen dazu, zwischen den Zeilen mehr zu lesen, als wirklich dasteht.

    Ein einfaches Beispiel:

    Nehmen wir an, dein Kollege sagt zu dir: „Oh, das hast du ja wirklich gut gemacht… für jemanden, der das noch nie zuvor gemacht hat.“
    Du hörst das und bam – dein Gehirn springt sofort an. „Was meint der mit ‚für jemanden, der das noch nie zuvor gemacht hat‘? Bedeutet das, dass er denkt, ich bin unfähig, oder ist das ein verstecktes Kompliment?“
    Diese Frage quält dich vielleicht länger, als du zugeben würdest, weil du die Worte deines Kollegen interpretiert hast.

    Vielleicht wollte er einfach nur sagen, dass du etwas Neues gemeistert hast – aber du hast es in einen imaginären Konflikt verpackt.

    Was können wir also tun?

    Die Antwort liegt auf der Hand: Hören und nicht sofort interpretieren.

    Klingt simpel, oder?

    Aber der Weg zu dieser Art von Kommunikation ist oft steinig.

    Hier sind ein paar Tipps, wie wir das Interpretieren ein bisschen zurückfahren können:

    Achtsames Zuhören

    Statt sofort mit einer Antwort oder Interpretation zu reagieren, solltest du einfach mal zuhören und die Worte sacken lassen.

    Oft ist es hilfreich, nach einer Aussage zu fragen: „Meintest du das so, wie ich es verstanden habe?“

    Auf diese Weise kannst du Missverständnissen vorbeugen, bevor sie zu einem ausgewachsenen Drama ausarten.

    Neutral bleiben

    Wenn du das Gefühl hast, dass eine Aussage eine versteckte Bedeutung hat, versuche, neutral zu bleiben.

    Das bedeutet nicht, dass du alles glauben musst, was gesagt wird, aber es hilft, den emotionalen Anteil in den Hintergrund zu stellen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

    Es gibt keine versteckte Agenda, solange du keine entdeckst!

    Die Macht des „Könnte es sein, dass…?“

    Der berühmte Fragesatz.

    Wenn du wirklich neugierig bist, was der andere meint, statt deine eigene Geschichte zu erzählen, frag einfach.

    Zum Beispiel: „Könnte es sein, dass du eigentlich meinst, ich habe das gut gemacht?“

    Auf diese Weise öffnest du den Dialog, ohne direkt anzukommen wie ein Detektiv auf der Jagd nach versteckten Bedeutungen.

    Den Kontext berücksichtigen

    Manchmal hilft es, den Kontext der Situation zu betrachten, bevor wir in die Interpretation schlüpfen.

    War der Kommentar aus einem Moment der Müdigkeit entstanden?
    Hatte der Kollege gerade eine stressige Woche?
    Ist der Tonfall, in dem etwas gesagt wurde, wirklich so, wie du es gehört hast?

    Manchmal ist das einfachste, was du tun kannst, zu akzeptieren, dass der andere Mensch nicht immer mit bösen Absichten unterwegs ist.

    Fazit: Weniger ist manchmal mehr – vor allem beim Interpretieren

    Zusammengefasst: Ja, das Leben wäre wirklich viel einfacher, wenn wir weniger in Worte hineininterpretieren würden.

    Wenn wir es schaffen, die Welt mit einem klaren, offenen Ohr zu hören, ohne sofort eine riesige Bedeutung in jeder Silbe zu suchen, können wir Missverständnissen vorbeugen und die Kommunikation deutlich entspannter gestalten.

    Und vielleicht – nur vielleicht – wird der nächste Kommentar über deinen „guten Job“ wirklich einfach nur das sein, was er ist: ein Lob, ohne jeglichen Unterton oder versteckte Agenda. Wer hätte das gedacht?

    Also, das nächste Mal, wenn du dich wieder in einer Interpretation verhedderst, denk daran: Weniger ist mehr.

    Manchmal ist es wirklich am besten, einfach nur zuzuhören – ohne das „aber was meinte er wirklich?“ im Hinterkopf.

     

  • Warum wir nicht immer alles Gehörte interpretieren sollten: Ein klärender Blick hinter die Ohren

    In einer Welt voller ständiger Kommunikation – ob in Besprechungen, beim Kaffeeklatsch oder in den sozialen Medien – sind wir alle von Natur aus interpretiert.

    Und manchmal interpretieren wir die Dinge einfach zu viel.

    Wir hören etwas und zack, sofort schießen wir mit einer ganzen Armada von Gedanken, Annahmen und Schlussfolgerungen aus der Hüfte.

    Dabei, so schön die Vorstellung eines supergeübten, allwissenden Interpretierenden auch ist, hat es eine ganz einfache Schwachstelle: Wir interpretieren oft mehr, als tatsächlich gesagt wurde.

    Und das führt zu Missverständnissen, Fehlannahmen und manchmal zu peinlichen Momenten, bei denen wir uns fragen, warum wir es nicht einfach gelassen haben.

    Das Interpretationschaos: Warum wir so gerne in die Falle tappen

    Nun, warum tun wir uns das überhaupt an?

    Die Antwort liegt in einem wunderbar menschlichen Mechanismus: Unser Gehirn liebt es, Informationen schnell zu verarbeiten und Zusammenhänge zu erstellen.

    Wir sind von Natur aus darauf programmiert, die Welt zu verstehen und Muster zu erkennen.

    Aber anstatt die Dinge einfach zu hören und hinzunehmen, werfen wir oft noch eine extra Schicht Interpretation drauf.

    Das kann aus unterschiedlichen Gründen passieren: Wir fühlen uns verletzt, sind unsicher oder sogar einfach neugierig, was der andere wirklich meint. Vielleicht haben wir eine dunkle Vergangenheit mit ähnlichen Aussagen oder misstrauen generell den guten Absichten unseres Gegenübers.

    So oder so, wir neigen dazu, zwischen den Zeilen mehr zu lesen, als wirklich dasteht.

    Ein einfaches Beispiel:

    Nehmen wir an, dein Kollege sagt zu dir: „Oh, das hast du ja wirklich gut gemacht… für jemanden, der das noch nie zuvor gemacht hat.“
    Du hörst das und bam – dein Gehirn springt sofort an. „Was meint der mit ‚für jemanden, der das noch nie zuvor gemacht hat‘? Bedeutet das, dass er denkt, ich bin unfähig, oder ist das ein verstecktes Kompliment?“
    Diese Frage quält dich vielleicht länger, als du zugeben würdest, weil du die Worte deines Kollegen interpretiert hast.

    Vielleicht wollte er einfach nur sagen, dass du etwas Neues gemeistert hast – aber du hast es in einen imaginären Konflikt verpackt.

    Was können wir also tun?

    Die Antwort liegt auf der Hand: Hören und nicht sofort interpretieren.

    Klingt simpel, oder?

    Aber der Weg zu dieser Art von Kommunikation ist oft steinig.

    Hier sind ein paar Tipps, wie wir das Interpretieren ein bisschen zurückfahren können:

    Achtsames Zuhören

    Statt sofort mit einer Antwort oder Interpretation zu reagieren, solltest du einfach mal zuhören und die Worte sacken lassen.

    Oft ist es hilfreich, nach einer Aussage zu fragen: „Meintest du das so, wie ich es verstanden habe?“

    Auf diese Weise kannst du Missverständnissen vorbeugen, bevor sie zu einem ausgewachsenen Drama ausarten.

    Neutral bleiben

    Wenn du das Gefühl hast, dass eine Aussage eine versteckte Bedeutung hat, versuche, neutral zu bleiben.

    Das bedeutet nicht, dass du alles glauben musst, was gesagt wird, aber es hilft, den emotionalen Anteil in den Hintergrund zu stellen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

    Es gibt keine versteckte Agenda, solange du keine entdeckst!

    Die Macht des „Könnte es sein, dass…?“

    Der berühmte Fragesatz.

    Wenn du wirklich neugierig bist, was der andere meint, statt deine eigene Geschichte zu erzählen, frag einfach.

    Zum Beispiel: „Könnte es sein, dass du eigentlich meinst, ich habe das gut gemacht?“

    Auf diese Weise öffnest du den Dialog, ohne direkt anzukommen wie ein Detektiv auf der Jagd nach versteckten Bedeutungen.

    Den Kontext berücksichtigen

    Manchmal hilft es, den Kontext der Situation zu betrachten, bevor wir in die Interpretation schlüpfen.

    War der Kommentar aus einem Moment der Müdigkeit entstanden?
    Hatte der Kollege gerade eine stressige Woche?
    Ist der Tonfall, in dem etwas gesagt wurde, wirklich so, wie du es gehört hast?

    Manchmal ist das einfachste, was du tun kannst, zu akzeptieren, dass der andere Mensch nicht immer mit bösen Absichten unterwegs ist.

    Fazit: Weniger ist manchmal mehr – vor allem beim Interpretieren

    Zusammengefasst: Ja, das Leben wäre wirklich viel einfacher, wenn wir weniger in Worte hineininterpretieren würden.

    Wenn wir es schaffen, die Welt mit einem klaren, offenen Ohr zu hören, ohne sofort eine riesige Bedeutung in jeder Silbe zu suchen, können wir Missverständnissen vorbeugen und die Kommunikation deutlich entspannter gestalten.

    Und vielleicht – nur vielleicht – wird der nächste Kommentar über deinen „guten Job“ wirklich einfach nur das sein, was er ist: ein Lob, ohne jeglichen Unterton oder versteckte Agenda. Wer hätte das gedacht?

    Also, das nächste Mal, wenn du dich wieder in einer Interpretation verhedderst, denk daran: Weniger ist mehr.

    Manchmal ist es wirklich am besten, einfach nur zuzuhören – ohne das „aber was meinte er wirklich?“ im Hinterkopf.

  • Warum lügen wir am Anfang einer Beziehung häufig?

    Die lügen doch eh alle!

    Wie oft ist es dir schon passiert, dass du einen Menschen kennenlernst, den du wirklich interessant findest? Ihr unterhaltet euch viel miteinander, entdeckt zahlreiche Gemeinsamkeiten und entscheidet, künftig als Paar durchs Leben zu gehen. Ihr lernt euch weiter, besser kennen und irgendwann kommt der Punkt, an dem du dich fragst „hä? das wurde mir aber am Anfang doch ganz anders erzählt?!“. Die ersten Lügen, oder kleine Schummeleien, werden entdeckt.

    Dabei muss es nicht einmal um essentielle Dinge wie einen (nicht vorhandenen) Kinderwunsch oder dramatische Wendungen im Lebenslauf gehen. Häufig sind es sogar die kleinen Dinge, die uns am Anfang stutzig machen.

    „Ja, ich geh auch total gerne auf Konzerte!“ – und dann wird jede Anfrage nach einem gemeinsamen Konzert abgelehnt, weil derartige Veranstaltungen zu laut seien, die Menschenmassen überfordern oder man nicht so viel Geld nur für einen Abend ausgeben möchte.

    „Ja, ich bekomm den Kopf auch am besten beim Joggen frei!“ – und dann fällt in einem anderen Gespräch, Monate später, die Aussage, dass man Ballsportarten schon klasse findet, aber das zugehörige Lauftraining meist schwänze, Laufen sowieso voll anstrengend sei und man doch eher der Gym-Typ in der Gewichteecke sei.

    Bei diesen vermeintlich kleinen Lügen werden wir stutzig, denken aber vielleicht noch, dass wir uns wahrscheinlich am Anfang nur verhört oder es missverstanden haben. Doch mit der Zeit, wenn solche Diskrepanzen immer häufiger vorkommen, fängt das Bauchgefühl an, sich zu melden. Aus einem stutzig sein wird ein Hinterfragen, aus dem Hinterfragen wird eine Vertrauensfrage.

    Doch warum ist das so? Warum lügen wir, wenn wir jemanden kennenlernen, obwohl wir denjenigen gerne (dauerhaft) in unserem Leben hätten?

    Verschiedene Gründe bringen uns dazu zu lügen

    Wenn Menschen zu Beginn einer Beziehung – und häufig auch (weit) über die Kennenlernphase hinaus – lügen, tun sie das aus verschiedenen Gründen. Vielleicht ist es ein konkreter, bei den meisten aber dürfte es sich aus einem Mix aus den folgenden Optionen handeln:

    Lügen, um zu beeindrucken

    Einer der häufigsten Gründe für das Lügen ist, dass wir uns von unserer besten Seite zeigen wollen und mit geschönten oder angepassten Aussagen versuchen, den anderen zu beeindrucken. Mit zustimmenden Aussagen, dass man gewisse Aktivitäten auch schätze oder bestimmte Vorstellungen vom Leben gemeinsam habe, schafft man Vertrauen und damit eine Nähe. Die Partner fühlen sich verstanden, zueinander hingezogen und bauen eine Bindung auf. Im ersten Moment haben diese Lügen eine positive Wirkung.

    Dass diese Bindung aber auf wackligen Beinen steht, wenn die Inhalte der Zustimmungen nicht der Wahrheit entsprechen, wird in diesem Moment ausgeblendet. Später, wenn die Lügen  vielleicht mal ans Licht kommen, ist ja schon die große Liebe da. Dann wird das schon nicht mehr so schlimm sein.

    Lügen als Selbstschutz

    Manchmal aber möchten Menschen mit dem Lügen auch ihre Schwächen oder Unsicherheiten verbergen, besonders wenn sie jemanden neu kennenlernen. Sie glauben, dass kleine Unwahrheiten sie in den Augen des anderen besser erscheinen lassen.

    Ähnlich wie beim Lügen um zu beeindrucken wird auch bei diesem Hintergrund durch das erzählen einer Unwahrheit eine Verbindung aufgebaut. Vertrauen geschaffen. Zumindest suggeriert die Lüge das dem Gegenüber, der zu dem Zeitpunkt noch von einer Wahrheit ausgeht, das erst einmal.

    Dass der Selbstschutz in Gefahr gerät, wenn die Lügen auffliegen, darüber wird in den wenigsten Fällen schon während der Lüge (oder zu irgendeinem anderen Zeitpunkt) nachgedacht. Es wird erst gehandelt, wenn die Lüge zweifelsfrei aufgedeckt wurde – wenn überhaupt. Manchmal wird dann mit einer weiteren Lüge versucht, die erste zu überdecken oder zu begründen. Das daraus möglicherweise entstehende Chaos findet keine Beachtung.

    Angst vor Ablehnung

    Mit dem Selbstschutz einher geht häufig eine Angst vor Ablehnung. Viele Menschen haben Angst, abgelehnt zu werden, wenn sie ihre „wahre“ Seite zeigen. Vor allem, wenn sie selbst das Gegenüber zwar toll finden, aber noch nicht ausreichend über diese Person wissen, um diese einschätzen zu können. Deshalb neigen sie dazu, Dinge zu übertreiben oder zu verschönern, um sicherzustellen, dass auch sie vom anderen gemocht werden.

    Auch ist es möglich, dass jemand in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht hat, dass mit der einen Sichtweise, der anderen Geschichte, einer erzählten Fantasie oder einer erlebten Situation bei einem Gegenüber schlecht dastanden oder sogar aufgrund dessen gemobbt worden sind. Diese Erfahrung soll sich nach Möglichkeit nicht wiederholen, so dass nun bei dem Thema die Entscheidung für das Lügen fällt.

    Lügen aufgrund von Erwartungen und Idealbildern

    Beim Kennenlernen und in den ersten Phasen einer Beziehung gibt es oft eine Vorstellung davon, was die perfekte Partnerschaft ausmacht. Diese meist eher unrealistischen Erwartungen können dazu führen, dass Menschen in ihren Erzählungen oder sogar Handlungsweisen Aspekte ihres Lebens oder Charakters verändern oder verschönern, um diesen Idealen zu entsprechen.

    Dass diese nicht den Tatsachen entsprechen, fällt häufig erst nach einiger Zeit auf, wenn sich die Person entweder sicher fühlt oder aber diesen Schein nicht länger aufrechterhalten kann, weil es zu anstrengend wird. Manchmal bröckelt so eine Fassade auch Schritt für Schritt und es wird nicht direkt eine vorher getragene Maske abgenommen.

    Mangel an Vertrauen

    Wir alle haben in unserem bisherigen Erfahrungen gesammelt. Gute wie schlechte. Und diese prägen uns, auch, wenn wir das nicht immer bewusst wahrnehmen.

    In der Anfangsphase einer Beziehung nun kennt man den anderen noch nicht so gut und vertraut ihm möglicherweise noch nicht vollständig. Deshalb könnten manche Menschen Informationen zurückhalten oder lügen, um sich vor möglichen negativen Reaktionen zu schützen.

    Während ein zurückhalten, ein ehrliches „du, da möchte ich im Moment nichts zu sagen, hab bitte Verständnis dafür – ich werde es dir zu gegebener Zeit erzählen“, zu einer Bindung und einem Vertrauensaufbau innerhalb der wachsenden Beziehung beitragen kann, wird die Lüge eher das Gegenteil bewirken.

    Lügen wegen fehlender Selbstreflexion

    Einige Menschen sind sich vielleicht gar nicht bewusst, dass sie lügen oder die Wahrheit verzerren. Sie haben möglicherweise das Gefühl, dass diese „kleinen Lügen“ keinen Schaden anrichten oder dass sie einfach dazugehören, um eine „gute“ Partnerschaft zu beginnen. Vielleicht merken sie es selbst einmal, dass sie nicht die Wahrheit sagen, weil sie selbst tatsächlich gerne so wären und sich in ihrer Fantasie eine entsprechende Vergangenheit oder sogar einen „neuen Charakter“ erschaffen. Selbst sind sie überzeugt davon, dass es so ist, auch wenn ihre Handlungsweise ganz anderes zeigt.

    Aus welchem Grund auch immer gelogen wird, die Wahrheit kommt meist an Licht. Oft aber erst, wenn die Beziehung wächst und das Vertrauen stärker wird. Am Anfang kann es daher für Menschen ganz normal sein, dass es ein gewisses Maß an Anpassung und sogar Unwahrheiten gibt. Ob man es dann aber von der Kennenlernphase in eine stabile, vertrauensbasierte Beziehung schafft, ist ein bisschen von den Gründen, viel aber von dem Willen der beiden Partner abhängig.

     

  • Wertschätzende Kommunikation in einer Partnerschaft

    Wertschätzende Kommunikation ist eine der Grundlagen für eine gesunde und glückliche Beziehung. Sie fördert das gegenseitige Verständnis, stärkt das Vertrauen und sorgt dafür, dass beide Partner sich gehört, respektiert und unterstützt fühlen. Hier sind einige Prinzipien, wie wertschätzende Kommunikation in einer Beziehung gefördert werden kann:

    Wertschätzung zeigen durch aktives Zuhören

    • Volle Aufmerksamkeit schenken: Wenn dein Partner spricht, solltest du dich wirklich auf das Gesagte konzentrieren, ohne abzuschweifen oder den Gesprächspartner zu unterbrechen.
    • Paraphrasieren: Wiederhole in eigenen Worten, was dein Partner gesagt hat, um sicherzustellen, dass du es richtig verstanden hast und deinem Partner zu zeigen, dass du ihn ernst nimmst.
    • Empathie zeigen: Versuche, dich in die Lage deines Partners zu versetzen, und zeige Mitgefühl für seine Gefühle und Gedanken.

    Ich-Botschaften statt Du-Botschaften

    • Ich-Botschaften verwenden: Anstatt deinem Partner Vorwürfe zu machen (z. B. „Du machst nie…“), drücke aus, wie du dich fühlst (z. B. „Ich fühle mich traurig, wenn…“).
    • Vermeide Schuldzuweisungen: Vermeide Aussagen, die deinen Partner angreifen oder verurteilen, da diese oft zu Abwehrhaltungen führen.

    Respekt und Wertschätzung zeigen

    • Lob und Anerkennung: Anerkenne und schätze die positiven Dinge, die dein Partner tut. Ein einfaches „Danke, dass du das gemacht hast“ kann viel bewirken.
    • Respekt für die Meinung deines Partners: Auch wenn du nicht immer der gleichen Ansicht bist, ist es wichtig, die Sichtweise des anderen zu respektieren und zu verstehen, dass unterschiedliche Meinungen normal sind.

    Konstruktive Kritik

    • Sanft und lösungsorientiert: Wenn Kritik notwendig ist, sollte sie konstruktiv und in einer Art und Weise geäußert werden, die deinen Partner nicht entmutigt. Statt zu sagen „Du machst das immer falsch“, könntest du sagen „Vielleicht könnten wir das beim nächsten Mal so machen…“.
    • Zeit und Ort wählen: Kritik sollte nicht inmitten eines Streits oder zu einem ungünstigen Zeitpunkt geäußert werden. Ein ruhiger Moment ist oft besser, um Themen anzusprechen.

    Offenheit und Ehrlichkeit

    • Gefühle ausdrücken: In einer wertschätzenden Kommunikation ist es wichtig, seine eigenen Gefühle und Bedürfnisse ehrlich zu kommunizieren, ohne Angst vor Verurteilung zu haben.
    • Vertrauen schaffen: Ehrlichkeit fördert das Vertrauen, und je mehr man seine Gedanken und Gefühle offen teilen kann, desto stärker wird die Beziehung.

    Beachte auch die nonverbalen Zeichen

    • Körpersprache: Auch nonverbale Kommunikation wie Mimik, Gestik und Augenkontakt spielt eine große Rolle. Eine offene und freundliche Körpersprache kann das Gespräch unterstützen.
    • Tonfall und Lautstärke: Dein Tonfall sollte prinzipiell ruhig und respektvoll sein, auch wenn es um schwierige Themen geht. Ein harter, lauter Ton kann schnell als Angriff wahrgenommen werden.

    Gemeinsam Lösungen finden

    • Zusammen arbeiten: Wenn es Probleme gibt, geht es nicht darum, den Schuldigen zu finden, sondern gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Fragen wie „Wie können wir das gemeinsam besser machen?“ fördern das Gefühl der Partnerschaft und Zusammenarbeit.
    • Kompromisse eingehen: Manchmal ist es notwendig, Kompromisse einzugehen, um die Bedürfnisse beider Partner zu berücksichtigen. Dabei sollte der Fokus darauf liegen, was für beide fair und akzeptabel ist.

    Geduld und Verständnis

    • Geduld mit dir selbst und deinem Partner: Nicht immer wird die Kommunikation perfekt laufen, und es wird auch Herausforderungen geben. Geduld mit dem Prozess und dem Partner zu haben, ist entscheidend für eine respektvolle Beziehung.
    • Rücksicht auf den Moment: Manchmal ist es wichtig, auch auf den emotionalen Zustand des Partners Rücksicht zu nehmen. Wenn jemand gestresst oder traurig ist, kann es sinnvoller sein, ein Gespräch auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

    Humor und Leichtigkeit

    • Miteinander Lachen: Humor kann helfen, Spannungen zu lösen und eine positive Atmosphäre zu schaffen. Gemeinsames Lachen fördert das Gefühl von Verbundenheit und Leichtigkeit.

    Wertschätzende Kommunikation ist ein kontinuierlicher Prozess, der sowohl Anstrengung als auch die Bereitschaft erfordert, auf den anderen zuzugehen. Sie stärkt nicht nur das gegenseitige Vertrauen, sondern sorgt auch dafür, dass sich beide Partner in der Beziehung gesehen und respektiert fühlen. Wertschätzende Kommunikation ist vielleicht nicht der Schlüssel zu einer lebenslangen Beziehung, aber sie dürfte wohl in vielen dieser Partnerschaften einen nicht unbeachtlichen Teil zum Gelingen beitragen.

     

  • Nonverbale Kommunikation & ihre Bedeutung

    Paul Watzlawick stellte fest, dass es nicht möglich sei, nicht zu kommunizieren. Gemeint ist damit nonverbale Kommunikation. Denn nicht nur mit Worten wird kommuniziert, sondern auch mit Gestiken, Mimik, Körperhaltung, der Tonalität der Sprache, Blicken. Außerdem ist auch der Abstand, den wir zu unserem Gesprächspartner einhalten – oder nicht – ein Teil unserer Kommunikation.

    Nonverbale Kommunikation sind die Botschaften, die wir mittels unserer Körpersignale senden, auch wenn wir schweigen.

    Und diese Art Kommunikation macht einen großen Anteil der Aussagekraft aus. Denn geht es nach dem Psychologen Albert Mehrabian, vermitteln wir lediglich 7 Prozent einer Nachricht tatsächlich über den Inhalt. 38 Prozent werden über die Stimme und 55 Prozent über die Körpersprache weitergegeben.

    Was ist Kommunikation?

    Kommunikation gilt als soziale Interaktion, mit dem Ziel eines Austauschs von Informationen, um sich neues Wissen anzueignen, Erkenntnisse und Erfahrungen auszutauschen oder ein besseres Verständnis für andere zu erlangen.

    Kommunikation bildet somit die Grundlage unseres Seins.

    Während wir heute in der Lage sind, über die Sprache zu kommunizieren, war das nicht immer möglich. Statt Sprache gab es Laute und statt Sätzen gab es Körpersprache.

    Und diese Körpersprache findet meist unbewusst statt. Sie wird über die Sinneswahrnehmung vermittelt, heißt über Sehen, Hören, Riechen, Fühlen und Schmecken. Die Summe dieser Eindrücke ergibt die beim Empfänger ankommende Botschaft.

    Arten nonverbaler Kommunikation

    Es gibt verschiedene Arten nicht-verbaler Kommunikation. Alle zusammen vermitteln dem Empfänger eine Botschaft.

    Nonverbale Kommunikation durch die Körperhaltung

    Durch die Art wie wir Gehen, unseren Kopf halten oder unseren Körper positionieren senden wir Botschaften an unser Gegenüber. Ein schräg geneigter Kopf, hängende Schultern oder eine federnde Gangart senden verschiedene Informationen an unseren Gesprächspartner.

    Mimik als Teil der der nonverbalen Kommunikation

    In unserem Gesichtsausdruck spiegelt sich in der Regel unser aktuelles Gefühl. Botschaften können wir bei unserem Gegenüber über die Mundwinkel, die Augen und die Augenbrauen, sogar über die Nase erkennen.

    Kommunizieren mittels Gestik

    Auch senden wir Botschaften über unsere Gestik. Damit sind die Bewegungen von Kopf, Armen und Händen gemeint. Sind die Arme etwa vor der Brust verschränkt oder verschwinden die Hände in der Hosentasche sagt das vieles aus.

    Blickverhalten – Blicke sagen mehr als Worte

    Unsere Blicke vermitteln dem Gesprächspartner ebenfalls viele unbewusste Informationen. Wird der Blickkontakt aufrechterhalten oder doch eher vermieden? Ist der Blick gerade oder gesenkt? Wird mit den Augen gerollt? All das sind Informationen, die beim Empfänger eine Botschaft auslösen.

    Taktilität als Kommunikationsmittel

    Zur Tatktilität gehören etwa Umarmungen oder ein Händedrück – Berührungen der Gesprächspartner, denen ebenfalls eine Aussagekraft inne ist.

    nonverbale Kommunikation durch persönlichen Habitus

    Hinzu kommen Merkmale unser Gesamterscheinungsbild betreffend. Dazu gehören die Kleidung, Schmuck und Frisur, aber auch Statussymbole und typische Gesten.

    Interpersonaler Raum als Informationsquelle über Beziehungsstatus

    Auch die Distanz, die Gesprächspartner zueinander aufweisen, gibt Aufschluss über deren Beziehung zueinander. Die engsten Freunde und Familie etwa befinden sich in der intimen Zone, das heißt in einem Abstand von bis zu 0,6 Metern. Der persönliche Raum, mit einem Abstand von 0,6 bis 1,6 Metern ist Freunden und Kollegen vorbehalten, während sich in der sozialen Zone Menschen in der Straßenbahn oder der Gastronomie bewegen. Ab 3,6 Meter beginnt die öffentliche Zone, die auf Fremde schließen lässt.

    Paraverbale Kommunikation

    Zu diesen nonverbalen Botschaften kommt die paraverbale Kommunikation. Das sind die Stimmeigenschaften, die etwa ein Drittel der nicht-verbalen Sprache ausmacht. Dazu zählen die Geschwindigkeit des Sprechens, die Stimmlage und Tonfall, die Sprechmelodie und Betonungen sowie die Lautstärke der Stimme.

    Diese Parabeln sind am schwierigsten zu kontrollieren, weswegen ihnen bei der nonverbalen Kommunikation eine solch hohe Bedeutung zugeschrieben wird.

    Die Wichtigkeit nonverbaler Kommunikation

    Über die Botschaften, die wir nicht sagen, geben wir Aufschluss über unseren inneren Zustand. Worte werden bewusst und damit kontrolliert gewählt, wohingegen verbale und paraverbale Kommunikation eher unbewusst geschieht. Daher ruft eine Inkongruenz zwischen verbaler und nicht-verbaler Kommunikation beim Gesprächspartner immer Zweifel hervor. Zweifel an den Worten.

    Auch sind es die nonverbalen Signale, die unserem Gegenüber dazu dienen, sich innerhalb der ersten Sekunden des Aufeinandertreffens ein Bild von unserer Persönlichkeit zu erstellen. Ist der Gesprächspartner etwa nach vorne gebeugt und hält seinen Kopf etwas geneigt, vermittelt das Interesse, während ein abgewandter oder nach hinten gelehnter Körper von Desinteresse zeugt. Aufrichtiges Lächeln zeigt Sympathie, eine aufrechte Körperhaltung Selbstbewusstsein und hängende Schultern Unsicherheit.

    Unbewusst und innerhalb von Sekunden vermitteln wir durch diese Signale eine Botschaft, die der Kommunikationspartner zu einem Bild unserer Persönlichkeit und unseres Sozialstatus zusammensetzt und darauf entsprechend reagiert. Dadurch wird der Sender-Empfänger-Kreis geschlossen.

    Körperhaltung und damit das von uns selbst vermittelte Bild können wir beeinflussen.

    Die amerikanische Sozialpsychologin Amy Cudde hat herausgefunden, dass so genannte Sieger- oder High-Power-Posen einen erhöhten Testeron-Spiegel, ein Zeichen für ein höheres Selbstbewusstsein, sowie einen reduzierten Chortisol-Spiegel, ein Zeichen für ein niedriges Stresslevel, mit sich bringen. Die Studie konnte zwar nicht eindeutig bestätigt werden, doch eine Metastudie ergab, dass derartige Siegerposen sich dennoch positiv auf unsere Selbstsicherheit auswirken können.

    Interpretation nonverbaler Sprache

    Um die Ausdrücke lesen zu können, nutzen Experten das FACS – Facial Coding System. Dieses beinhaltet sieben Basis-Gefühle: Freude, Angst, Ekel, Trauer, Abwertung, Ärger und Überraschung. Eine allgemeine Definition von nonverbalen Signalen gibt es aber nicht. Sie hängt immer vom Kontext sowie den persönlichen Filtern des Empfängers ab.

    Beispielsweise ein Lächeln. Ein Lächeln hat bei einem Date eine vollkommen andere Bedeutung als auf einer Trauerfeier.

    Doch nicht nur der Kontext ist beim Lesen des Gesichtsausdrucks und anderer nonverbaler Kommunikationsoptionen entscheidend.

    Geschlechterspezifische Kommunikation

    Auch das Geschlecht ist ein wichtiges Merkmal. Denn Männer und Frauen weisen zum Teil deutliche Unterschiede in ihrem Kommunikationsverhalten auf.

    Männer legen in der Regel mehr Wert auf die verbalen Inhalte, zudem ist ihre Mimik eher minimalistisch ausgeprägt, während ihre Gestik viel Raum einnimmt. Frauen kommunizieren mehr, genau genommen fünfmal intensiver, über ihre Körpersprache und sind in der Lage, die nonverbalen Signale besser zu deuten. Sie zeigen ihre Gefühle über ihre Mimik, wodurch sie auf der einen Seite eine höhere Verletzbarkeit aufweisen, auf der anderen Seite aber auch mehr emotionale Intelligenz, Nähe und Freundlichkeit ermöglichen.

    Kulturspezifische Kommunikation

    Des Weiteren gibt es kulturelle Unterschiede. Je nach Kulturkreis gelten andere Regeln die Kommunikation betreffend, was die interkulturelle Kommunikation nicht immer leichter gestaltet.

    So gilt das in Deutschland für eine Zustimmung stehende Kopfnicken in Griechenland und Bulgarien etwa für „nein“, während dort die Zustimmung mittels eines Kopfschüttelns ausgedrückt wird.

    Auch die Distanzzonen variieren. In Lateinamerika und arabischen Ländern ist ein geringerer Abstand üblich als in Mitteleuropa.

    In Südeuropa und Lateinamerika wird deutlich mehr Wert auf Berührungen, Mimik und Gestik innerhalb der Kommunikation gelegt als es das in mitteleuropäischen und skandinavischen Ländern der Fall ist.

    Anwendung nonverbaler Kommunikation

    Entsprechend der Aussage, dass wir nicht nicht kommunizieren können, findet Kommunikation also immer statt.

    Kommunikation im Business

    Die nonverbale Sprache spielt auch im Geschäftsleben eine große Rolle. Einflussreiche Menschen trainieren ihre Körpersprache und sind so mitunter in der Lage, Gespräche, Präsentationen und Vorträge positiv zu beeinflussen. Das geschieht mit Hilfe einer aufrechten Körperhaltung, eines entschlossenen Auftretens, der Situation angepasster Kleidung und einem angemessenen Blickkontakt. Aufrichtiges Lächeln in bestimmten Momenten, Betonung wichtiger Aussagen und entsprechende Gestiken verleihen dem Gesagten den gewünschten Effekt. Sprechpausen bekräftigen den vorangegangenen Satz und geben dem Zuhörer Zeit, die Worte wirken zu lassen.

    Wer im Kundenkontakt oder bei Bewerbungsgesprächen in der Lage ist, die Signale des Gegenübers zu verstehen und die eigenen zu steuern, hat gute Chancen, das Gespräch zu seinen Gunsten zu entwickeln.

    Kommunikation mit Demenzpatienten

    Wer schon einmal mit einem dementen Menschen zu tun hatte, hat sicherlich den Tipp erhalten, vielmehr nonverbal mit diesem zu kommunizieren. Die Fähigkeit, Körpersignale und Stimme zu verstehen, sind weitaus ausgeprägter als das Können, Wörtern einen Sinn zu geben. Demenzkranke erkennen tiefe und ruhige Stimmen als freundlich, während hohe und schrille Aussagen eher als aggressiv wahrgenommen werden und den Patienten beunruhigen oder gar verängstigen können.

    Menschen, die an Demenz leiden, reagieren sensibel auf die Signale ihres Gegenübers und sind schnell in der Lage, ein echtes von einem aufgesetzten Lächeln zu unterscheiden. Selbst bringen sie ihre Emotionen klar und offen zum Ausdruck.

    Nonverbale Kommunikation im Marketing

    Um eine positive Assoziation mit einem Produkt oder einer Dienstleistung herzustellen, werden im Marketing Bilder, Gestiken, Mimik, Formen und Farben genutzt und mit Emotionen und Werten untermalt.

    So suggeriert die glückliche Familie Freude, starke Männer Macht und ein verführerischer Blick Sex-Appeal. Wichtig ist dabei, dass die Kommunikation hinsichtlich Angebot, Anbieter und Zielgruppe übereinstimmt.

    Körpersignale besser deuten können

    Du möchtest die Signale der anderen gerne besser deuten können? Dann schaue dir beispielsweise einen Filmausschnitt an, den du noch nicht kennst. Lasse den Ton aus und beobachte die Darsteller. Wie ist ihre Haltung, wie gestikulieren sie, was verrät ihre Mimik?
    Nachdem du über Handlung und Körpersprache der Darsteller deine eigene Interpretation der Situation herausgearbeitet hast, überprüfst du deine Theorie mit dem Ton des Films. Hattest du recht? Wo kannst du noch aufmerksamer werden und dich verbessern?

  • Bewertung anderer Menschen – warum tun wir das?

    Bewertung von Situationen, Dingen und Personen – ein Großteil unseres Alltags machen Bewertungen aus. Wir alle bewerten. Und das ist erst einmal auch gut so.

    Denn eine Bewertung ist mitunter lebenswichtig:

    • Wie schnell fährt das Auto, vor dem wir die Straße überqueren möchten?
    • Sind die Pflanzen, die wir da essen möchten, giftig?
    • Meint es ein Mensch gut mit uns oder möchte er uns etwas anhaben?

    Derartige Bewertungen führen zu unseren Entscheidungen. Und das ist gut so.

    Wenn wir aber die Entscheidungen von anderen Menschen – bezüglich ihrer Optik, ihres Kaufs oder ähnlicher individueller, persönlicher Vorgehensweisen – bewerten, ist das nicht lebenswichtig. Weder für uns selbst noch für den anderen.

    Ganz im Gegenteil: Das Gegenüber können wir schnell durch eine solch unbedachte Bewertung kränken oder verletzen.

    Sobald wir in eine Situation kommen, sind wir versucht, diese zu bewerten. Sei es die Frisur unseres Gegenübers, die wir nicht nur als neu erkennen, sondern auch mit einer Bewertung belegen: Sei es das neue Auto oder die neue Wohnung, wozu wir nicht nur Glückwünsche aussprechen, sondern häufig auch gleich noch Anmerkungen loswerden müssen.

    Kaum eine Situation in unserem Leben, die nicht von Außenstehenden bewertet und beurteilt werden.

    Wir alle bewerten, aber niemand mag es, bewertet zu werden.

    Eine Bewertung drückt uns einen Stempel auf, steckt uns in eine Schublade, typisiert uns. Dadurch fühlen wir uns eingeschränkt, ungesehen und unverstanden.

    Die oberste Regel könnte daher sein: Wenn du selbst nicht bewertet werden möchtest, dann bewerte auch selbst nicht.

    Klingt erst einmal einfach, ist es aber meist nicht. Bewertungen sind ein Impuls, und geschehen daher oft unbewusst.

    Diesem Impuls kannst du entgegensteuern, indem du einen Moment innehältst. Versetze dich gedanklich in die Person, die du bewerten möchtest, versuche deren Gefühle, Reaktionen und Interaktionen nachzuvollziehen.

    Warum bewerten Menschen andere Menschen und Situationen?

    Es gibt mehrere typische Gründe für das Bewerten anderer Menschen.

    Bewertung aufgrund eines geringen Selbstbewusstseins

    Ein Grund für das Bewerten anderer Menschen ist ein geringes Selbstbewusstsein des Bewertenden.

    Wer sich selbst nicht (bedingungslos) akzeptiert, ist auch nicht in der Lage, andere in ihrem Sein und mit ihren Entscheidungen zu akzeptieren. Menschen mit einem geringen Selbstbewusstsein werden jede Chance nutzen, um andere Menschen zu be- oder verurteilen.

    Wer häufig und heftig bewertet, nutzt dieses Vorgehen meist, um sich selbst in eine kontrollierende Position zu bringen. Dadurch fällt eine Verteidigung leichter.

    Nicht selten fallen die Bewertungen von anderen Menschen so aus, dass sie viel besser auf den Bewertenden zutreffen.

    Wenn also jemand einen anderen als „unsicher“ bezeichnet, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Bewertende sich selbst unsicher fühlt.

    Die Bewertung ist der Versuch, die Kontrolle über den anderen zu bekommen und sich selbst als gegenteilig zu präsentieren. Sie projizieren also ihre eigenen Unsicherheiten in den anderen, um sich besser zu fühlen.

    Fehlende Empathie als Ursache für Bewertung

    Ein weiterer Grund für Bewertungen ist fehlende Empathie.

    Menschen, die sich schwer damit tun, sich in andere hineinzuversetzen, tun sich ebenfalls schwer damit, die Bedürfnisse, Fehler und vor allem auch Stärken anderer zu erkennen. Ihnen fällt das Bewerten anderer meist viel leichter als einem anderen Menschen gegenüber Respekt aufzubringen.

    Bewertung statt Auseinandersetzung mit den eigenen Emotionen

    Ein weiterer Grund sind die eigenen Emotionen des Bewertenden.

    Wer verletzt wurde, kann resilient reagieren und aus dieser Verletzung lernen und sich so weiterzuentwickeln.

    Wer hingegen nicht gut mit schmerzhaften Situationen umgehen kann, ist voller Groll und Missgunst und fühlt sich dadurch häufig genötigt, andere zu verurteilen, um nicht selbst verletzt zu werden. Die Bewertung des anderen dient hier dem Schutz vor der eigenen Verbitterung und den eigenen Sorgen.

    Statt einem respektvollen und offenen Umgang miteinander wird sich wie ein Miesmacher verhalten. Das ist schädlich und kann der Beziehung durchaus gefährlich werden.

    Wie am besten auf eine Bewertung reagieren?

    Wenn du dir bewertet vorkommst und sich das nicht gut anfühlt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du deinem Gegenüber das mitteilen möchtest. Häufig kommt es im Zuge einer solchen Unterhaltung zum Streit. Das muss aber nicht sein.

    • Atme stattdessen einmal tief ein.
    • Halte dir vor Augen, dass der Impuls, Situationen und andere Menschen zu beurteilen, menschlich und damit in jedem von uns vorhanden ist.
    • Sei dir nun bewusst, dass diese Bewertung nichts mit dir zu tun hat. Die Meinung des anderen definiert dich nicht, definiere du dich daher nicht selbst über dessen Meinung.
    • Wenn es dir wichtig ist, die Bewertung klarzustellen, tu das. Aber tu es nicht in der Situation, sondern erst später, mit Abstand.

    Bevor du andere beurteilst, überlege dir, ob du dich selbst so akzeptierst wie du bist. Sowohl deine Stärken als auch deine Schwächen.

    Wenn du dich selbst akzeptierst, stärkst du dein Selbstbewusstsein.

    Und mit einem starken Selbstbewusstsein ist es nicht notwendig, andere zu beurteilen.

    Bewertest du andere (noch)?