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  • ADHS und Autismus in der Schule: Was Lehrkräfte wirklich wissen – und was nicht

    „Er kann sich einfach nicht konzentrieren“, sagt die Lehrerin und schaut auf den kleinen Jungen, der ständig auf seinem Stuhl wippt. „Oder er will nur stören“, denkt eine andere Kollegin über ein Mädchen nach, das lieber kritzelt als Aufgaben löst.

    Szenen wie diese sind Alltag in deutschen Klassenzimmern.

    Doch oft liegt das Problem nicht in der Disziplin, sondern in ADHS oder Autismus – und die meisten Lehrer sind darauf kaum vorbereitet.


    Zwischen Anspruch und Realität

    Inklusion ist gesetzlich vorgeschrieben.

    Lehrkräfte sollen Kinder mit besonderen Bedürfnissen begleiten – von Lernstörungen über Hochbegabung bis zu Entwicklungsstörungen wie ADHS oder Autismus.

    Im Studium tauchen diese Themen auf, meist in Modulen zu Inklusion oder Sonderpädagogik. Aber:

    • ADHS oder Autismus bekommen häufig nur wenige Stunden Theorie.
    • Die Inhalte sind theoretisch, selten praxisnah.
    • Konkrete Unterrichtsstrategien? Fehlanzeige.

    Die Folge: Viele Lehrkräfte verlassen die Universität mit einer vagen Vorstellung, aber kaum Werkzeugen, um im Alltag wirklich zu unterstützen.


    Lernen auf Abruf: Referendariat und Schulalltag

    Erst im Referendariat, wenn die Klasse die ersten echten Herausforderungen bringt, lernen Lehrerinnen und Lehrer, wie unterschiedlich Kinder ticken. Ein Schüler fällt ständig aus der Rolle, eine andere kämpft mit sozialen Regeln.

    Jetzt zeigt sich: Das, was sie im Studium hörten, reicht oft nicht. Es gilt, ad hoc zu improvisieren, mit Mentoren zu sprechen oder selbst nach Lösungen zu suchen.

    Für Kinder bedeutet das: Verständnis hängt oft vom Zufall ab – ob gerade jemand in der Klasse sitzt, der Erfahrung hat, oder ob die Lehrkraft eine Fortbildung besucht hat.


    Sonderpädagogik: Wissen in der Nische

    Lehrer mit Sonderpädagogik-Ausbildung erhalten mehr Input:

    • Entwicklungspsychologie
    • Diagnostik und Förderplanung
    • Spezielle Förderstrategien bei ADHS und Autismus

    Doch diese Fachkräfte sind rar.

    Die meisten Regelschulen haben keinen dauerhaften Zugang zu diesem Wissen, sodass viele Kinder unterversorgt bleiben – nicht aus Ignoranz, sondern wegen struktureller Lücken.


    Praxisbeispiele aus dem Klassenzimmer

    • ADHS: Ein Junge kann Arbeitsaufträge nicht fokussiert bearbeiten, verliert Materialien, wirkt unruhig.
      Lehrer sehen „Faulheit“, Eltern sehen „das Kind ist überfordert“.
    • Autismus: Ein Mädchen reagiert auf Veränderungen gereizt, meidet Gruppenarbeit.
      Lehrer interpretieren dies als „schwierig“, während das Kind unter Reizüberflutung leidet.

    Diese Missverständnisse sind Alltag.

    • Kinder werden falsch bewertet,
    • erhalten nicht die nötige Unterstützung,
    • oder Eltern kämpfen gegen Vorurteile.

    Wo Lehrer ihr Wissen nachholen

    Viele Lehrkräfte holen sich Expertise außerhalb des Studiums:

    • Fortbildungen und Workshops zu ADHS/Autismus
    • Austausch mit Eltern und Fachkräften
    • Praxisbücher und Online-Ressourcen

    Eltern, Coaches und externe Berater werden oft wichtiger als das Studium selbst, wenn es darum geht, konkrete Hilfen umzusetzen.


    Fazit: Ein System, das Nachhilfe braucht

    ADHS und Autismus sind Teil der Lehrerausbildung – aber nur als Randthema. Wer wirklich versteht, wie Kinder ticken, lernt es oft erst im Job.

    Das bedeutet: Schulen müssen strukturelle Unterstützung bieten, Fortbildungen ermöglichen und den Austausch mit Fachleuten fördern. Kinder verdienen, dass ihre Besonderheiten erkannt und gefördert werden – nicht ignoriert oder missverstanden.

    Denn hinter jeder unruhigen Hand, hinter jedem leisen Rückzug steckt ein Kind, das verstanden werden möchte. Und genau dafür brauchen Lehrkräfte mehr als Theorie – sie brauchen echte Praxis, Wissen und Empathie.

  • Tipps für eine gute Klassengemeinschaft

    Mindestens neun Jahre lang gehen Kinder und Jugendliche in Deutschland zur Schule. So will es die Schulpflicht. In der Regel besuchen sie die ersten vier Jahre eine Grundschule, bevor es mit dem Start der fünften Klasse an eine weiterführende Schule (Mittel-/Hauptschule, Realschule oder Gymnasium) geht. Manche Bundesländer bieten auch die Möglichkeit anderer Schulformen.

    Daher ist es wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen gerne zur Schule gehen. Und das tun sie meist, sobald sie sich in ihrer Klasse wohl fühlen.

    Neben dem leichteren Einhalten der Schulpflicht bietet eine gute Klassengemeinschaft noch weitere Vorteile:

    Lernatmosphäre

    Wenn die Klassengemeinschaft als gut bewertet wird, fühlen sich die Schüler sicher und wohl. Diese Sicherheit bietet eine gute Grundlage zum guten Lernen. Denn die Schüler sind eher bereit, Fragen zu stellen und aktiv am Unterricht teilzunehmen, wodurch sie besser Lernen.

    Soziale Fähigkeiten

    In einer guten Klassengemeinschaft fällt es Schülern leichter, soziale Fähigkeiten zu entwickeln. Diese Fähigkeiten benötigen sie während der Schulzeit, aber auch weit darüber hinaus. Dazu zählen etwa Teamarbeit, Empathie und Konfliktlösung.

    Motivation

    Schüler, die sich in ihrer Klasse wohlfühlen, sind oft motivierter und engagierter. Sie haben ein stärkeres Gefühl der Zugehörigkeit. So verringern sich die Fehltage des einzelnen und die Unterstützung der anderen erhöht sich. Es werden erkrankten Schülern die Hausaufgaben vorbeigebracht, Lerngruppen gegründet und sich untereinander Nachhilfe gegeben. Und auch die Motivation, sich aktiv am Unterricht zu beteiligen, steigt bei den meisten Kindern und Jugendlichen, wenn sie sich in ihrer Klasse gut aufgehoben fühlen.

    Emotionale Unterstützung

    In einer starken Klassengemeinschaft können Schüler emotionale Unterstützung finden, was besonders in herausfordernden Zeiten wichtig ist. Nicht immer läuft zu Hause oder im Alltag der Kinder alles rund. Streitigkeiten mit den Geschwistern, der Umzug eines guten Freundes, der Wechsel des Sportvereins und viele weitere Situationen können Kinder und Jugendliche irritieren. Gut ist, wenn sie dann auf den Rückhalt ihrer Klassengemeinschaft zählen können.

    Verbesserung der Klassengemeinschaft

    Wenn bereits eine gute Klassengemeinschaft herrscht, ist das ein sehr großer Pluspunkt – sowohl für die Schüler als auch die Lehrer, die in dieser Klasse unterrichten. Dennoch sollten im Laufe der Zeit immer wieder, kleinere oder auch etwas umfangreichere, Dinge zur Stabilität oder weiteren Verbesserung der Klassengemeinschaft beitragen.

    Teambuilding-Aktivitäten

    Aus dem Arbeitsumfeld kennen viele die Bezeichnung bereits. Teambuilding beschreibt, dass das Team, die Abteilung, die Projektgruppe oder sonstige, im beruflichen Kontext zusammengebrachte Menschen, ihren Zusammenhalt stärken, um die Zusammenarbeit zu verbessern. Das passiert häufig extern, bei darauf spezialisierten Anbietern. Aber auch unternehmensintern kann vieles getan werden, das dem Teambuilding dienlich ist. Das können etwa Betriebsausflüge sein, beispielsweise in einen Hochseilgarten, einen Escape-Room oder auch eine gemeinsame Floßfahrt.

    Bei Schulklassen gibt es häufig Wandertage während des Schuljahres, die den gleichen Gedanken pflegen. Während der Schulzeit aber können zudem Spiele oder Projekte helfen, das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. Diese können, vielleicht sogar fächer- und/oder klassenübergreifend in den Unterrichtsalltag eingebunden werden. Wichtig ist dabei, dass die Klasse als Einheit etwas erledigen muss und nicht einzelnen Gruppen innerhalb der Klasse gegeneinander antreten.

    Regelmäßige Gespräche

    Offene Dialoge über Erwartungen, Wünsche und Sorgen fördern das Verständnis und die Empathie untereinander. Das sollte in einer Klasse, die noch nicht harmonisch aufgestellt ist, eher anonym erfolgen, kann aber später, wenn die Klassengemeinschaft überwiegend als positiv wahrgenommen wird, auch offen passieren.

    Vorsicht ist allerdings geboten, wenn es mindestens einen Schüler gibt, der sich in der Klassengemeinschaft nicht aufgenommen fühlt.

    Kooperative Lernformen

    Auch Gruppenarbeiten oder Partnerprojekte ermöglichen es den Schülern, zusammenzuarbeiten und voneinander zu lernen. Um einen möglichst großen sozialen Lerneffekt zu erzielen, können die Gruppen per Los, mindestens aber vom Lehrer zusammengebracht werden, da bei freier Partnerwahl häufig die besten Freunde gewählt werden.

    Gemeinsame Ziele setzen

    Wenn die Klasse zusammen Ziele definiert, stärkt das den Zusammenhalt und fördert das gemeinsame Engagement. Das könnte etwa hinsichtlich des Notendurchschnitts sein („unsere Klasse hat einen Notendurchschnitt von 3,0 oder besser in der nächste Probe/dem Zwischenzeugnis/etc.“) oder projektbasiert („wir unterstützen in der Vorweihnachtszeit das hiesige Kinderkrankenhaus mit Spenden“, „wir organisieren einen Spendenlauf für den Verein so und so“).

    Wichtig ist, dass die Schüler gemeinsam ein Ziel festlegen und die Lehrkraft dabei eher im Hintergrund agiert.

    Anerkennung und Wertschätzung

    Positives Feedback und Anerkennung für Leistungen und Bemühungen können das Selbstwertgefühl der Schüler stärken und die Gemeinschaft fördern. Damit ist nicht gemeint, dass nur die Bestnoten hervorgehoben werden, sondern jeder für seine individuelle Leistung gelobt wird. Wenn ein versetzungsgefährdeter Schüler bei seinem Angstthema eine 3 schreibt, ist das eine wunderbare Leistung, die ebenso betont werden darf wie die fehlerfreie Probe des Klassenbesten.

    Regeln und Normen

    Schon Kleinkinder brauchen Regeln. Das ändert sich auch in der Schule nicht. Klare, gemeinsam erarbeitete Regeln helfen, ein respektvolles und sicheres Umfeld zu schaffen. Natürlich gibt es Regeln, die von der Schule vorgegeben werden. Wenn aber die Klasse gemeinschaftlich ihre eigenen Regeln erarbeiten und festlegen darf, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass diese auch eingehalten werden.

    Indem Lehrer und Schüler gemeinsam an einer positiven Klassengemeinschaft arbeiten, können das Lernen und die persönliche Entwicklung für alle Beteiligten erheblich verbessert werden. Eine gute Klassengemeinschaft sollte daher immer das Ziel sein.

     

  • Cybermobbing – was kannst du tun?

    Spätestens seit Zeiten des Home-Schoolings und des Home-Office ist Cybermobbing jedem ein Begriff. Cybermobbing ist das bewusste und dauerhafte Ausgrenzen einer einzelnen Person aus einem geschlossenen Kreis wie etwa der Schulklasse oder der Abteilung im Job. Die Vorgehensweisen sind dabei ähnlich wie beim Mobbing, sie können allerdings rund um die Uhr und vollkommen ortsunabhängig stattfinden. Auch sind online getätigte Aussagen für viel mehr Menschen einsehbar und nur schwerer wieder aus dem Internet-Orbit zu entfernen. Diffamierende Bilder etwa verbreiten sich in Windeseile und können kaum mehr endgültig gelöscht werden. Die Betroffenen werden immer jünger, die Auswirkungen bleiben die gleichen.

    Cyberlife III Studie vom Bündnis gegen Cybermobbing

    Die im Jahr 2020 vom Bündnis gegen Cybermobbing bereits zum dritten Mal durchgeführte Studie Cyberlife III bringt klare Ergebnisse ans Licht: Schon in der Altersgruppe der 6- bis 12- jährigen sind 40% der Kinder regelmäßig in sozialen Netzwerken wie facebook unterwegs. Dass viele dieser Netzwerke eine Altersbeschränkung haben, WhatsApp etwa ist an ein Mindestalter von 13 Jahren geknüpft, wird ignoriert. Kein Wunder also, dass auch die Zahl der Kinder und Jugendlichen steigt, die bereits in jungen Jahren mit Cybermobbing in Berührung kommen. Seit 2017 ist die Zahl derjenigen auf 17,3 % gestiegen. Das bedeutet, dass fast zwei Millionen Schulkinder bereits mit Cybermobbing in Kontakt gekommen sind.

    Cybermobbing bei Kindern

    Die Verlagerung der sozialen Kontakte sowie des Schulalltags in den letzten Monaten ins Onlineleben tragen ihren Beitrag zu dieser Entwicklung bei, schon in Grundschulklassen geht es los. Erschreckend dabei ist der Anstieg der Betroffenen, die von gravierenden Folgen berichten. In den letzten drei Jahren ist die Anzahl der Betroffenen, die Suizidgedanken äußerten, um 20 % gestiegen. Die Anzahl derjenigen, die sich mit Hilfe von Tabletten oder Alkohol aus der Situation herausflüchten wollten, sogar um 30 Prozent. Diese Zahlen beziehen sich ausschließlich auf von Cybermobbing betroffene Kinder und Jugendliche.

    Was ist Mobbing eigentlich?

    Cybermobbing wird definiert als die Belästigung, Nötigung, Bedrängung und Verleumdung anderer Menschen mit Hilfe elektronische Kommunikationsmittel. Mobbing an Schulen ist das systematische Ausgrenzen einer Schülerin oder eines Schülers über einen längeren Zeitraum. Beim Mobbing, so auch beim Cybermobbing, herrscht ein Machtungleichgewicht. Das bedeutet, dass durch die Anzahl der Beteiligten eine Seite – die des Opfers – deutlich weniger mächtig ist als die Täterseite. Während das Mobbing im echten Leben nach Schulschluss automatisch ein Ende findet, ist das Cybermobbing rund um die Uhr möglich. WhatsApp-Gruppenchats und die Nutzung sozialer Netzwerke machen das möglich. Auch müssen sich beide Parteien nicht mehr am gleichen Ort befinden. Konkrete Mobbinghandlungen können etwa das unerlaubte Onlinestellen eines Fotos sein, aber auch das nicht einladen zu einer Veranstaltung, bei der alle anderen anwesend sind. Offensichtlicher wird es, wenn im Klassenchat kollektiv gegen jemanden gehetzt wird. Die häufigsten Cybermobbing-Taten sind Beleidigungen und Beschimpfungen, gefolgt von Gerüchten und Verleumdungen.

    Folgen von Cybermobbing

    Neben den gravierenden Folgen der Suizidgedanken oder des Drogenkonsums hat Cybermobbing auch weitere Auswirkungen. Allen voran stehen hier eine bedrückte Stimmung und ein Leistungsabfall in der Schule. Häufiges Fehlen im Unterricht und Konzentrationsprobleme sind ebenso auf das Mobbing zurückzuführen wie Angst und Wut. Orte, an denen gemobbt wird, wollen vermieden werden. Daher sollten sowohl Eltern als auch Lehrkräfte bei Auftreten von ungewöhnlich hohen Fehlzeiten hellhörig werden. Das gleiche gilt auch in der Arbeitswelt.

    Cybermobbing in Schulen – wie sehen es Eltern und Lehrkräften?

    Während sich beim Mobbing Opfer und Täter in der Regel am gleichen Ort befinden und so Gesicht zeigen müssen, kann sich der Täter beim Cybermobbing in der Anonymität des Internets verstecken. Das fördert in der Wahrnehmung vieler Eltern auch die Gewaltbereitschaft. Die Eltern selbst, wenn sie denn überhaupt vom Mobbing an ihrem Kind erfahren, fühlen sich häufig überfordert. Dass Eltern mit dem Cybermobbing überfordert sind, zeigt eine der häufigsten Reaktionen. Und diese Reaktion der Eltern ist fatal: Anstatt mit dem Kind oder dem Jugendlichen vertrauensvoll über das Mobbing zu sprechen, werden sie bestraft, indem ihnen der Zugang zu den Endgeräten verwehrt wird. Das ist oftmals ein redlicher Gedanke, führt in der Realität aber häufiger dazu, dass Eltern nichts vom Cybermobbing erfahren, aus Angst davor, dass das Handy oder der PC dann nicht mehr genutzt werden dürfen. Die Überforderung liegt mitunter daran, dass in den Schulen kaum Prävention und Aufklärung angeboten wird. Die Lehrkräfte sehen das ähnlich. Die Opfer von Cybermobbing werden immer jünger. Die Folgen immer gravierender. Dr. Jens Baas, der Vorstandsvorsitzende der TK, berichtet von Angst, Schlafstörungen und Depressionen als Folgen – genauso wie bei allen anderen Mobbingarten. Dass dabei vor allem die sowieso schon emotional besonders verletzlichen Kinder und Jugendlichen auch Jahre später noch an Folgen leiden, ist laut seiner Aussage keine Seltenheit.

    Reaktionen auf und Hintergründe von Cybermobbing

    Kindliche und jugendliche Opfer von Cybermobbing reagieren in 61% der Fälle verletzt, 53% jedoch mit Wut. Dass sich bei ihnen im Laufe der Zeit die Opfer-Täter-Dynamik wandeln könnte, ist möglich. Cybermobbing wächst – Corona verstärkt dieses Wachstum noch. Durch die Umstellung von Präsenz- auf Distanzunterricht in den Schulen und die geltenden Kontaktbeschränkungen verlagern sich die sozialen Kontakte immer mehr ins Internet. Tragisch dabei ist, dass die Täter bei Cybermobbing kaum sanktioniert werden und häufig mit ihren Schikanen ungestraft davonkommen. Hier könnte Prävention Abhilfe schaffen. Kinder und Jugendliche können mit den technischen Gegebenheiten des Internets und der Endgeräte oftmals intuitiv umgehen, ihre Medienkompetenz hingegen ist weniger ausgeprägt. Angebote, die den Umgang miteinander in den sozialen Netzwerken vermitteln sowie den Klassenzusammenhalt stärken, können an dieser Stelle viel bewirken.

    Handlungsempfehlungen vom Bündnis gegen Cybermobbing

    Bereits stattfindende Präventionsarbeit muss nicht nur verstärkt werden, sondern bereits in den Grundschulen angeboten werden. Dazu gehört nicht nur der soziale Umgang im Internet für die Kinder, sondern auch eine optimierte Lehrkraftfortbildung. Auch sollten die Eltern wissen, was ihr Nachwuchs im Internet tut und wie sie dabei unterstützen können. Sie sollten die Inhalte und Funktionsweisen der jeweiligen Netzwerke ihres Kindes kennen und wissen, auf welchen Plattformen ihr Nachwuchs unterwegs ist. Befähigen können sich Lehrkräfte und Eltern mit Hilfe externer Experten, die sich mit dem Thema befassen und umfangreich aufklären können. Letztlich ist auch die Politik gefragt, ein Gesetz gegen Cybermobbing ins Leben zu rufen. In Österreich etwa existiert ein solches bereits seit 2016.

    Rechtslage bei Cybermobbing

    Während andere Länder in diesem Bereich schon weiter sind, handelt es sich in Deutschland bei Cybermobbing ebenso wie bei Mobbing um keine anerkannte Straftat. Einzelne Handlungen aber sind durchaus strafbar. Das belegen zahlreiche Gerichtsurteile aus den letzten Jahren, in denen die Täter zu teilweise sehr hohen Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafen verurteilt worden sind. Möglich ist die Verfolgung eines Straftatbestands jedoch nur dann, der Betroffene aktiv eine Anzeige vornimmt und Beweise gesichert sind. Daher ist es ratsam, alles, was im Rahmen des Cybermobbings passiert, zu sichern: Dateien speichern, Screenshots machen und Accounts nach Möglichkeit nicht löschen. Auch ein Mobbing-Tagebuch ist hilfreich. Nicht nur, dass sich die Betroffenen darin alles von der Seele schreiben können, es dient auch als Gedankenstütze. Verhandlungen finden oftmals in großem zeitlichem Abstand zur Anzeige statt, so dass es gut ist, wenn sich der oder die Betroffene die Situationen nochmals in Gedächtnis zurückholen kann. Im besten Fall werden daher nicht nur die Situationen beschrieben, sondern auch die Namen aller Beteiligten, der konkrete Ort, die genaue Uhrzeit und auch das empfundene Gefühl notiert. Wenn du selbst mit Kindern zu tun hast, als Elternteil oder als Fachkraft, kannst du bereits ab einem Alter von etwa 10 oder 11 Jahren auf die rechtlichen Konsequenzen hinweisen, die auf die Kinder zukommen könnten, wenn sie selbst zum Mobbenden werden. Spätestens ab einem Alter von 14 Jahren sind sie deliktfähig und ihre Taten können geahndet werden.

    Schnelle Tipps bei (Cyber-)Mobbing

    Bist du oder dein Kind aktuell von Cybermobbing betroffen, versuche den Mobbenden nicht mit logischen Argumenten auf die ausgeübten Taten anzusprechen. Das führt eher zu einer noch höheren emotionalen Belastung deinerseits als zu einer Klärung. Wenn du es nicht schaffst, es zu ignorieren, versuche es mit sachlichen Argumenten. Weise auf die Straftaten hin, die begangen werden, anstatt auf die Emotionen, die das Mobbing in dir oder deinem Kind auslöst. Im Online-Bereich gibt es die Funktion des Blockierens. Du kannst das gesamte Profil des Schikanierenden sperren und bekommst so keine Nachrichten mehr. Das hilft häufig jedoch nur kurzfristig und erschwert eine etwaige Beweissammlung. Handelt es sich in der Mobbingsituation um dein Kind, dann versuch nicht, die Situation als Eltern zu klären. Wenn du das für dein Kind übernimmst, bietest du damit direkt einen weiteren Angriffspunkt. Es kommt vor, dass vormalige Opfer zu Tätern werden. Sprich auch da mit deinem Kind drüber – über die Konsequenzen und vor allem über Alternativen, mit der Situation umzugehen. Biete deinem Kind zuhause einen sicheren Hafen. Höre deinem Kind zu und achte schon auf kleine Wesensveränderungen. Nimm dein Kind in den Arm und zeige auf, dass es sich bei den Mobbingtaten der anderen um deren Meinung handelt, die dein Kind aber keineswegs annehmen muss. Zeige deinem Kind, was es alles kann und besinnt euch gemeinsam darauf, wer aus seinem Umfeld es alles lieb hat und zu schätzen weiß.

    Auch zahlreiche Erwachsene von Cybermobbing betroffen

    Die Cyberlife III- Studie konzentriert sich auf Kinder und Jugendlichen in Schulen, Erwachsene sind aber nicht automatisch vor derartigen Angriffen gefeit. Auch bei ihnen sind Veränderungen hinsichtlich ihrer Lebensqualität, ihrer psychischen Gesundheit und der Stimmungslage eine häufige Folge. Diese äußern sich bei Erwachsenen durch vermehrte Krankmeldungen und Arbeitsunfähigkeit bis hin zur Kündigungsbereitschaft.   Wenn du Unterstützung in den Mobbingprävention oder dem Umgang mit Mobbing für deine Schulklasse oder deine Familie benötigst, melde dich gerne.