Schlagwort: mobbing

  • Bewertung anderer Menschen – warum tun wir das?

    Bewertung von Situationen, Dingen und Personen – ein Großteil unseres Alltags machen Bewertungen aus. Wir alle bewerten. Und das ist erst einmal auch gut so.

    Denn eine Bewertung ist mitunter lebenswichtig:

    • Wie schnell fährt das Auto, vor dem wir die Straße überqueren möchten?
    • Sind die Pflanzen, die wir da essen möchten, giftig?
    • Meint es ein Mensch gut mit uns oder möchte er uns etwas anhaben?

    Derartige Bewertungen führen zu unseren Entscheidungen. Und das ist gut so.

    Wenn wir aber die Entscheidungen von anderen Menschen – bezüglich ihrer Optik, ihres Kaufs oder ähnlicher individueller, persönlicher Vorgehensweisen – bewerten, ist das nicht lebenswichtig. Weder für uns selbst noch für den anderen.

    Ganz im Gegenteil: Das Gegenüber können wir schnell durch eine solch unbedachte Bewertung kränken oder verletzen.

    Sobald wir in eine Situation kommen, sind wir versucht, diese zu bewerten. Sei es die Frisur unseres Gegenübers, die wir nicht nur als neu erkennen, sondern auch mit einer Bewertung belegen: Sei es das neue Auto oder die neue Wohnung, wozu wir nicht nur Glückwünsche aussprechen, sondern häufig auch gleich noch Anmerkungen loswerden müssen.

    Kaum eine Situation in unserem Leben, die nicht von Außenstehenden bewertet und beurteilt werden.

    Wir alle bewerten, aber niemand mag es, bewertet zu werden.

    Eine Bewertung drückt uns einen Stempel auf, steckt uns in eine Schublade, typisiert uns. Dadurch fühlen wir uns eingeschränkt, ungesehen und unverstanden.

    Die oberste Regel könnte daher sein: Wenn du selbst nicht bewertet werden möchtest, dann bewerte auch selbst nicht.

    Klingt erst einmal einfach, ist es aber meist nicht. Bewertungen sind ein Impuls, und geschehen daher oft unbewusst.

    Diesem Impuls kannst du entgegensteuern, indem du einen Moment innehältst. Versetze dich gedanklich in die Person, die du bewerten möchtest, versuche deren Gefühle, Reaktionen und Interaktionen nachzuvollziehen.

    Warum bewerten Menschen andere Menschen und Situationen?

    Es gibt mehrere typische Gründe für das Bewerten anderer Menschen.

    Bewertung aufgrund eines geringen Selbstbewusstseins

    Ein Grund für das Bewerten anderer Menschen ist ein geringes Selbstbewusstsein des Bewertenden.

    Wer sich selbst nicht (bedingungslos) akzeptiert, ist auch nicht in der Lage, andere in ihrem Sein und mit ihren Entscheidungen zu akzeptieren. Menschen mit einem geringen Selbstbewusstsein werden jede Chance nutzen, um andere Menschen zu be- oder verurteilen.

    Wer häufig und heftig bewertet, nutzt dieses Vorgehen meist, um sich selbst in eine kontrollierende Position zu bringen. Dadurch fällt eine Verteidigung leichter.

    Nicht selten fallen die Bewertungen von anderen Menschen so aus, dass sie viel besser auf den Bewertenden zutreffen.

    Wenn also jemand einen anderen als „unsicher“ bezeichnet, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Bewertende sich selbst unsicher fühlt.

    Die Bewertung ist der Versuch, die Kontrolle über den anderen zu bekommen und sich selbst als gegenteilig zu präsentieren. Sie projizieren also ihre eigenen Unsicherheiten in den anderen, um sich besser zu fühlen.

    Fehlende Empathie als Ursache für Bewertung

    Ein weiterer Grund für Bewertungen ist fehlende Empathie.

    Menschen, die sich schwer damit tun, sich in andere hineinzuversetzen, tun sich ebenfalls schwer damit, die Bedürfnisse, Fehler und vor allem auch Stärken anderer zu erkennen. Ihnen fällt das Bewerten anderer meist viel leichter als einem anderen Menschen gegenüber Respekt aufzubringen.

    Bewertung statt Auseinandersetzung mit den eigenen Emotionen

    Ein weiterer Grund sind die eigenen Emotionen des Bewertenden.

    Wer verletzt wurde, kann resilient reagieren und aus dieser Verletzung lernen und sich so weiterzuentwickeln.

    Wer hingegen nicht gut mit schmerzhaften Situationen umgehen kann, ist voller Groll und Missgunst und fühlt sich dadurch häufig genötigt, andere zu verurteilen, um nicht selbst verletzt zu werden. Die Bewertung des anderen dient hier dem Schutz vor der eigenen Verbitterung und den eigenen Sorgen.

    Statt einem respektvollen und offenen Umgang miteinander wird sich wie ein Miesmacher verhalten. Das ist schädlich und kann der Beziehung durchaus gefährlich werden.

    Wie am besten auf eine Bewertung reagieren?

    Wenn du dir bewertet vorkommst und sich das nicht gut anfühlt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du deinem Gegenüber das mitteilen möchtest. Häufig kommt es im Zuge einer solchen Unterhaltung zum Streit. Das muss aber nicht sein.

    • Atme stattdessen einmal tief ein.
    • Halte dir vor Augen, dass der Impuls, Situationen und andere Menschen zu beurteilen, menschlich und damit in jedem von uns vorhanden ist.
    • Sei dir nun bewusst, dass diese Bewertung nichts mit dir zu tun hat. Die Meinung des anderen definiert dich nicht, definiere du dich daher nicht selbst über dessen Meinung.
    • Wenn es dir wichtig ist, die Bewertung klarzustellen, tu das. Aber tu es nicht in der Situation, sondern erst später, mit Abstand.

    Bevor du andere beurteilst, überlege dir, ob du dich selbst so akzeptierst wie du bist. Sowohl deine Stärken als auch deine Schwächen.

    Wenn du dich selbst akzeptierst, stärkst du dein Selbstbewusstsein.

    Und mit einem starken Selbstbewusstsein ist es nicht notwendig, andere zu beurteilen.

    Bewertest du andere (noch)? 

  • Cybermobbing – was kannst du tun?

    Spätestens seit Zeiten des Home-Schoolings und des Home-Office ist Cybermobbing jedem ein Begriff. Cybermobbing ist das bewusste und dauerhafte Ausgrenzen einer einzelnen Person aus einem geschlossenen Kreis wie etwa der Schulklasse oder der Abteilung im Job. Die Vorgehensweisen sind dabei ähnlich wie beim Mobbing, sie können allerdings rund um die Uhr und vollkommen ortsunabhängig stattfinden. Auch sind online getätigte Aussagen für viel mehr Menschen einsehbar und nur schwerer wieder aus dem Internet-Orbit zu entfernen. Diffamierende Bilder etwa verbreiten sich in Windeseile und können kaum mehr endgültig gelöscht werden. Die Betroffenen werden immer jünger, die Auswirkungen bleiben die gleichen.

    Cyberlife III Studie vom Bündnis gegen Cybermobbing

    Die im Jahr 2020 vom Bündnis gegen Cybermobbing bereits zum dritten Mal durchgeführte Studie Cyberlife III bringt klare Ergebnisse ans Licht: Schon in der Altersgruppe der 6- bis 12- jährigen sind 40% der Kinder regelmäßig in sozialen Netzwerken wie facebook unterwegs. Dass viele dieser Netzwerke eine Altersbeschränkung haben, WhatsApp etwa ist an ein Mindestalter von 13 Jahren geknüpft, wird ignoriert. Kein Wunder also, dass auch die Zahl der Kinder und Jugendlichen steigt, die bereits in jungen Jahren mit Cybermobbing in Berührung kommen. Seit 2017 ist die Zahl derjenigen auf 17,3 % gestiegen. Das bedeutet, dass fast zwei Millionen Schulkinder bereits mit Cybermobbing in Kontakt gekommen sind.

    Cybermobbing bei Kindern

    Die Verlagerung der sozialen Kontakte sowie des Schulalltags in den letzten Monaten ins Onlineleben tragen ihren Beitrag zu dieser Entwicklung bei, schon in Grundschulklassen geht es los. Erschreckend dabei ist der Anstieg der Betroffenen, die von gravierenden Folgen berichten. In den letzten drei Jahren ist die Anzahl der Betroffenen, die Suizidgedanken äußerten, um 20 % gestiegen. Die Anzahl derjenigen, die sich mit Hilfe von Tabletten oder Alkohol aus der Situation herausflüchten wollten, sogar um 30 Prozent. Diese Zahlen beziehen sich ausschließlich auf von Cybermobbing betroffene Kinder und Jugendliche.

    Was ist Mobbing eigentlich?

    Cybermobbing wird definiert als die Belästigung, Nötigung, Bedrängung und Verleumdung anderer Menschen mit Hilfe elektronische Kommunikationsmittel. Mobbing an Schulen ist das systematische Ausgrenzen einer Schülerin oder eines Schülers über einen längeren Zeitraum. Beim Mobbing, so auch beim Cybermobbing, herrscht ein Machtungleichgewicht. Das bedeutet, dass durch die Anzahl der Beteiligten eine Seite – die des Opfers – deutlich weniger mächtig ist als die Täterseite. Während das Mobbing im echten Leben nach Schulschluss automatisch ein Ende findet, ist das Cybermobbing rund um die Uhr möglich. WhatsApp-Gruppenchats und die Nutzung sozialer Netzwerke machen das möglich. Auch müssen sich beide Parteien nicht mehr am gleichen Ort befinden. Konkrete Mobbinghandlungen können etwa das unerlaubte Onlinestellen eines Fotos sein, aber auch das nicht einladen zu einer Veranstaltung, bei der alle anderen anwesend sind. Offensichtlicher wird es, wenn im Klassenchat kollektiv gegen jemanden gehetzt wird. Die häufigsten Cybermobbing-Taten sind Beleidigungen und Beschimpfungen, gefolgt von Gerüchten und Verleumdungen.

    Folgen von Cybermobbing

    Neben den gravierenden Folgen der Suizidgedanken oder des Drogenkonsums hat Cybermobbing auch weitere Auswirkungen. Allen voran stehen hier eine bedrückte Stimmung und ein Leistungsabfall in der Schule. Häufiges Fehlen im Unterricht und Konzentrationsprobleme sind ebenso auf das Mobbing zurückzuführen wie Angst und Wut. Orte, an denen gemobbt wird, wollen vermieden werden. Daher sollten sowohl Eltern als auch Lehrkräfte bei Auftreten von ungewöhnlich hohen Fehlzeiten hellhörig werden. Das gleiche gilt auch in der Arbeitswelt.

    Cybermobbing in Schulen – wie sehen es Eltern und Lehrkräften?

    Während sich beim Mobbing Opfer und Täter in der Regel am gleichen Ort befinden und so Gesicht zeigen müssen, kann sich der Täter beim Cybermobbing in der Anonymität des Internets verstecken. Das fördert in der Wahrnehmung vieler Eltern auch die Gewaltbereitschaft. Die Eltern selbst, wenn sie denn überhaupt vom Mobbing an ihrem Kind erfahren, fühlen sich häufig überfordert. Dass Eltern mit dem Cybermobbing überfordert sind, zeigt eine der häufigsten Reaktionen. Und diese Reaktion der Eltern ist fatal: Anstatt mit dem Kind oder dem Jugendlichen vertrauensvoll über das Mobbing zu sprechen, werden sie bestraft, indem ihnen der Zugang zu den Endgeräten verwehrt wird. Das ist oftmals ein redlicher Gedanke, führt in der Realität aber häufiger dazu, dass Eltern nichts vom Cybermobbing erfahren, aus Angst davor, dass das Handy oder der PC dann nicht mehr genutzt werden dürfen. Die Überforderung liegt mitunter daran, dass in den Schulen kaum Prävention und Aufklärung angeboten wird. Die Lehrkräfte sehen das ähnlich. Die Opfer von Cybermobbing werden immer jünger. Die Folgen immer gravierender. Dr. Jens Baas, der Vorstandsvorsitzende der TK, berichtet von Angst, Schlafstörungen und Depressionen als Folgen – genauso wie bei allen anderen Mobbingarten. Dass dabei vor allem die sowieso schon emotional besonders verletzlichen Kinder und Jugendlichen auch Jahre später noch an Folgen leiden, ist laut seiner Aussage keine Seltenheit.

    Reaktionen auf und Hintergründe von Cybermobbing

    Kindliche und jugendliche Opfer von Cybermobbing reagieren in 61% der Fälle verletzt, 53% jedoch mit Wut. Dass sich bei ihnen im Laufe der Zeit die Opfer-Täter-Dynamik wandeln könnte, ist möglich. Cybermobbing wächst – Corona verstärkt dieses Wachstum noch. Durch die Umstellung von Präsenz- auf Distanzunterricht in den Schulen und die geltenden Kontaktbeschränkungen verlagern sich die sozialen Kontakte immer mehr ins Internet. Tragisch dabei ist, dass die Täter bei Cybermobbing kaum sanktioniert werden und häufig mit ihren Schikanen ungestraft davonkommen. Hier könnte Prävention Abhilfe schaffen. Kinder und Jugendliche können mit den technischen Gegebenheiten des Internets und der Endgeräte oftmals intuitiv umgehen, ihre Medienkompetenz hingegen ist weniger ausgeprägt. Angebote, die den Umgang miteinander in den sozialen Netzwerken vermitteln sowie den Klassenzusammenhalt stärken, können an dieser Stelle viel bewirken.

    Handlungsempfehlungen vom Bündnis gegen Cybermobbing

    Bereits stattfindende Präventionsarbeit muss nicht nur verstärkt werden, sondern bereits in den Grundschulen angeboten werden. Dazu gehört nicht nur der soziale Umgang im Internet für die Kinder, sondern auch eine optimierte Lehrkraftfortbildung. Auch sollten die Eltern wissen, was ihr Nachwuchs im Internet tut und wie sie dabei unterstützen können. Sie sollten die Inhalte und Funktionsweisen der jeweiligen Netzwerke ihres Kindes kennen und wissen, auf welchen Plattformen ihr Nachwuchs unterwegs ist. Befähigen können sich Lehrkräfte und Eltern mit Hilfe externer Experten, die sich mit dem Thema befassen und umfangreich aufklären können. Letztlich ist auch die Politik gefragt, ein Gesetz gegen Cybermobbing ins Leben zu rufen. In Österreich etwa existiert ein solches bereits seit 2016.

    Rechtslage bei Cybermobbing

    Während andere Länder in diesem Bereich schon weiter sind, handelt es sich in Deutschland bei Cybermobbing ebenso wie bei Mobbing um keine anerkannte Straftat. Einzelne Handlungen aber sind durchaus strafbar. Das belegen zahlreiche Gerichtsurteile aus den letzten Jahren, in denen die Täter zu teilweise sehr hohen Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafen verurteilt worden sind. Möglich ist die Verfolgung eines Straftatbestands jedoch nur dann, der Betroffene aktiv eine Anzeige vornimmt und Beweise gesichert sind. Daher ist es ratsam, alles, was im Rahmen des Cybermobbings passiert, zu sichern: Dateien speichern, Screenshots machen und Accounts nach Möglichkeit nicht löschen. Auch ein Mobbing-Tagebuch ist hilfreich. Nicht nur, dass sich die Betroffenen darin alles von der Seele schreiben können, es dient auch als Gedankenstütze. Verhandlungen finden oftmals in großem zeitlichem Abstand zur Anzeige statt, so dass es gut ist, wenn sich der oder die Betroffene die Situationen nochmals in Gedächtnis zurückholen kann. Im besten Fall werden daher nicht nur die Situationen beschrieben, sondern auch die Namen aller Beteiligten, der konkrete Ort, die genaue Uhrzeit und auch das empfundene Gefühl notiert. Wenn du selbst mit Kindern zu tun hast, als Elternteil oder als Fachkraft, kannst du bereits ab einem Alter von etwa 10 oder 11 Jahren auf die rechtlichen Konsequenzen hinweisen, die auf die Kinder zukommen könnten, wenn sie selbst zum Mobbenden werden. Spätestens ab einem Alter von 14 Jahren sind sie deliktfähig und ihre Taten können geahndet werden.

    Schnelle Tipps bei (Cyber-)Mobbing

    Bist du oder dein Kind aktuell von Cybermobbing betroffen, versuche den Mobbenden nicht mit logischen Argumenten auf die ausgeübten Taten anzusprechen. Das führt eher zu einer noch höheren emotionalen Belastung deinerseits als zu einer Klärung. Wenn du es nicht schaffst, es zu ignorieren, versuche es mit sachlichen Argumenten. Weise auf die Straftaten hin, die begangen werden, anstatt auf die Emotionen, die das Mobbing in dir oder deinem Kind auslöst. Im Online-Bereich gibt es die Funktion des Blockierens. Du kannst das gesamte Profil des Schikanierenden sperren und bekommst so keine Nachrichten mehr. Das hilft häufig jedoch nur kurzfristig und erschwert eine etwaige Beweissammlung. Handelt es sich in der Mobbingsituation um dein Kind, dann versuch nicht, die Situation als Eltern zu klären. Wenn du das für dein Kind übernimmst, bietest du damit direkt einen weiteren Angriffspunkt. Es kommt vor, dass vormalige Opfer zu Tätern werden. Sprich auch da mit deinem Kind drüber – über die Konsequenzen und vor allem über Alternativen, mit der Situation umzugehen. Biete deinem Kind zuhause einen sicheren Hafen. Höre deinem Kind zu und achte schon auf kleine Wesensveränderungen. Nimm dein Kind in den Arm und zeige auf, dass es sich bei den Mobbingtaten der anderen um deren Meinung handelt, die dein Kind aber keineswegs annehmen muss. Zeige deinem Kind, was es alles kann und besinnt euch gemeinsam darauf, wer aus seinem Umfeld es alles lieb hat und zu schätzen weiß.

    Auch zahlreiche Erwachsene von Cybermobbing betroffen

    Die Cyberlife III- Studie konzentriert sich auf Kinder und Jugendlichen in Schulen, Erwachsene sind aber nicht automatisch vor derartigen Angriffen gefeit. Auch bei ihnen sind Veränderungen hinsichtlich ihrer Lebensqualität, ihrer psychischen Gesundheit und der Stimmungslage eine häufige Folge. Diese äußern sich bei Erwachsenen durch vermehrte Krankmeldungen und Arbeitsunfähigkeit bis hin zur Kündigungsbereitschaft.   Wenn du Unterstützung in den Mobbingprävention oder dem Umgang mit Mobbing für deine Schulklasse oder deine Familie benötigst, melde dich gerne.
  • In 7 Schritten zu mehr Resilienz

    Resilienz hilft uns, Krisen und Rückschläge leichter zu meistern. Aus schweren Zeiten gehen resiliente Menschen gestärkt und mit neuer Motivation hervor. Das ist im Berufsleben ein großer Vorteil, um Mobbing und Konflikte nicht zu nah an sich heranzulassen – aber auch privat ein wichtiger Faktor. Mit einer ausgeprägten Resilienz werden Optimismus und Zukunftsplanung gestärkt. Außerdem wird das Risiko einer stressinduzierten Erkrankung wie einer Depression oder einer Abhängigkeit, gemindert. Schon Kindern können wir mehr Resilienz mit auf ihren Weg geben, damit sie ihren Schulalltag bestmöglich bewältigen. Um bei Kindern diese Widerstandskraft aufzubauen, sind Kontakt zu Gleichaltrigen, aber auch ein Zuhause voller Wärme und Vertrauen, ehrlichem Interesse und Kontrolle notwendig. Die psychische Widerstandsfähigkeit ist erlernbar. Dein Weg dorthin führt über die folgenden sieben Schritte.

    1. Der erste Schritt zu mehr Resilienz ist die Selbstakzeptanz

    Die Akzeptanz ist dabei so etwas wie die Bestandsaufnahme. Die Realität wird bewusst wahrgenommen, ohne sie zu bewerten. Hierbei geht es vor allem darum, zu verinnerlichen, dass es Dinge gibt, die nicht oder noch nicht geändert werden können. Nimm dich selbst, aber auch Erlebnisse und andere Personen, so an wie sie sind – und zwar unerheblich davon, ob du damit einverstanden bist oder nicht. Akzeptiere Fehler und Makel, um einen guten Zugang zu dir selbst und deinen Ressourcen zu fördern.

    2. Mehr Resilienz durch realistischen Optimismus

    Resiliente Menschen können allen Situationen, selbst den schweren, noch etwas Gutes abgewinnen. Auf deinem Weg zur Resilienz geht es daher auch um eine positive Grundhaltung. Optimismus ist es, wenn du eher das halbvolle als das halbleere Glas siehst. Beim realistischen Optimismus bleibst du dabei zudem realistisch und beschönigst nichts.

    3. Zielorientierung wichtig für deine Resilienz

    Auch verlieren resiliente Menschen nie ihren Fokus. Sie gehen bei Bedarf Umwege oder ändern die Bedingungen, behalten aber ihr Ziel zu jeder Zeit im Auge. Dieses Ziel verfolgen sie konsequent weiter, auch in Krisenzeiten.

    4. Mit Empathie zu mehr Resilienz

    Empathie bedeutet, dass sich jemand in die Gefühle eines anderen hineinversetzen kann. Dieses Hineinversetzen ermöglicht es dir nicht nur, Verständnis für dein eigenes Verhalten aufzubringen, sondern auch angemessen auf das Verhalten anderer reagieren zu können.

    5. Emotionen steuern können baut Resilienz auf

    Wer seine Emotionen steuern kann, ist in der Lage seine Gefühle wahrzunehmen. Wenn du deine Emotionen steuern kannst, bedeutet das, dass du Handlungsweisen in petto hast, mit Hilfe derer du dich selbst in stressigen Situationen wieder entschleunigen, fokussieren und beruhigen kannst.

    6. Deine Selbstwirksamkeit als Teil deiner Resilienz

    Selbst schwierige Aufgaben und Herausforderungen können durch eigenes Handeln bewältigt werden. Wenn du über Selbstwirksamkeit verfügst, vertraust du darauf, es auch allein zu schaffen.

    7. Dein letzter Schritt zu mehr Resilienz ist die aktive Lösungsorientierung

    Zu den wichtigsten Faktoren der Resilienz gehört die aktive Suche nach Lösungen. Wenn du über diesen Faktor verfügst, bist du in der Lage, Zusammenhänge von Problemen zu erkennen – du lernst aus deinen Fehlern und nimmst nicht mehr alles persönlich. Menschen mit keiner oder nur einer geringen Resilienz suchen die Schuld für Misserfolge häufig bei anderen, wodurch sie sowohl die Lösung als auch ihre Eigenverantwortung aus den Augen verlieren.
    Möchtest du wissen, wie du diese sieben Schritte zur Resilienz in deinen Alltag einbauen kannst, dann hol dir ein Ticket für einen meiner Kurse oder Seminare.
  • Mobbing am Arbeitsplatz – ein Erfahrungsbericht

    Vor Kurzem wandte sich ein Leser an mich, der durch den Artikel über Mobbing auf mich aufmerksam wurde. Er möchte seine Geschichte gerne erzählen. Sie ist sehr persönlich, weswegen ich ihn behelfsweise Max nenne.

    Wer ist Max?

    Max ist Mitte Dreißig, lebt mit seiner Frau und einem Kind in einer Eigentumswohnung im Südwesten Deutschlands. Er ist gelernter Bürokaufmann, hat zahlreiche Fort- und Weiterbildungen absolviert und arbeitet nun seit mehreren Jahren im gleichen Unternehmen als Verwaltungsangestellter im sozialen Bereich. Die Pandemie 2020, mit all ihren Facetten, lässt Max seinen Job im Allgemeinen, seinen Arbeitgeber im Speziellen neu überdenken. Schon sein Eingangssatz lässt mich erschaudern. „Mobbing steht vor allem in Sozialunternehmen auf der Tagesordnung.“ Üble Anschuldigung, heftige Aussage denke ich im ersten Moment. Bis mir einfällt, dass ich erst vor Kurzem den aktuellen Gesundheitsreport der Barmer GEK gelesen habe. Darin wird berichtet, dass im sozialen Bereich die Zahl der psychisch bedingten Krankschreibungen besonders hoch ist. Ich lasse Max erzählen.

    Max´ Geschichte

    „Während ein Arbeitskollege, dem schon seit Monaten ein Betrug hinsichtlich der Arbeitszeit vorgeworfen wird, mitsamt der sensiblen Daten aller Kunden ins Home Office ausquartiert wird, müssen andere, teilweise alleinerziehende, Kollegen, zusehen, wie sie bei geschlossenen Betreuungseinrichtungen ihrer Kinder Arbeit und Fürsorgepflicht für den Nachwuchs unter einen Hut bringen. Auch zur Risikogruppe gehörende oder in BEM-Maßnahmen (berufliches Eingliederungsmanagement) befindliche Kollegen dürfen aus Gründen des Datenschutzes nicht ins Home Office – so lautet die Aussage der Geschäftsführung. Allgemeine Aufrufe, mögliche Tätigkeitsfelder remote erledigen zu lassen werden ebenso ignoriert wie die Einhaltung vorgegebener Hygienekonzepte. Stattdessen sollen vertraglich geregelte Arbeitszeiten angepasst werden, unabhängig der Gründe für eben genau diese vereinbarte Zeiteinteilung. Unbezahlter Urlaub dürfe genommen werden, wenn man sich an seinem Arbeitsplatz und auf dem Weg dorthin nicht ausreichend geschützt fühlt.“ Max wirkt verzweifelt. „Hinzu kommt, dass Aufgaben mit einer Deadline versehen werden, die aber durch die Absage des remote-Arbeitens nicht eingehalten werden können. Der Mitarbeiter muss sich aber trotz genehmigten Überstundenabbaus oder bestätigter Urlaubstage rechtfertigen.“ Seine Stimme beginnt zu zittern, während Max von mehreren Kollegen berichtet, die das Verhalten seiner Vorgesetzten mindestens sehr fragwürdig finden, des Öfteren fällt auch die Bezeichnung „Mobbing“.

    Angestellte sind Mobbing meist ausgeliefert

    Angestellte sind einem solchen Verhalten oft ausgeliefert. Zu Zeiten von Corona ist ein Wechsel des Arbeitsplatzes nicht einfach, nach eigenen Aussagen hat Max es mehrfach versucht. „Nicht nur die Unsicherheit, die ein Jobwechsel per se mit sich bringt, macht mir zu schaffen. Das ständige Misstrauen und der dauernde Kampf zermürben mich. Ich habe keine Kraft mehr für den Bewerbungsprozess. Hinzu kommt, dass das permanente Heruntermachen mein Selbstbewusstsein ziemlich eingeschränkt hat.“ Inzwischen hat Max Tränen in den Augen. Seine Frau ist sich sicher, dass die Geschäftsführung die aktuelle Situation vollkommen ausnutzt, berichtet Max weiter. „Eine Kündigung seitens des Arbeitgebers ist aus verschiedenen Gründen quasi nicht möglich, deswegen wird versucht, mich und die anderen betreffenden Mitarbeiter dazu zu bringen, von sich aus zu gehen. Das wurde schon mehrfach so gemacht, in den meisten Fällen erfolgreich.„, weiß Max. „Es ist traurig, dass auf diesem Wege seit Jahren gutes Personal vergrault wird„, erinnert sich Max und fügt direkt an, dass der Betriebsrat zwar informiert sei, aber nichts tun könne. Sein Blick ist gen Boden gerichtet, er selbst in sich zusammengefallen.

    Was können Opfer von Mobbing tun?

    Von Mobbing betroffene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weisen meist eine erhöhte Fehlzeit auf, das geht aus zahlreichen Studien hervor. Doch der Nachweis eines Mobbingfalls, in diesem konkreten Beispiel handelt es sich um die Form des so genannten Bossings, bei dem das Mobben vom Chef ausgeübt wird, ist sehr schwierig. Betroffenen wird das Führen eines Mobbing-Tagebuchs empfohlen. Weiterhin sollte vermieden werden, sich mit dem Mobbenden alleine in einem Raum aufzuhalten. Auch ein Gang zum Arzt kann vorübergehend Linderung verschaffen. Während Psychologen beratend zur Seite stehen, kann der Hausarzt mit einer Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit unterstützen. Nur in seltenen Fällen erledigen sich Mobbingfälle von alleine. Bei der Sonderform des Bossings ist es noch schwieriger, da die höher angesetzten Positionen seltener gewechselt werden. Wer keinen Ausweg mehr weiß und, wie im Fall von Max, auch der Betriebsrat nicht helfen kann, hat die Möglichkeit der juristischen Hilfestellung. Diese ist jedoch nur dann erfolgversprechend, wenn das Fehlverhalten belegt werden kann. Und selbst dann ist es nicht möglich, sicherzustellen, dass das Mobben beendet wird. Letztlich bleibt den Mobbingopfern meist nur die Kündigung. Auch Max spielt mit dem Gedanken. Doch er hat eine Familie zu ernähren und seine Frau erwartet ihr zweites Kind. Er sieht sich in der Verantwortung, für seine Familie zu sorgen und seine Befindlichkeiten, wie er es nennt, müssen hintenanstehen.

    Herzlichen Dank an Max

    Ich danke Max für seine Offenheit, er dankt mir für das Zuhören. Das darüber Sprechen habe ihm gut getan, lächelt er mich an. Meine Frage, was er sich für die Zukunft wünschen würde, beantwortet er schnell: „Ich wünsche mir, dass Menschen ihre eigenen Probleme nicht auf andere projizieren und jeder seine Arbeit machen kann. Denn meinen Job mag ich sehr. Nur die Umstände ertrage ich nicht mehr.“

    Erste Hilfe können Betroffene etwa beim Hilfetelefon des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Angelegenheiten bekommen.

     
  • Mobbing am Arbeitsplatz

    Viel zu viele Menschen haben während ihres Arbeitslebens mindestens einmal mit Mobbing zu tun. Knapp drei Prozent aller ArbeitnehmerInnen wird mindestens einmal im Arbeitsleben aktiv oder passiv Opfer einer solchen Tat zwischen Kollegen, im Form von Bossing (Mobbing von Chef zu Arbeitnehmer) oder Staffing (Mobbing vom Arbeitnehmer zum Chef). Frauen sind dabei deutlich öfter von Mobbing betroffen als Männer. Unklar ist jedoch, ob das nicht vielmehr in der seitens der Frauen höheren Bereitschaft begründet liegt, über derartige Erfahrungen zu sprechen. Die Auswirkungen sind so vielfältig wie die Vorgehensweisen.

    Was ist Mobbing?

    Das englische Wort to mob bedeutet bedrängen, attackieren, angreifen. In den 1990er Jahren wurde diese Begrifflichkeit schließlich in die Arbeitswelt übernommen. Per Definition liegt Mobbing vor, wenn jemand über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten hinweg mindestens einmal pro Woche diskriminiert, schikaniert, angefeindet oder angegriffen wird. Ziel ist es, bestimmte Personen auszugrenzen und im besten Fall zu entfernen. Ein Part fühlt sich dem anderen überlegen und lässt diesen das spüren. Typisch ist eine konfliktbelastete, feindselige Kommunikation oder vollständige Ignoranz. Während alle anderen freudig begrüßt werden, wird das Mobbingopfer keines Blickes gewürdigt. Auch eine Ungleichbehandlung, etwa bei Urlaubsanträgen, Schichteinteilungen oder in Personalgesprächen ist typisch. Wenn auch nicht hilfreich, so ist es dennoch interessant zu wissen: Mobbing ist selten in einem Problem zwischen Mobber und Mobbingopfer begründet. Vielmehr werden Ängste, Unsicherheiten und (private) Probleme auf das Opfer projiziert.

    Anzeichen von Mobbing

    Typisch für (beginnendes) Mobbing ist die plötzliche Verstummung aller Beteiligten, sobald eine Person den Raum betritt. Auch unsachliche Andeutungen oder die bewusste Streuung von Gerüchten sind erste Anzeichen. Oft wird ein Mobbingopfer nicht gegrüßt, ein von ihm ausgehender Gruß wird nicht erwidert. Aussagen des Opfers werden falsch wiedergegeben und hinter seinem Rücken – oder auch im Beisein – wird negativ gesprochen. Im betrieblichen Rahmen wird die Weitergabe von Informationen eingestellt, die Zusammenarbeit boykottiert. Kleine Fehler und Unachtsamkeiten werden aufgebauscht. Das Mobbingopfer bekommt unwichtige Arbeiten zugeteilt. Mitunter kann der Arbeitsplatz an eine ungemütliche Stelle verschoben werden.

    Folgen von Mobbing

    Die Folgen von Mobbing sind sehr unterschiedlich. Empirisch belegt ist, dass Gesundheitsbeeinträchtigungen eine Folge von Mobbing sind. Es können psychische wie physische Beschwerden auftreten. Schlafstörungen, Angespanntheit und Nervosität etwa sind sehr häufig, auch Angstzustände, Panikattacken und eine stete Unruhe werden oft beklagt. Physisch kommt es oftmals zu Kopfschmerzen, Magenschmerzen bis hin zum Geschwür, Magen-Darm-Beschwerden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erschöpfung bis hin zur Depression sowie weiteren chronischen Krankheitsverläufen.

    Was kann man tun, wenn gemobbt wird?

    Als Opfer eines Mobbers ist man einer zusätzlichen Belastung ausgesetzt. Der erste Schritt ist daher, dafür zu sorgen, dass Opfer und Mobber nicht mehr alleine sind. Oftmals wird ein Mobber davon absehen, auf sein Opfer loszugehen, sobald andere Personen anwesend sind. Dennoch ist es empfehlenswert, den Täter unter vier Augen auf seine Umgangsweise anzusprechen. Konflikte und deren Ursachen müssen besprochen werden. Das Zugehen auf den Mobber zeugt von selbstsicherem Auftreten und macht deutlich, dass sich das Opfer den Schikanen nicht mehr beugen wird. Auch bei den Kollegen ist es ratsam, nach dem Grund für das etwaige Verstummen zu fragen. Opfern wird daher empfohlen, ein Mobbing-Tagebuch zu führen. Wenn Zeugen anwesend sind, ist das von Vorteil, sollte es zu einem Gerichtsverfahren kommen. Doch auch Aufzeichnungen, etwa mit dem Handy, können hilfreich sein, juristisch in letzter Instanz, aber auch schon für Gespräche mit dem Mobber, dem Chef oder dem Betriebsrat bzw. der Mitarbeitervertretung. Außerhalb des geschäftlichen Umfelds können Freunde oder eine Selbsthilfegruppe eine gute Anlaufstelle bieten. Auch Coachings, einzeln oder auch mit dem Mobber zusammen in Form einer Mediation, sind hilfreiche Optionen. Wenn das nicht ausreichend ist, sind Therapeuten und Psychologen geschulte Experten, Opfern wieder zurück in die Normalität zu helfen. Ergänzend sollte ein aktiver Stressabbau stattfinden. Sport, autogenes Training, Yoga oder was auch immer dem Opfer hilft, Stress jeglicher Art zu reduzieren.

    Perspektiven und Alternativen

    Sollte die Situation nicht ausreichend gebessert werden können, ist eine typische Reaktion die Kündigung. Alternativ gibt es die Möglichkeit, juristische Schritte einleiten zu lassen. Das jedoch gestaltet sich oftmals als besonders schwierig. Bislang wird Mobbing noch nicht als Straftat vor dem Gesetz geahndet. Es ist daher immer der Einzelfall zu prüfen. Das wiederum bedeutet, dass das Mobbingopfer verpflichtet ist, die Straftat und insbesondere die Vorsätzlichkeit und Rechtwidrigkeit derer nachzuweisen.