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  • Warum ADHS keine Ausrede ist – sondern eine Erklärung

    ADHS ist kein Freifahrtschein.
    Und genau deshalb ist es so wichtig, es richtig zu verstehen.

    Denn was viele Eltern hören – offen oder zwischen den Zeilen – klingt oft so:
    „Dann streng dich halt mehr an.“
    „Andere schaffen das doch auch.“
    „Man kann sich doch zusammenreißen.“

    Das Problem:
    Diese Sätze setzen dort an, wo bei ADHS nicht einfach mehr Wille abrufbar ist.

    ADHS erklärt kein Verhalten schön – es erklärt es überhaupt erst

    Eine Ausrede soll Verantwortung vermeiden.
    Eine Erklärung schafft Orientierung.

    ADHS bedeutet:

    • ein Nervensystem, das Reize ungefilterter verarbeitet
    • Emotionen, die schneller, stärker und länger spürbar sind
    • ein Gehirn, das unter Stress schlechter auf das zugreifen kann,
      was es theoretisch weiß

    Das Ergebnis?
    Kinder (und Erwachsene) wissen oft sehr genau, wie sie sich verhalten sollten.
    Sie können es in dem Moment nur nicht umsetzen.

    Nicht aus Trotz.
    Nicht aus Faulheit.
    Nicht aus Manipulation.

    Sondern weil ihr Nervensystem gerade im Überlebensmodus ist.

    „Er weiß doch, wie es geht!“ – ja. Und trotzdem klappt es nicht.

    Das ist einer der schmerzhaftesten Punkte für Eltern.

    Dein Kind kann:

    • Regeln erklären
    • Entschuldigungen formulieren
    • im ruhigen Moment Einsicht zeigen

    Und im nächsten Moment:

    • explodiert es
    • schreit
    • schlägt um sich
    • oder zieht sich komplett zurück

    Das fühlt sich widersprüchlich an.
    Ist es aber nicht.

    👉 Wissen sitzt im Kopf.
    Handlungsfähigkeit entsteht im regulierten Nervensystem.

    Wenn Stress, Überforderung oder emotionale Überflutung dazwischenfunken,
    ist der Zugang zum „vernünftigen Teil“ schlicht blockiert.

    ADHS heißt nicht: „Dann geht eben nichts“

    Und jetzt der unbequeme Teil – ohne Beschönigung:

    ADHS erklärt Verhalten.
    Es entschuldigt nicht alles.
    Es entbindet nicht von Entwicklung, Lernen und Verantwortung.

    Aber:
    👉 Verantwortung beginnt dort, wo man die richtigen Voraussetzungen schafft.

    Von einem Kind zu verlangen, sich zu regulieren, während sein Nervensystem auf Daueranschlag läuft, ist ungefähr so sinnvoll wie Schwimmen beibringen im Sturm.

    Warum klassische Erziehungstipps hier so oft scheitern

    Belohnungssysteme.
    Konsequenzen.
    „Klare Ansagen“.

    All das kann funktionieren – wenn das Kind innerlich erreichbar ist.

    Bei ADHS ist genau das oft das Problem:

    • zu viel Druck → mehr Stress
    • mehr Stress → weniger Steuerung
    • weniger Steuerung → Eskalation

    Der Kreislauf verstärkt sich.
    Und Eltern landen irgendwann bei:
    „Wir machen doch schon alles!“

    Ja.
    Aber nicht alles wirkt gleich – auf jedes Nervensystem.

    Der Wendepunkt: „Es liegt nicht an mir. Und nicht an meinem Kind.“

    Dieser Satz verändert alles.

    Nicht, weil er Verantwortung wegschiebt.
    Sondern weil er sie neu verteilt:

    • Weg von Schuld
    • Hin zu Verständnis
    • Weg von Kampf
    • Hin zu Begleitung

    ADHS braucht keine härtere Erziehung.
    Es braucht passende Bedingungen.

    Und Eltern brauchen:

    • Wissen, das entlastet
    • Strategien, die im Alltag funktionieren
    • und jemanden, der sagt: „Du bildest dir das nicht ein.“

    Und jetzt?

    Wenn du beim Lesen gemerkt hast:
    „Genau das ist unser Alltag.“
    dann bist du hier nicht zufällig gelandet.

    Ich begleite Eltern genau an diesem Punkt:
    zwischen Erschöpfung, Schuldgefühlen und dem Wunsch, es anders zu machen –
    ohne sich selbst oder das Kind zu verlieren.

    👉 Wenn du tiefer verstehen willst, wie ADHS, Emotionen und Beziehung zusammenhängen, ist mein Onlinekurs „ADHS liebevoll begleiten“ ein möglicher nächster Schritt.
    Kein Patentrezept. Aber ein stabiler Rahmen.

    Und falls du erst einmal weiterlesen willst:
    Dieser Blog ist genau dafür da.

  • Schutz ist kein Zufall: Warum Prävention sexualisierter Gewalt im Verein so wichtig ist

    Prävention und Kinderschutz gehören ganz nach oben auf die Agenda von Vereinen. Und der Grund ist nicht nur „gefühlte Sicherheit“, sondern harte Realität: sexualisierte Gewalt ist häufiger, als es uns lieb ist, und sie hinterlässt tiefe, oft lebenslange psychische, soziale und körperliche Spuren bei Betroffenen. Deshalb muss Prävention systematisch, strukturiert und nicht als „nice to have“ verstanden werden.

    Warum Prävention und Kinderschutz so wichtig sind

    Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

    • Studien zeigen, dass mindestens 12,7 % der Erwachsenen in Deutschland berichten, in ihrer Kindheit oder Jugend sexualisierte Gewalt erlebt zu haben – das entspricht Millionen Menschen. (infodienst.bioeg.de)
    • Hochgerechnet betrifft das etwa 1 Million Kinder und Jugendliche in Deutschland, also statistisch 1–2 Kinder pro Schulklasse. (zartbitter-muenster.de)
    • Weltweit gaben bei einer großen Meta-Analyse ca. 19,9 % der Frauen und 13,8 % der Männer an, in ihrer Kindheit sexualisierte Gewalt erlebt zu haben. (beauftragte-missbrauch.de)
    • In Sport- und Freizeitbereichen, also auch in Vereinen, sind Kinder und Jugendliche nicht geschützt: Rund 1 von 5 Kindern in Europa erlebt irgendwann eine Form von sexualisierter Gewalt – und gerade im Sport kann das passieren, weil Vertrauen und Nähe zur Norm gehören. (human-rights-channel.coe.int)

    Und das sind nur die Fälle, die überhaupt berichtete werden. Das sogenannte Dunkelfeld – also das nicht gemeldete oder nicht bekannte Ausmaß – ist deutlich größer. (infodienst.bioeg.de)

    Die Folgen für Betroffene sind massiv

    Sexualisierte Gewalt ist kein „Einzelfall“, der ohne Konsequenzen bleibt. Die Forschung zeigt, dass Kinder und Jugendliche, die Opfer wurden, häufig:

    • psychische Langzeitschäden entwickeln, z. B. Depressionen, Angststörungen oder posttraumatische Belastungsstörungen,
    • Probleme in Beziehungen und beim Vertrauen haben,
    • im Erwachsenenalter häufig noch körperliche und soziale Schwierigkeiten erleben.

    Diese Folgen sind nicht nur individuell tragisch, sondern haben auch gesellschaftliche Kosten – psychische Belastungen, Therapiebedarf, Auswirkungen auf Bildung und Teilhabe.

    Warum Vereine eine Schlüsselrolle haben

    Vereine sind für viele Kinder ein zweites Zuhause:

    • Vertrauensbeziehungen entstehen zwischen Kindern und Trainer:innen/Betreuer:innen.
    • Es gibt körperliche Nähe und Betreuungssituationen (z. B. Umkleiden, Trainings), die Risiken bergen können.
    • Kinder sind in der Regel auf Erwachsene angewiesen, die Macht über sie haben (Trainingspläne, Betreuung, Platzvergaben).

    Gerade deshalb muss Prävention im Verein systematisch verankert sein – nicht nur sporadisch oder „wenn Zeit ist“. Denn wo Kinder Schutz suchen, dürfen sie nicht Gefahr finden.

    Was statistische und praktische Perspektiven unterstreichen

    👉 Präventionsmaßnahmen wirken: Sensibilisierung, klare Schutzkonzepte und Ansprechpersonen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Missbrauch entdeckt, angezeigt und gestoppt wird, bevor weitere Kinder betroffen sind.

    👉 Ohne Schutzkonzepte bleibt Risiko bestehen: Monitoring in Schulen zeigt, dass Schutzkonzepte nur langsam umgesetzt werden und oft nur als halbe Maßnahmen existieren – und dort, wo sie etabliert sind, steigt die Sicherheit. (beauftragte-missbrauch.de)

    👉 Vereine haben noch Nachholbedarf: Studien zu Sportvereinen zeigen, dass kinderschutzrelevante Themen in vielen Vereinen noch nicht umfassend angekommen sind – z. B. sind Ansprechpersonen oder spezialisierte Schulungen häufig die Ausnahme. (beauftragte-missbrauch.de)

    Schulung und Sensibilisierung

      • Fortbildungen für alle Verantwortlichen: Alle Trainer, Betreuer und Vorstandsmitglieder sollten regelmäßig Schulungen zur Prävention von sexualisierter Gewalt und zu rechtlichen Grundlagen absolvieren.
      • Sensibilisierungskampagnen: Aufklärung über die Formen sexualisierter Gewalt und deren Auswirkungen. Hierzu gehören Informationsveranstaltungen und Materialien, die auf die Prävention hinweisen.
    1. Klare Verhaltensregeln und Richtlinien:
      • Verhaltenskodex: Vereine sollten einen klaren Verhaltenskodex entwickeln, der das Verhalten von Mitarbeitenden, Ehrenamtlichen und Mitgliedern im Umgang miteinander regelt. Dies kann auch ein Ansprechpartner für Betroffene umfassen.
      • Einverständniserklärungen: Insbesondere für Kinder- und Jugendgruppen sollten klare Richtlinien über körperliche Nähe und Interaktionen bestehen.
    2. Hintergrundüberprüfungen:
      • Erweiterte Führungszeugnisse: Alle Personen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, sollten ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen müssen.
      • Prüfung der Eignung: Zusätzlich zur rechtlichen Überprüfung sollten auch persönliche und fachliche Eignung sowie Motivation zur Arbeit mit jungen Menschen hinterfragt werden.
    3. Ansprechpersonen und Unterstützung:
      • Vertrauenspersonen: Vereine sollten Vertrauenspersonen benennen, an die sich Betroffene von sexualisierter Gewalt wenden können. Diese Personen sollten gut geschult und für solche Fälle sensibilisiert sein.
      • Externe Beratungsstellen: Es ist sinnvoll, auch Kontakte zu externen Beratungsstellen zu pflegen, um bei Verdachtsmomenten Unterstützung zu erhalten.
    4. Anonyme Meldemöglichkeiten:
      • Meldesysteme: Anonyme oder vertrauliche Meldesysteme ermöglichen es, Verdachtsmomente auf sexualisierte Gewalt zu melden, ohne dass die Betroffenen sofort bekannt werden müssen.
    5. Prävention in der Vereinsstruktur verankern:
      • Ressourcen bereitstellen: Es ist wichtig, Prävention als festen Bestandteil der Vereinsarbeit zu etablieren und die nötigen Ressourcen – Zeit, Geld, Expertise – dafür bereitzustellen.
      • Regelmäßige Evaluation: Es sollten regelmäßig Evaluationsprozesse stattfinden, um die Wirksamkeit der Präventionsmaßnahmen zu überprüfen.
    6. Kooperation mit Fachstellen:
      • Zusammenarbeit mit Fachberatungsstellen: Vereine sollten mit spezialisierten Beratungsstellen zusammenarbeiten, um sich über aktuelle Entwicklungen und Best-Practice-Ansätze in der Prävention auf dem Laufenden zu halten.

    Die Prävention von sexualisierter Gewalt in Vereinen erfordert ein langfristiges und tiefgehendes Engagement, das weit über einmalige Schulungen hinausgeht. Die Umsetzung einer Kultur des respektvollen und sicheren Miteinanders ist essenziell, um das Risiko für Übergriffe zu minimieren.

    📌 Fazit

    Prävention ist kein „Extra“, sondern zentraler Bestandteil einer verantwortungsvollen Vereinsarbeit. Die Zahlen zeigen: sexualisierte Gewalt ist Realität, nicht hypothetisch. Jeder Verein, der Kinder und Jugendliche betreut, steht in der Verantwortung, Schutz ernst zu nehmen – für das Wohl der Kinder, für das Vertrauen der Eltern und für eine gesunde Vereins- und Sportkultur.

     

  • Weibliche Neurodivergenz: Warum Mädchen so oft durchs Raster fallen – und wie die späte Diagnose das Leben verändert

    Neurodivergenz hat viele Gesichter. Manche davon sind laut, quirlig, offensichtlich. Andere sind leise, höflich, unsichtbar – zumindest auf den ersten Blick. Und genau da beginnt das Dilemma: Mädchen und Frauen mit ADHS oder Autismus werden deutlich seltener und oft viel später diagnostiziert als Jungen. Nicht, weil sie „weniger betroffen“ wären. Sondern weil sie seit ihrer Kindheit zu Meisterinnen des Tarnens, Anpassens und Funktionierens geworden sind.

    In diesem Artikel schauen wir hin: Warum werden Mädchen so häufig übersehen? Welche Mechanismen stecken hinter Masking und Anpassung? Und was passiert, wenn eine Diagnose erst spät kommt? Und vor allem: Wie lässt sich mit der Diagnose leben – vielleicht zum ersten Mal wirklich leben?

    Warum weibliche Neurodivergenz so oft nicht erkannt wird

    Stell dir ein Klassenzimmer vor. Irgendwo hinten wirbelt ein Junge durch die Gegend, plappert ununterbrochen und vergisst zum dritten Mal sein Matheheft. Zack – fällt auf. Zack – wird abgeklärt.

    Und das neurodivergente Mädchen daneben?
    Sitzt still. Schaut aufmerksam. Lächelt. Und ist innerlich vielleicht kurz vorm Kollaps, weil sie seit 20 Minuten versucht, dem Unterricht zu folgen und gleichzeitig nicht zu zeigen, dass sie komplett lost ist.

    Viele Mädchen wirken nach außen völlig unauffällig. Sie fallen nicht durch impulsive Ausbrüche auf. Sie stören nicht. Sie verhalten sich „altersgerecht“. Sie wirken sozial kompetent. Und genau das ist der Grund, warum ihre Schwierigkeiten niemand sieht.

    Die klassische Vorstellung von ADHS und Autismus ist immer noch männlich geprägt. Das hat historische Gründe – die Forschung orientierte sich jahrzehntelang fast ausschließlich an Jungen. Mädchen sind statistisch seltener hyperaktiv, dafür häufiger verträumt, introvertiert und sozial angepasst. Ihre Symptome spielen sich im Inneren ab: Gedankenspiralen, Überforderung, emotionale Intensität, Vergesslichkeit, Erschöpfung.

    Kurz gesagt: Mädchen brennen innerlich – während sie äußerlich funktionieren.

    Masking: Das Tarnnetz, das zur zweiten Haut wird

    Masking bedeutet, dass Betroffene ihr Verhalten bewusst oder unbewusst so anpassen, dass sie „normal“ wirken. Und Mädchen lernen dieses Muster erschreckend früh.

    Schon in der Grundschule werden sie dafür gelobt, wenn sie brav, höflich und rücksichtsvoll sind. Mädchen sollen ruhig sein, empathisch, sozial kompetent, „unproblematisch“. Und wenn ihnen das nicht von Natur aus leichtfällt, dann wird es eben gelernt. Strategisch. Hart erarbeitet.

    Masking kann viele Formen haben:

    • Sozialverhalten imitieren: Lachen, wenn die Gruppe lacht. Zuhören, obwohl der Input überfordernd ist. Smalltalk auswendig lernen.
    • Überkorrektheit: Bloß keinen Fehler machen. Bloß niemandem zeigen, dass man verwirrt ist.
    • Extrem-Anpassung: Interessen, Kleidung, Gesten – alles wird an die Umgebung angepasst.
    • Emotionsregulation nach außen verschieben: Zusammenreißen bis zum Schulschluss, dann Zusammenbruch im Kinderzimmer.

    Masking schützt kurzfristig – aber kostet langfristig Kraft, Identität und oft seelische Gesundheit.

    Anpassung: Wenn funktionieren wichtiger wird als fühlen

    Viele neurodivergente Mädchen werden zu wahren Chamäleons. Sie spüren sehr früh: Anders sein ist unsicher. Also passen sie sich an. Perfektionistisch. Detailverliebt. Overperforming – immer ein paar Prozent drüber, um keine Angriffsfläche zu bieten.

    Einige Strategien, die typisch sind:

    • Leistungsorientierung: Gute Noten, um nicht aufzufallen.
    • Übersozialisierung: Freundlich sein, selbst wenn man keine Energie mehr hat.
    • Konfliktvermeidung: Alles runterschlucken. Hauptsache Harmonie.
    • Innere Alarmbereitschaft: Situationen scannen, um Fehler zu vermeiden.

    Anpassung wird zum Lebensstil. Und gleichzeitig zum Gefängnis. Denn wer immer versucht, jemand anderes zu sein, verliert irgendwann das Gefühl für das eigene Selbst.

    Warum die Diagnose oft erst so spät kommt

    Die Gründe sind vielfältig – und frustrierend:

    1. Klischees in der Diagnostik

    Viele Diagnosekriterien basieren immer noch auf männlichen Mustern.

    2. Gute Schulnoten = keine Probleme

    Leistungen überdecken die inneren Kämpfe.

    3. Mädchen „dürfen“ still sein

    Ein stiller Junge fällt auf. Ein stilles Mädchen wird gelobt.

    4. Emotionen werden missinterpretiert

    Überforderung wird als Sensibilität bewertet.
    Wutausbrüche als PMS, Hormone, „Teenager-Drama“.

    5. Masking führt Diagnostiker in die Irre

    “Oh, sie wirkt so sozial kompetent!”
    Ja. Genau das ist das Problem.

    Viele Frauen berichten erst im Erwachsenenalter von ihrer Diagnose – ausgelöst durch Burnout, Mutterschaft oder das neurodivergente Kind, das plötzlich eine ADHS- oder Autismusdiagnose bekommt. Und dann heißt es: „Verdammt. Das bin ich doch auch.“

    Die Folgen einer fehlenden oder späten Diagnose

    Fehlende Diagnose bedeutet nicht: „Alles gut“.
    Es bedeutet: „Alles schwerer als nötig.“

    Typische Folgen:

    • Chronische Erschöpfung / Burnout
      Masking frisst Energie. Irgendwann ist der Akku leer.
    • Selbstzweifel und negatives Selbstbild
      „Mit mir stimmt etwas nicht.“
      „Andere schaffen das doch auch.“
    • Depressionen, Angststörungen und Sucht
      Unbehandelte ADHS und Autismus ziehen oft Komorbiditäten nach sich.
    • Beziehungsschwierigkeiten
      Menschen lesen ist anstrengend, Nähe regulieren schwer, Grenzen setzen kompliziert.
    • Berufliche Überforderung oder Underachievement
      Hochbegabt, aber chaotisch. Kreativ, aber schnell überstimuliert.
    • Fehlende Identität
      Nach Jahren des Anpassens wissen viele Frauen nicht mehr, wer sie eigentlich sind.

    Die späte Diagnose bedeutet nicht „zu spät“. Aber sie bedeutet: Der Preis bis dahin war hoch. Mitunter sehr hoch.

    Leben mit der Diagnose – endlich atmen

    Wenn die Diagnose endlich kommt, passiert bei vielen Frauen etwas Erstaunliches: Erleichterung. Kein Versagen. Kein Charakterfehler. Sondern ein Gehirn, das anders tickt.

    Und mit dieser Erkenntnis beginnt etwas Neues:

    1. Selbsterkenntnis statt Selbstkritik

    „Ah. Deshalb war Schule so schwer.“
    „Deshalb brauche ich Pausen.“
    „Deshalb fühle ich so intensiv.“

    Selbstvorwürfe verlieren ihren Halt.

    2. Reizmanagement und Strukturen aufbauen

    Routinen, Pausen, klare Prioritäten, Reizfilter, Time-Blocking – plötzlich funktionieren Dinge, die vorher unmöglich schienen.

    3. Masken absetzen – Schritt für Schritt

    Nicht mehr überall funktionieren müssen. Nicht mehr jedem gefallen. Grenzen spüren. Grenzen setzen.

    4. Beziehungen neu gestalten

    Offene Kommunikation darüber, wie das eigene Gehirn arbeitet, schafft Nähe und Verständnis.

    5. Selbstannahme

    Die Diagnose wird zum Werkzeug, nicht zum Etikett.
    Zum Kompass, nicht zum Käfig.

    Viele Frauen berichten, dass sie sich zum ersten Mal im Leben verstehen. Und dass sich damit ein zarter, neuer Gedanke einschleicht:

    Ich war nie falsch.
    Ich war einfach unentdeckt.


     

    Wenn dich das Thema berührt oder du selbst den Verdacht hast, neurodivergent zu sein, dann schreib mir gern. In meinen Beratungen unterstütze ich Frauen, Eltern und Jugendliche dabei, (ihre eigene) Neurodivergenz besser zu verstehen – liebevoll, humorvoll und alltagsnah. Meine Begleitung: Damit du dich nicht länger anpassen musst, sondern endlich so leben kannst, wie du wirklich bist.

     

    Ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Ich begleite dich auf deinem Weg zu mehr Klarheit, Selbstverständnis und innerer Stärke – aber ich diagnostiziere nicht und führe keine therapeutische Behandlung durch. Meine Arbeit ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Diagnostik, sondern versteht sich als präventive, unterstützende und alltagsnahe Begleitung. Wenn du den Verdacht hast, dass eine psychische Erkrankung vorliegt, wende dich bitte zusätzlich an eine approbierte Fachperson. Gemeinsam – und mit den richtigen Stellen an deiner Seite – darf dein Weg leichter werden.

  • Gruppenchats bei Kindern: Was Eltern, Trainer:innen und Vereine wissen sollten

    In Zeiten von Smartphones, WhatsApp und Co. sind Gruppenchats aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen kaum noch wegzudenken. Ob für die Klasse, die Fußballmannschaft oder die Tanzgruppe – diese Chats versprechen schnelle Kommunikation, Teamkoordination und ein Gefühl der Gemeinschaft. Doch wie bei fast allem im digitalen Raum gibt es auch hier Schattenseiten, die Eltern, Trainer:innen und Vereine kennen sollten.

    Die Vorteile von Gruppenchats

    Zunächst einmal: Gruppenchats können richtig praktisch sein. Sie ermöglichen es, Termine schnell abzusprechen, Änderungen kurzfristig mitzuteilen oder spontane Treffen zu organisieren. Gerade im Schul- oder Vereinsalltag sparen Gruppenchats oft viel Zeit – keine endlosen Telefonketten mehr oder verlorene Zettel mit Terminen.

    Für Kinder und Jugendliche haben sie außerdem einen sozialen Nutzen: In der digitalen Welt entstehen Freundschaften, die über den Schulhof oder die Sporthalle hinausgehen. Gruppenchats bieten einen Raum, um sich auszutauschen, sich gegenseitig zu unterstützen oder kleine Erfolgserlebnisse zu teilen. Ein Kind, das im Fußballtraining ein Tor geschossen hat, kann gleich Lob von der ganzen Mannschaft bekommen. In Klassenchats können Kinder Hausaufgabenfragen stellen oder sich auf gemeinsame Projekte vorbereiten.

    Und nicht zu vergessen: Gruppenchats können auch inklusive Räume schaffen. Kinder, die eher zurückhaltend sind, finden hier manchmal leichter Zugang zur Gruppe, da sie schriftlich kommunizieren können und nicht direkt im „Präsenz-Sturm“ agieren müssen.

    Risiken und Gefahren von Gruppenchats

    So praktisch sie sind – Gruppenchats bergen auch Risiken, die Eltern, Lehrer:innen und Trainer:innen nicht ignorieren sollten.

    1. Mobbing und Ausgrenzung

    In Gruppenchats kann Mobbing subtiler und gleichzeitig anhaltender sein. Ein spöttischer Kommentar, der schnell gepostet wird, erreicht sofort die ganze Gruppe und bleibt oft gespeichert. Kinder, die sich ausgeschlossen fühlen, erleben die Wirkung solcher Nachrichten intensiv. Auch das „stille Mitlesen“ – also Kinder, die Nachrichten nur verfolgen, aber nicht antworten – kann Gefühle von Isolation verstärken.

    2. Überforderung und Stress

    Gruppenchats erzeugen sozialen Druck. Kinder fühlen sich oft verpflichtet, sofort zu reagieren oder ständig „up to date“ zu sein. Die permanente Verfügbarkeit kann zu Stress, Schlafstörungen und einem Gefühl der Überforderung führen.

    3. Datenschutz und Persönlichkeitsrechte

    Viele Kinder posten Fotos, Videos oder Standorte, ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein. Ein einmal geteiltes Bild kann sich schnell vervielfältigen oder in die falschen Hände geraten. Eltern und Vereine müssen darauf achten, dass die Privatsphäre der Kinder respektiert wird und keine sensiblen Daten unkontrolliert geteilt werden.

    4. Risiko von sexualisierter Gewalt

    Leider sind Kinder online auch Risiken ausgesetzt, die über bloßes Mobbing hinausgehen. Unbekannte Dritte oder sogar Gleichaltrige können durch Gruppenchats Zugang zu Kindern finden. Trainer:innen, Eltern und Vereine müssen hier besonders wachsam sein, klare Regeln aufstellen und Präventionsmaßnahmen implementieren.

    Spezielle Risiken in Sportvereinen

    Gruppenchats in Sportvereinen haben eigene Herausforderungen. Hier treffen Kinder und Jugendliche auf Erwachsene – Trainer:innen, Betreuer:innen oder Übungsleiter:innen. Die Hierarchien sind klar, und die Nähe kann sowohl Chancen als auch Risiken bergen.

    1. Verantwortung der Trainer:innen

    Trainer:innen stehen in der Pflicht, die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten. Dazu gehört, dass sie sich bewusst sind, welche Inhalte in Gruppenchats geteilt werden dürfen. Sensible Themen wie Gesundheitsdaten, Familieninformationen oder persönliche Fotos sollten nicht ungefiltert ausgetauscht werden. Auch der korrekte Umgang mit den Telefonnummern und Profilbildern muss allen Gruppenmitgliedern klar sein.

    2. Prävention sexualisierter Gewalt

    Gruppenchats können ein Einfallstor für Grenzverletzungen sein. Trainer:innen müssen darauf achten, professionelle Distanz zu wahren und klare Regeln für die Kommunikation festzulegen. Vereinsinterne Richtlinien, Aufklärung der Kinder über ihre Rechte und die Einführung von „zweiten Ansprechpartner:innen“ im Verein sind wichtige Präventionsmaßnahmen.

    3. Datenschutz

    Viele Sportvereine nutzen WhatsApp-Gruppen, ohne die datenschutzrechtlichen Aspekte zu bedenken. Namen, Telefonnummern oder Fotos von Kindern werden häufig ohne Einverständnis geteilt. Vereine sollten Alternativen prüfen, bei denen die Daten der Kinder geschützt sind, z. B. Messenger mit verschlüsseltem, datenschutzkonformen Rahmen oder vereinsinterne Kommunikationsplattformen. Auch muss sichergestellt werden, dass Gruppenmitglieder sich an die rechtlichen Vorgaben halten.

    4. Konflikte und Transparenz

    Gruppenchats können Konflikte schnell eskalieren lassen, besonders wenn Nachrichten missverstanden werden. Trainer:innen sollten bewusst moderierend eingreifen, klare Regeln für den Umgang miteinander aufstellen und den Kindern Sicherheit geben.

    Praktische Tipps für Eltern und Trainer:innen

    Um die Vorteile von Gruppenchats zu nutzen und die Risiken zu minimieren, können folgende Maßnahmen helfen:

    • Regeln aufstellen: Klare Absprachen darüber, welche Inhalte geteilt werden 
    • dürfen, wann geantwortet werden sollte und wie respektvoll miteinander umgegangen wird.
    • Eltern informieren: Gerade bei jüngeren Kindern sollten Eltern wissen, welche Chats existieren und welche Inhalte geteilt werden.
    • Alternativen prüfen: Für Vereine bieten sich datenschutzkonforme Plattformen an, auf denen Kinder und Trainer:innen sicher kommunizieren können.
    • Aufklärung und Sensibilisierung: Kinder sollten lernen, wie sie sich online schützen, Grenzüberschreitungen erkennen und im Notfall melden können.
    • Grenzen der Trainer:innen wahren: Erwachsene sollten private Kontakte auf Social Media möglichst vermeiden und offizielle Kommunikationswege nutzen.
    • Regelmäßige Reflexion: Gruppenchats regelmäßig evaluieren – funktioniert die Kommunikation? Gibt es Probleme? Wie kann man sie lösen?

    Fazit

    Gruppenchats sind ein zweischneidiges Schwert: Sie bieten enorme Vorteile für Kommunikation, Teamgeist und soziale Teilhabe, bergen aber auch erhebliche Risiken – von Mobbing über Datenschutzprobleme bis hin zu potenziellen Gefahren für die Kinder im Kontext sexualisierter Gewalt. Besonders in Sportvereinen, in denen Erwachsene und Kinder in enger Beziehung stehen, müssen klare Regeln, Präventionsmaßnahmen und Sensibilisierung stattfinden.

    Eltern, Trainer:innen und Vereine sollten die Chancen nutzen, aber nie die Risiken aus den Augen verlieren. Nur so können Gruppenchats zu einem sicheren, praktischen und positiven Werkzeug für Kinder und Jugendliche werden.

     

     

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    Wenn du Unterstützung oder Begleitung bei der Vermittlung/Festigung der Medienkompetenz deines Kindes benötigst, bin ich dir gern behilflich.

  • Mein Angebot: Gewaltfreie Kommunikation in Erziehung und Job

    Gewaltfreie Kommunikation – eine wunderbare Art des Miteinanders, die auf Respekt, Ehrlichkeit und Empathie basiert.

    In der Erziehung möchten wir das Beste für unsere Kinder, doch manchmal geraten wir an unsere Grenzen. Wie können wir Konflikte lösen, ohne Gewalt oder Aggression? Die gewaltfreie Kommunikation bietet dafür die passenden Werkzeuge. Durch die behutsame Anwendung von einfühlsamen Dialogen kannst du Konflikte verstehen, sie konstruktiv ansprechen und gemeinsame Lösungen entwickeln. So schaffst du eine liebevolle und harmonische Atmosphäre in deiner Familie.

    Doch nicht nur in der Erziehung ist gewaltfreie Kommunikation von Bedeutung. Auch im Job kann sie zur Schlüsselqualifikation werden. Eine effektive und respektvolle Kommunikation am Arbeitsplatz fördert das Teamwork, steigert die Mitarbeiterzufriedenheit und erhöht die Produktivität. Indem wir auf gewaltfreie Kommunikation setzen, schaffen wir eine positive und motivierende Arbeitsumgebung, in der Ideen fließen und Kreativität gedeiht.

    Ich biete Schulungen, Workshops und individuelle Coachings an, um deine Fähigkeiten zu entwickeln und zu stärken. Lerne, deine Emotionen auszudrücken, deine Bedürfnisse klar zu kommunizieren und aufmerksam zuzuhören. Gemeinsam finden wir Wege, um Missverständnisse zu vermeiden und Konflikte auf konstruktive Weise zu lösen.

    Lerne gewaltfreie Kommunikation – Für ein respektvolles Miteinander!

    Bist du es leid, in Gesprächen immer wieder Missverständnisse und Konflikte zu erleben? Möchtest du lernen, wie du deine Gedanken und Gefühle auf eine Weise ausdrücken kannst, die Verständnis und Zusammenarbeit fördert?

    Gewaltfreie Kommunikation (GFK) ist ein bewährtes Kommunikationsmodell, das dir hilft, aufrichtig und empathisch zu sprechen – und vor allem: zuzuhören. Sie unterstützt dich dabei, Konflikte ohne Angriff und Verteidigung zu lösen und fördert eine tiefere Verbindung zu deinen Mitmenschen.

    Was du lernen wirst:

    • Aktives Zuhören: Verstehen, was wirklich gesagt wird, ohne zu urteilen.
    • Selbstreflexion: Deine eigenen Bedürfnisse und Gefühle klar benennen.
    • Empathie: Dich in die Perspektive anderer hineinversetzen und respektvoll reagieren.
    • Klarheit: Deine Botschaften so formulieren, dass sie respektvoll und effektiv ankommen.

    Die Vorteile für dich:

    • Weniger Missverständnisse und Konflikte
    • Mehr Verständnis und Harmonie in deinen Beziehungen
    • Weniger Stress und Ärger im Alltag
    • Mehr Selbstbewusstsein und Zufriedenheit in der Kommunikation

    Verändere deine Kommunikation – und erlebe, wie sich deine Beziehungen verbessern. Melde dich jetzt an und beginne noch heute mit der gewaltfreien Kommunikation!

     

  • Dein Bild vom Kind

    Das Bild vom Kind – dabei handelt es sich um einen Fachbegriff aus der Pädagogik. Vor allem in Betreuungseinrichtungen wie Kindergärten oder Schulhorten kommt dieses Bild vom Kind zu Einsatz. Es ist in den pädagogischen Konzepten verankert und stellt daher die Abgrenzung der einzelnen Einrichtung oder eines Trägers zu anderen dar. Aber auch in der privaten Kindererziehung dreht sich alles um das Bild vom Kind. Was Eltern und Großeltern sowie andere Bezugspersonen für ein Bild vom Kind, und später auch für ein Bild vom Jugendlichen haben, beeinflusst ihren Umgang mit ihnen. Im Bild vom Kind beschreibst du, wie du über Kinder denkst, was du ihnen zutraust und welche Fähigkeiten und Kompetenzen du ihnen zuschreibst.

    Wie findest du dein Bild vom Kind heraus?

    Wenn du dein Bild vom Kind definieren möchtest, ist Ehrlichkeit erforderlich. Nimm dir Zeit, um dieses Bild zu definieren. Sorge dafür, dass du ungestört bist und deine Gedanken und Ideen aufschreiben kannst.

    Kinder sind …

    Die erste Überlegung, die du anstellen solltest, ist die Beantwortung der Frage, was Kinder deiner Meinung nach sind. Fühl dich in der Beantwortung vollkommen frei. Es gibt keine falschen Antworten, alle Gedanken, die dir hierzu kommen, dürfen sein. Mögliche Antworten können sein:
    • Kinder sind anstrengend.
    • Kinder sind hilflos.
    • Kinder sind frech.
    • Kinder sind laut.
    • Kinder sind der Sinn des Lebens.
    • Kinder sind unsere Zukunft.
    Kinder können so vieles sein. Schreibe dir alles auf, was sie in deinen Augen sind. Es gibt kein Richtig und kein Falsch.

    Kinder brauchen…

    Im nächsten Schritt beschäftigst du dich damit, was Kinder brauchen. Auch hier schreibst du alle Antworten auf, die dir in den Sinn kommen. Bewerte deine Antworten nicht schreibe sie einfach nur auf. Mögliche Antworten hierauf könnten sein:
    • Kinder brauchen Grenzen.
    • Kinder brauchen Vater und Mutter.
    • Kinder brauchen eine strenge Erziehung.
    • Kinder brauchen andere Kinder.
    Auch auf diese Frage gibt es keine falschen Antworten. Schreib alles auf, was Kinder deiner Meinung nach brauchen. Nun hast du dein Bild vom Kind. Die gleichen Fragen kannst du dir auch über Jugendliche stellen und so herausfinden, ob du zwischen Kindern und Jugendlichen differenzierst.

    Welche Glaubenssätze stecken dahinter?

    Um dein Bild vom Kind anzupassen oder zu prüfen, warum du genau dieses Bild hast, kannst du weitere Schritte gehen. Dafür siehst du dir deine Antworten noch einmal ganz genau an. Lies jede Antwort für sich und überlege, welche Glaubenssätze hinter deinen Gedanken stecken könnten? Ein Glaubenssatz ist eine Regel, die wir als wahr und meist auch als allgemeingültig betrachten. Einige dieser Glaubenssätze bekommen wir von unseren Eltern mit auf den Weg, andere entstehen durch persönliche Erfahrungen. Machen wir mehrmals die gleichen Erfahrungen, entwickeln wir in unseren Gedanken einen solchen Glaubenssatz. Glaubenssätze sind Gedanken wie zum Beispiel:
    • Kinder sind nicht in der Lage Entscheidungen zu treffen.
    • Kinder mit 3 Jahren müssen trocken sein.
    • Kinder müssen hinter ihren Eltern zurückstecken. / Eltern müssen hinter ihren Kindern zurückstecken.
    • Kinder müssen Ordnung in ihren Zimmern halten.
    • Kinder müssen machen, was die Eltern ihnen sagen.
    • Ich kann das eh nicht.
    • Geld verdirbt den Charakter.

    Finde deine Glaubenssätze – wie denkst du über…

    Du kannst über deine Antworten zum Bild vom Kind deine Glaubenssätze erkennen, oder aber dich explizit mit möglichen Glaubenssätzen auseinandersetzen. Dazu benötigst du ebenfalls wieder Ruhe und Zeit, dazu Ehrlichkeit. Dann frage dich, wie du über bestimmte Dinge denkst:
    • Wie denkst du über Geld?
    • Wie denkst du über Beziehungen?
    • Was bedeutet Glück für dich?
    • Was denkst du über die Liebe?
    • Wie denkst du über Alkohol, Nikotin, Drogen, Suchtmittel, Fleischkonsum, etc.?
    Diese Übung kannst du mit jedem beliebigen Begriff durchgehen. Um beim Bild vom Kind und deiner Einstellung zu Kindern oder Jugendlichen zu bleiben, beschränkst du dich auf Begriffe aus dem Familienalltag und der Pädagogik.

    Dein Bild vom Kind finden – das sagt dein Umfeld über dich

    Wenn du all deine Gedanken notiert hast, ist eine weitere Möglichkeit, dein Umfeld zu befragen. Frag deine Familie, deine Freunde, deine Kollegen wie sie dich beschreiben würden. Frage sie, was sie denken, dass dir wichtig ist und wie du ihrer Meinung nach zu den oben genannten Begrifflichkeiten stehst. Nimm ihre Antworten wertfrei und ohne Urteil an. Prüfe anschließend in Ruhe, ob es sich bei diesen Aussagen tatsächlich um deine Eigenschaften und Verhaltensweisen handelt oder vielleicht doch eher um einen Glaubenssatz der befragten Person.

    Wenn´s schmerzhaft wird, bist du nah dran

    Eine weitere Möglichkeit ist zeitaufwändig, aber sehr effektiv. Schreibe die Geschichte deines Lebens. Notiere erst einmal Verhaltensweisen in deinem Stammbaum.
    • Welche Jobs werden typischerweise in deiner Ursprungsfamilie ausgeübt?
    • Welchen Hobbys wird nachgegangen?
    • Wie stehen deinen Verwandten und Vorfahren zu Selbstverwirklichung?
    Gehe nun tiefer und erinnere dich:
    • Wo bist du aufgewachsen?
    • Wie bist du aufgewachsen?
    • Welche Entscheidungen haben dich geprägt?
    • Warum hast du diese Entscheidungen getroffen?
    Auf diese Weise kannst du deine Glaubenssätze herausfinden. Aber es ist ebenfalls möglich (sehr wahrscheinlich sogar), dass du – vor allem bei der letzten Übung – an deine Grenze kommst. Es kann passieren, dass die Erinnerungen schmerzhaft sind. Doch sei dir sicher: Wenn es weh tut, bist du nahe dran an deinen Glaubenssätzen. Wenn du es nicht aushalten kannst, unterbrich. Oder brich ab. Wenn du es aber schaffst, den Schmerz auszuhalten und weiterzumachen, kommst du schon bald zum Kern deiner Glaubenssätze. Glaubenssätze sind übrigens nicht nur negativ. Sie geben uns auch Sicherheit und Halt, einige leisten uns durchaus gute Dienste. Gefunden und aufgelöst werden sollten sie erst dann, wenn sie uns an unserer Entwicklung hindern, uns oder der Beziehung zu unserem Kind schaden.

    Aufgelöste Glaubenssätze ändern das Bild vom Kind

    Hast du Glaubenssätze auflösen können? Dann ist es genau der richtige Zeitpunkt, dein Bild vom Kind noch einmal zu überprüfen. Was hat sich geändert?
  • Die Pubertät und der präfrontale Cortex

    Plötzlich wachen Eltern auf und erkennen ihr Kind nicht mehr. Das eigentlich so liebe und wohlerzogene Kind legt Verhaltensweisen an den Tag, die Eltern niemals für möglich erachtet hätten. Auf Nachfrage, was denn los sei, kommt häufig ein Schulterzucken, „nix“ oder „weiß nicht“. Damit ist das Gespräch dann auch schon wieder beendet. Und so seltsam es sich für Eltern auch anhören mag, aber beide Antworten sind sogar korrekt. Grund dafür ist der präfrontale Cortex.

    Was ist der präfrontale Cortex und was hat der mit meinem Kind gemacht?

    Der präfrontale Cortex ist ein Teil des Frontallappens an der Großhirnrinde Er befindet sich an der Stirnseite des Gehirns und steuert unser Verhalten. Es gibt inzwischen zahlreiche neurologische Nachweise, dass bei einer Verletzung dieses Stirnhirns die Intelligenz zwar weiterhin bestehen bleibt, das Verhalten aber plötzlich ungehemmt, aggressiv und taktlos werden kann. Vorausschauendes und auf Konsequenzen bedachtes Handeln ist dann nicht mehr möglich. Während der Pubertät wird das Gehirn der Jugendlichen nicht verletzt, aber es befindet sich in einem Reset, in einer Neuausrichtung. Vereinfacht kann man sagen, es wird von vorne nach hinten ausgeschaltet und dann langsam von hinten nach vorne wieder neu gestartet. Du kennst das vielleicht von Computer-Neustarts: Mitunter kann es passieren, dass während dem Reset oder im Anschluss daran erst einmal Chaos herrscht. Dieses Chaos ist die Pubertät.

    Reset und die Hormone

    Bei den Jugendlichen und ihrem Gehirn-Umbau kommt während der Pubertät noch ein weiterer Faktor hinzu: die Hormone. Wusstest du, dass sich das Wort „Pubertät“ von dem lateinischen Wort „pubes“ ableitet? Das bedeutet „Schamhaar“. Denn die Hormone in dieser Zeit sind dafür verantwortlich, dass sich der kindliche Körper verändert und die Kinder nun äußerliche Körpermerkmale entwickeln und zu einem Mann oder einer Frau werden. Entwicklungstechnisch handelt es sich bei der Pubertät um eine vollkommen normale Entwicklungsphase, ebenso wie die Babyzeit oder das Kleinkindalter. Diese Hormone jedoch verändern nicht nur das Aussehen des Kindes, sondern auch dessen Gedankenwelt. Mit Logik wirst du bei einem pubertierenden Jugendlichen nicht weit kommen. Emotionen, Gefühle und Impulse sind die treibenden Kräfte während dieser Zeit. Auch Belohnungen werden auf diese Art angestrebt. Umgangssprachlich gerne als „Kick“ bezeichnet, sind Jugendliche darauf bedacht, sich selbst in Form von etwaig riskanten Aktionen zu belohnen. Theoretisch wissen sie ganz genau, was richtig und was falsch ist, dennoch ist die Aussicht auf einen solchen „Kick“ stärker.

    Was können Eltern tun?

    Während in den ersten Lebensmonaten eines Kindes die Beziehung zwischen Eltern und Kind das wichtigste ist, geht es im Anschluss daran viele Jahre um die Erziehung des kleinen Menschen. Werte werden vermittelt, Regeln besprochen und auf gewisse Weise erfolgt eine Anpassung an die Gesellschaft. Wenn das Kind nun ein Teenager ist, kommen Eltern mit Erziehung nicht mehr weiter. Stattdessen sollte während dieser Jahre wieder auf Beziehung gesetzt werden. Statt Strafen und Befehle lieber Lob und Anerkennung. Statt strengen Vorgaben von Regeln und Grenzen lieber ein gemeinsames Besprechen. Statt drastischen Mitteln lieber Verständnis und Geduld, viel Geduld. Eltern, die versuchen, mit ihren pubertierenden Kindern Herausforderungen gemeinsam zu lösen und die zuverlässig als Zuhörer und Tippgeber an der Seite ihres jugendlichen Kindes stehen, haben eine große Chance, dass ihr Kind sie hinter die pubertierende Fassade blicken lässt und den Eltern so die Möglichkeit einräumt, die Gedankenwelt und Vorgehensweise zu verstehen.

     Wir waren früher aber nicht so!

    Welches Kind hat diese Aussage noch nie von seinen Eltern gehört? Wahrscheinlich gibt es nicht ein einziges Kind auf dieser Welt, das einen solchen Vorwurf noch nie erlebt hat. Und es gibt wohl auch keines, dass diesen Spruch nicht gehasst hätte. Zurecht, denn er ist anmaßend und schlichtweg nicht wahr. Das Bild der Jugendlichen in der Gesellschaft ist kein schönes: Jugendliche werden als respektlos, leicht beeinflussbar, impulsiv, egoistisch und leichtsinnig dargestellt.
    „Die Kinder von heute sind Tyrannen. Sie widersprechen ihren Eltern, kleckern mit dem Essen und ärgern ihre Lehrer“
    Kennst du das Zitat? Wer nun glaubt, dass diese Aussage aus den letzten Jahren oder Jahrzehnten stammt, der irrt. Diese Erkenntnis stammt von niemand geringerem als Sokrates, der in der Zeit von 470-399 v.Chr. gelebt hat. Ja, Jugendliche geben durchaus Versuchungen nach und testen ihre Grenzen, sie sind auf der Suche nach ihren eigenen Werten und treffen dabei vielleicht auch nicht ganz so kluge Entscheidungen. Als Eltern ist es wichtig, dass du dieses sich-selbst-finden nicht als Angriff auf dich und deine Erziehung siehst. Vielmehr handelt es sich, laut dem Familientherapeuten und Buchautoren Jesper Juul, um Dinge, die die Jugendlichen tun, um sich selbst zu finden. Helfen können Eltern dabei, indem sie ihrem Kind vertrauen. Vertrauen bedeutet dabei nicht, dass Kinder alles tun, was die Eltern ihnen beigebracht haben und das unterlassen, was die Eltern als falsch erachten. Vielmehr bedeutet Vertrauen, dass Eltern ihren Kindern zugestehen, eigene Entscheidungen zu treffen und die Gewissheit, dass das Kind zu dem Menschen werden wird, der es gerne sein möchte. Das wiederum geschieht laut Juul auf dem Fundament, das Kinder in ihrem Elternhaus und von ihren Bezugspersonen über all die Jahre der Kindheit erfahren haben.

    Nimm mich ernst!

    Jugendliche sind auf dem Weg herauszufinden, wer sie sind. In diesem Vorhaben wollen sie ernst genommen werden und brauchen dennoch ihre Freiheit. Unterstützen können Eltern ihr Kind, wenn sie sich auf diese Entwicklung einlassen. Die Jugendlichen haben sich mit dem Beginn der Pubertät von der Welt, die sie bis dahin kannten, abgekapselt und schaffen sich nun eine neue. Wen sie in dieser Welt begrüßen und willkommen heißen, liegt allein bei den Jugendlichen selbst. Doch auch, wenn dein Kind dich aktuell nicht in seine Welt einlädt: Bleib in Kontakt mit deinem Kind. Biete ihm immer wieder ein vertrauen- und liebevolles Ohr an, sei da für dein Kind und unterstütze es in seinem Tun. Begleite es auf seinem Weg ins Erwachsenenleben, doch tu das auf Augenhöhe, nicht mehr in der Rolle als Elternteil.

    Mein Kind spinnt!

    Im Winter ohne Jacke aus dem Haus gehen? Die Musik so laut aufdrehen, dass die gesamte Straße etwas davon hat? Statt mit Freunden zum Shoppen mal eben zum Piercer gegangen? Das kann in der Jugend schon einmal vorkommen. Doch bevor du ausflippst und deinem Kind für den Rest deines Lebens Hausarrest verpasst, halte einen Moment inne. Einen klitzekleinen Moment. Lehn dich zurück, schließe die Augen und dann erinnere dich einmal an deine eigene Jugend. Hast du vielleicht auch den einen oder anderen Mist gebaut? Hast du vielleicht trotz aller Renovierungsprozesse in deinem Hirn damals richtige Entscheidungen getroffen? Atme tief durch und vertrau deinem Kind. Es wird, wahrscheinlich wie du selbst ebenfalls, nicht nur richtige Entscheidungen treffen. Aber es wird aus diesen falschen Entscheidungen, wahrscheinlich wie du selbst ebenfalls, lernen.

    Pubertät nicht schlimmer als andere Entwicklungsphasen

    Zum Abschluss noch eine beruhigende Info: Forscher haben herausgefunden, dass die Streitigkeiten und Kämpfe, die Eltern mit ihren Kindern während der Pubertät erleben, nicht häufiger stattfinden als in anderen Entwicklungsphasen. Was anders ist, ist die Intensität. Besonders dann, wenn die Beziehung zwischen Eltern und Kind besonders innig ist, werden die Kämpfe im Jugendalter als besonders schlimm wahrgenommen.
    „Wenige von uns sind sich bewusst, wie nah wir unseren Kindern wirklich sind – bis wir sie an die Pubertät verlieren.“ (Michael Bradley, amerikanischer Psychologe)
     
  • Cybermobbing – was kannst du tun?

    Spätestens seit Zeiten des Home-Schoolings und des Home-Office ist Cybermobbing jedem ein Begriff. Cybermobbing ist das bewusste und dauerhafte Ausgrenzen einer einzelnen Person aus einem geschlossenen Kreis wie etwa der Schulklasse oder der Abteilung im Job. Die Vorgehensweisen sind dabei ähnlich wie beim Mobbing, sie können allerdings rund um die Uhr und vollkommen ortsunabhängig stattfinden. Auch sind online getätigte Aussagen für viel mehr Menschen einsehbar und nur schwerer wieder aus dem Internet-Orbit zu entfernen. Diffamierende Bilder etwa verbreiten sich in Windeseile und können kaum mehr endgültig gelöscht werden. Die Betroffenen werden immer jünger, die Auswirkungen bleiben die gleichen.

    Cyberlife III Studie vom Bündnis gegen Cybermobbing

    Die im Jahr 2020 vom Bündnis gegen Cybermobbing bereits zum dritten Mal durchgeführte Studie Cyberlife III bringt klare Ergebnisse ans Licht: Schon in der Altersgruppe der 6- bis 12- jährigen sind 40% der Kinder regelmäßig in sozialen Netzwerken wie facebook unterwegs. Dass viele dieser Netzwerke eine Altersbeschränkung haben, WhatsApp etwa ist an ein Mindestalter von 13 Jahren geknüpft, wird ignoriert. Kein Wunder also, dass auch die Zahl der Kinder und Jugendlichen steigt, die bereits in jungen Jahren mit Cybermobbing in Berührung kommen. Seit 2017 ist die Zahl derjenigen auf 17,3 % gestiegen. Das bedeutet, dass fast zwei Millionen Schulkinder bereits mit Cybermobbing in Kontakt gekommen sind.

    Cybermobbing bei Kindern

    Die Verlagerung der sozialen Kontakte sowie des Schulalltags in den letzten Monaten ins Onlineleben tragen ihren Beitrag zu dieser Entwicklung bei, schon in Grundschulklassen geht es los. Erschreckend dabei ist der Anstieg der Betroffenen, die von gravierenden Folgen berichten. In den letzten drei Jahren ist die Anzahl der Betroffenen, die Suizidgedanken äußerten, um 20 % gestiegen. Die Anzahl derjenigen, die sich mit Hilfe von Tabletten oder Alkohol aus der Situation herausflüchten wollten, sogar um 30 Prozent. Diese Zahlen beziehen sich ausschließlich auf von Cybermobbing betroffene Kinder und Jugendliche.

    Was ist Mobbing eigentlich?

    Cybermobbing wird definiert als die Belästigung, Nötigung, Bedrängung und Verleumdung anderer Menschen mit Hilfe elektronische Kommunikationsmittel. Mobbing an Schulen ist das systematische Ausgrenzen einer Schülerin oder eines Schülers über einen längeren Zeitraum. Beim Mobbing, so auch beim Cybermobbing, herrscht ein Machtungleichgewicht. Das bedeutet, dass durch die Anzahl der Beteiligten eine Seite – die des Opfers – deutlich weniger mächtig ist als die Täterseite. Während das Mobbing im echten Leben nach Schulschluss automatisch ein Ende findet, ist das Cybermobbing rund um die Uhr möglich. WhatsApp-Gruppenchats und die Nutzung sozialer Netzwerke machen das möglich. Auch müssen sich beide Parteien nicht mehr am gleichen Ort befinden. Konkrete Mobbinghandlungen können etwa das unerlaubte Onlinestellen eines Fotos sein, aber auch das nicht einladen zu einer Veranstaltung, bei der alle anderen anwesend sind. Offensichtlicher wird es, wenn im Klassenchat kollektiv gegen jemanden gehetzt wird. Die häufigsten Cybermobbing-Taten sind Beleidigungen und Beschimpfungen, gefolgt von Gerüchten und Verleumdungen.

    Folgen von Cybermobbing

    Neben den gravierenden Folgen der Suizidgedanken oder des Drogenkonsums hat Cybermobbing auch weitere Auswirkungen. Allen voran stehen hier eine bedrückte Stimmung und ein Leistungsabfall in der Schule. Häufiges Fehlen im Unterricht und Konzentrationsprobleme sind ebenso auf das Mobbing zurückzuführen wie Angst und Wut. Orte, an denen gemobbt wird, wollen vermieden werden. Daher sollten sowohl Eltern als auch Lehrkräfte bei Auftreten von ungewöhnlich hohen Fehlzeiten hellhörig werden. Das gleiche gilt auch in der Arbeitswelt.

    Cybermobbing in Schulen – wie sehen es Eltern und Lehrkräften?

    Während sich beim Mobbing Opfer und Täter in der Regel am gleichen Ort befinden und so Gesicht zeigen müssen, kann sich der Täter beim Cybermobbing in der Anonymität des Internets verstecken. Das fördert in der Wahrnehmung vieler Eltern auch die Gewaltbereitschaft. Die Eltern selbst, wenn sie denn überhaupt vom Mobbing an ihrem Kind erfahren, fühlen sich häufig überfordert. Dass Eltern mit dem Cybermobbing überfordert sind, zeigt eine der häufigsten Reaktionen. Und diese Reaktion der Eltern ist fatal: Anstatt mit dem Kind oder dem Jugendlichen vertrauensvoll über das Mobbing zu sprechen, werden sie bestraft, indem ihnen der Zugang zu den Endgeräten verwehrt wird. Das ist oftmals ein redlicher Gedanke, führt in der Realität aber häufiger dazu, dass Eltern nichts vom Cybermobbing erfahren, aus Angst davor, dass das Handy oder der PC dann nicht mehr genutzt werden dürfen. Die Überforderung liegt mitunter daran, dass in den Schulen kaum Prävention und Aufklärung angeboten wird. Die Lehrkräfte sehen das ähnlich. Die Opfer von Cybermobbing werden immer jünger. Die Folgen immer gravierender. Dr. Jens Baas, der Vorstandsvorsitzende der TK, berichtet von Angst, Schlafstörungen und Depressionen als Folgen – genauso wie bei allen anderen Mobbingarten. Dass dabei vor allem die sowieso schon emotional besonders verletzlichen Kinder und Jugendlichen auch Jahre später noch an Folgen leiden, ist laut seiner Aussage keine Seltenheit.

    Reaktionen auf und Hintergründe von Cybermobbing

    Kindliche und jugendliche Opfer von Cybermobbing reagieren in 61% der Fälle verletzt, 53% jedoch mit Wut. Dass sich bei ihnen im Laufe der Zeit die Opfer-Täter-Dynamik wandeln könnte, ist möglich. Cybermobbing wächst – Corona verstärkt dieses Wachstum noch. Durch die Umstellung von Präsenz- auf Distanzunterricht in den Schulen und die geltenden Kontaktbeschränkungen verlagern sich die sozialen Kontakte immer mehr ins Internet. Tragisch dabei ist, dass die Täter bei Cybermobbing kaum sanktioniert werden und häufig mit ihren Schikanen ungestraft davonkommen. Hier könnte Prävention Abhilfe schaffen. Kinder und Jugendliche können mit den technischen Gegebenheiten des Internets und der Endgeräte oftmals intuitiv umgehen, ihre Medienkompetenz hingegen ist weniger ausgeprägt. Angebote, die den Umgang miteinander in den sozialen Netzwerken vermitteln sowie den Klassenzusammenhalt stärken, können an dieser Stelle viel bewirken.

    Handlungsempfehlungen vom Bündnis gegen Cybermobbing

    Bereits stattfindende Präventionsarbeit muss nicht nur verstärkt werden, sondern bereits in den Grundschulen angeboten werden. Dazu gehört nicht nur der soziale Umgang im Internet für die Kinder, sondern auch eine optimierte Lehrkraftfortbildung. Auch sollten die Eltern wissen, was ihr Nachwuchs im Internet tut und wie sie dabei unterstützen können. Sie sollten die Inhalte und Funktionsweisen der jeweiligen Netzwerke ihres Kindes kennen und wissen, auf welchen Plattformen ihr Nachwuchs unterwegs ist. Befähigen können sich Lehrkräfte und Eltern mit Hilfe externer Experten, die sich mit dem Thema befassen und umfangreich aufklären können. Letztlich ist auch die Politik gefragt, ein Gesetz gegen Cybermobbing ins Leben zu rufen. In Österreich etwa existiert ein solches bereits seit 2016.

    Rechtslage bei Cybermobbing

    Während andere Länder in diesem Bereich schon weiter sind, handelt es sich in Deutschland bei Cybermobbing ebenso wie bei Mobbing um keine anerkannte Straftat. Einzelne Handlungen aber sind durchaus strafbar. Das belegen zahlreiche Gerichtsurteile aus den letzten Jahren, in denen die Täter zu teilweise sehr hohen Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafen verurteilt worden sind. Möglich ist die Verfolgung eines Straftatbestands jedoch nur dann, der Betroffene aktiv eine Anzeige vornimmt und Beweise gesichert sind. Daher ist es ratsam, alles, was im Rahmen des Cybermobbings passiert, zu sichern: Dateien speichern, Screenshots machen und Accounts nach Möglichkeit nicht löschen. Auch ein Mobbing-Tagebuch ist hilfreich. Nicht nur, dass sich die Betroffenen darin alles von der Seele schreiben können, es dient auch als Gedankenstütze. Verhandlungen finden oftmals in großem zeitlichem Abstand zur Anzeige statt, so dass es gut ist, wenn sich der oder die Betroffene die Situationen nochmals in Gedächtnis zurückholen kann. Im besten Fall werden daher nicht nur die Situationen beschrieben, sondern auch die Namen aller Beteiligten, der konkrete Ort, die genaue Uhrzeit und auch das empfundene Gefühl notiert. Wenn du selbst mit Kindern zu tun hast, als Elternteil oder als Fachkraft, kannst du bereits ab einem Alter von etwa 10 oder 11 Jahren auf die rechtlichen Konsequenzen hinweisen, die auf die Kinder zukommen könnten, wenn sie selbst zum Mobbenden werden. Spätestens ab einem Alter von 14 Jahren sind sie deliktfähig und ihre Taten können geahndet werden.

    Schnelle Tipps bei (Cyber-)Mobbing

    Bist du oder dein Kind aktuell von Cybermobbing betroffen, versuche den Mobbenden nicht mit logischen Argumenten auf die ausgeübten Taten anzusprechen. Das führt eher zu einer noch höheren emotionalen Belastung deinerseits als zu einer Klärung. Wenn du es nicht schaffst, es zu ignorieren, versuche es mit sachlichen Argumenten. Weise auf die Straftaten hin, die begangen werden, anstatt auf die Emotionen, die das Mobbing in dir oder deinem Kind auslöst. Im Online-Bereich gibt es die Funktion des Blockierens. Du kannst das gesamte Profil des Schikanierenden sperren und bekommst so keine Nachrichten mehr. Das hilft häufig jedoch nur kurzfristig und erschwert eine etwaige Beweissammlung. Handelt es sich in der Mobbingsituation um dein Kind, dann versuch nicht, die Situation als Eltern zu klären. Wenn du das für dein Kind übernimmst, bietest du damit direkt einen weiteren Angriffspunkt. Es kommt vor, dass vormalige Opfer zu Tätern werden. Sprich auch da mit deinem Kind drüber – über die Konsequenzen und vor allem über Alternativen, mit der Situation umzugehen. Biete deinem Kind zuhause einen sicheren Hafen. Höre deinem Kind zu und achte schon auf kleine Wesensveränderungen. Nimm dein Kind in den Arm und zeige auf, dass es sich bei den Mobbingtaten der anderen um deren Meinung handelt, die dein Kind aber keineswegs annehmen muss. Zeige deinem Kind, was es alles kann und besinnt euch gemeinsam darauf, wer aus seinem Umfeld es alles lieb hat und zu schätzen weiß.

    Auch zahlreiche Erwachsene von Cybermobbing betroffen

    Die Cyberlife III- Studie konzentriert sich auf Kinder und Jugendlichen in Schulen, Erwachsene sind aber nicht automatisch vor derartigen Angriffen gefeit. Auch bei ihnen sind Veränderungen hinsichtlich ihrer Lebensqualität, ihrer psychischen Gesundheit und der Stimmungslage eine häufige Folge. Diese äußern sich bei Erwachsenen durch vermehrte Krankmeldungen und Arbeitsunfähigkeit bis hin zur Kündigungsbereitschaft.   Wenn du Unterstützung in den Mobbingprävention oder dem Umgang mit Mobbing für deine Schulklasse oder deine Familie benötigst, melde dich gerne.
  • Entspannt als Ein-Eltern-Familie – so gelingt es in 4 Schritten

    Wer ärgert sich manchmal über seine:n Ex? Wer wünscht sich, dass das Verhältnis zueinander entspannt ist? Wer sich manchmal in seinem Alltag mit den Kindern überfordert? Wer befindet sich manchmal an seiner Belastungsgrenze? In Deutschland leben 8 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern. 19% davon sind Ein-Eltern-Familien. 90% der Alleinerziehenden sind Mütter. Und fast alle von ihnen fühlen sich mindestens hin und wieder mental überfordert, entspannt sind sie schon lang nicht mehr. Doch es gibt Möglichkeiten, deine Anspannung aus der Unzuverlässigkeit deines Ex-Partners herauszunehmen und dich so häufiger entspannt zu fühlen.

    Einheitliche Erziehungsmethode adé – entspannt geht trotzdem

    Nach einer Trennung gestaltet sich die Erziehung des Kindes häufig noch schwieriger als zuvor. Während man als Paar noch versucht einen gemeinsamen Nenner zu finden und in eine Richtung zu gehen, möchten nach einer Trennung beide Elternteile ihr Ding durchziehen. Das kann an die Substanz gehen. Muss es aber nicht. Der erste Schritt auf deinem Weg zu einem entspannten Alleinerziehenden ist das Loslassen. Das Loslassen des Gedankens, dass ihr beide die gleichen Regeln aufstellen müsst, dass ihr beide die gleichen Werte vermitteln müsst. Schön – und entspannt – wäre es, natürlich. Aber einen Streit und damit deine Energie sollte es nicht wert sein. Denk doch mal an Oma & Opa, die Kita oder Schule deines Kindes und seine Freunde und deren Eltern. Wo auch immer dein Kind seine Zeit verbringt, es weiß ganz genau, wo welche Regeln gelten, es weiß genau, wo es was darf und woran es sich zu halten hat. Das schafft das Kind auch bei Mama & Papa!

    Entspannt bleiben – lass dich nicht provozieren!

    Frisch getrennte Eltern, manchmal aber auch noch Jahre nach dem Ende der Beziehung, neigen gern dazu, sich gegenseitig schlecht zu machen, sich zu erpressen oder sich anderweitig zu provozieren. Wenn sich der eine nicht wie gewünscht verhält, untersagt der andere den Kontakt zu den Kindern oder ähnliche Aussagen sind in solchen Fällen keine Seltenheit. Ein entspanntes Miteinander ist in dieser Situation nicht möglich. Lass dich auf derartige Spiele nicht ein. Sei klar und deutlich in deiner Kommunikation, halte Absprachen am besten schriftlich fest und ziehe in schwierigen Situationen notfalls außenstehende mit in die Gespräche ein.

    Bleib entspannt – du wirst deine:n Ex nicht ändern

    Eine weitere Option zu mehr Entspannung als Alleinerziehende:r ist die Erkenntnis, dass du deine:n Ex nicht ändern wirst. Was auch immer er oder sie sagt, tut und auch nicht tut, liegt nicht in deiner Hand. Wenn du dich aber darüber ärgerst, raubt es dir Energie. Energie, die du für andere, für wichtigere Dinge benötigst. Nimm den Charakter des anderen entspannt an und steht darüber.

    Entspannt bleiben – ärgere dich nicht über etwas, das du nicht ändern kannst

    Die Schlussfolgerung daraus ist also: Ärgere dich nicht über Dinge – und Menschen – , die du nicht ändern kannst. Was auch immer dein:e Ex, tut, lass ihn oder sie machen. Wenn die Umgangspflichten nicht wahrgenommen werden oder die Zahlungsmoral beim Unterhalt zu wünschen übrig lässt, hole dir professionelle Unterstützung anstatt deine wertvolle Energie dafür aufzubringen. Diese Zeit kannst du besser in schöne Erinnerungen mit deinem Kind investieren – das entspannt zusätzlich.

    Entspannt genießen – verabschiede dich vom alles-ist-unfair-Gedanken

    Eine Trennung ist niemals schön. Eine Trennung mit Kind ist zudem meist unglaublich schwierig. Denn jeder der sich trennenden Erwachsenen fühlt sich benachteiligt: Der eine muss aus der Wohnung ausziehen, der andere muss in dem vorher gemeinsam bewohnten Zuhause einen Neubeginn schaffen. Der eine hat viel Zeit mit den Kindern, der andere hat viel Zeit für sich. Der eine hat kaum Anteil am Alltag des Kindes, der andere hat kaum Zeit für sich. Finanziell sieht es bei beiden nicht rosig aus, doch sehen tut jeder nur seine Seite. Das Kind steht dabei mittendrin. Es versteht die Welt nicht mehr und es bekommt von beiden Elternteilen die Anspannung mit. Das kannst du ändern, indem du deine neue Situation annimmst. Richte deinen Fokus auf das Wohl des Kindes aus, deines Kindes. Das Kind kann nichts für die Trennung, die Streitigkeiten oder das an den Tag gelegte Verhalten. Dein Kind möchte Sicherheit, Liebe und … Eltern. Fokussiere dich auf dein Kind und die guten Seiten deines Elternparts. Wenn du dabei Unterstützung benötigst, begleite ich dich gerne im Rahmen eines individuellen Familiencoachings auf deinem Weg zu einem entspannten alleinerziehenden.

    Und bis dahin:

    Lass den Gedanken an eine gemeinsame Erziehung los! Lass dich nicht provozieren! Ärgere dich nicht über deine:n Ex! Fokussiere dich stattdessen auf dich und dein Kind und denk daran:
    Alleinerziehend zu sein bedeutet nicht nur doppelt Arbeit, Stress & Tränen, alleinerziehend zu sein bedeutet auch doppelt so viel Küsschen, Umarmungen & Liebe!
  • Wenn Kinder lügen – so verhalten sich Eltern richtig

    Welche Eltern kennen es nicht: Auf die Frage, wer die Süßigkeiten aufgegessen oder das Glas kaputt gemacht hat, kommt die Antwort „ich weiß es nicht“, kurz bevor eine weitere Beteuerung „ich wars nicht!“ folgt. Holt man ein Kind aus dem Kindergarten ab oder empfängt es nach der Schule mit der Frage, wie es denn in der Einrichtung gewesen sei, spielt sich das immer gleiche Szenario ab: Kind weiß es nicht. Außer, Kind ist gut drauf, dann wird diese durchaus sehr komplizierte Frage mit einem kurzen und knappen „gut“, bei Pubertierenden eher „ok“ beantwortet. Dass das Eltern und andere Betreuungspersonen fürchterlich nervt, ist klar. Aber gibt es vielleicht sogar eine Erklärung, warum der Nachwuchs so ist? Waren die Eltern früher, in ihrer eigenen Kindheit, ebenso?

    Lügen gehört irgendwie dazu

    Lügen ist eine unbeliebte Eigenart. Niemand wird gerne angelogen. Doch selbst lügt der Durchschnittsmensch auch sehr häufig. Ob es tatsächlich drei Mal während eines zehnminütigen Gesprächs ist, wie in diesem Artikel beschrieben, ist unwahrscheinlich. Aber häufig ist es dennoch.

    Gründe zu lügen

    Die Gründe für eine Lüge sind unterschiedlich. Sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. Bei Erwachsenen ist die wohl häufigste Lüge das „gut“ als Antwort auf die Frage nach dem aktuellen Befinden. Kinder hingegen sagen häufig nicht die Wahrheit, um einer Strafe zu entgehen. Je kleiner ein Kind ist, desto lustiger kann die Situation für einen Außenstehenden (und sind wir mal ehrlich, auch für den Involvierten) aussehen: Das von Kopf bis Fuß mit Schokolade vollgeschmierte Kleinkind wird gefragt, ob es die Schokocreme genascht habe. Inbrünstig und mit voller Überzeugung ruft es „nein!“ und möchte die Schokoladen-Ärmchen um den Fragenden legen. Ein Grundschulkind wird die gleiche Frage vielleicht auch verneinen. Es wird aber wahrscheinlich darauf achten, dass die Spuren seiner Tat nicht mehr oder zumindest nicht derart offensichtlich zu erkennen sind.

    Mein Kind lügt – wie reagiere ich am besten?

    Wenn Eltern ihr Kind, unabhängig des Alters, bei einer Flunkerei erwischen, sind Vorwürfe und Diskussionen zwar nachvollziehbar, aber nicht sinnvoll. Bestrafungen bringen noch weniger. Denn wenn das Kind eine Strafe fürchten muss, wird es künftig noch häufiger lügen, um diesem Risiko zu entgehen. Nicht immer einfach, aber am effektivsten: die Ursachenforschung. Hinter nahezu jeder Lüge, so klein sie auch sein mag, liegt meist eine Absicht. Ein Leben ohne Lüge gibt es nicht. Auch, wenn sich viele Eltern zum Ziel setzen, dass in ihrer Erziehung absolute Ehrlichkeit herrscht. Die Bremer Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie Karin Hauffe-Bojé erklärt: „Das Spiel mit der Wahrheit gehört zur kindlichen Entwicklung“. Weiter informiert sie, dass Kinder unter vier Jahren, so etwa das schokoladenverschmierte Kleinkind, nicht in der Lage sind, zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden. In ihrer Welt ist es vollkommen normal, dass sie sich Geschichten ausdenken, imaginäre Freunde haben und in ihren Gedanken alles erleben können, wonach ihnen der Sinn steht. Das verschmierte Kind hat in seiner Welt die Schokolade offensichtlich nicht genascht. Auch können kleine Kinder noch keine Konsequenzen abschätzen. Nimmt der Kleinkind dem großen Nachbarskind etwa das Spielzeug weg und wird daraufhin geschubst, so ist sich das Kleinkind seiner Tat nicht bewusst. Es weiß nur noch, dass das andere Kind es geschubst hat. Es lügt für den Betrachter. In seiner kindlichen Welt aber ist seine Geschichte wahr.

    Bewusster Umgang mit der Wahrheit

    Kinder können erst ab dem Vorschulalter bewusst mit der Wahrheit spielen. Eltern kennen solche Situationen wahrscheinlich zuhauf: Das 6-jährige Kind stibitzt sich ein Stückchen Schokolade, grinst Vater oder Mutter an und behauptet, mit dem schönsten Lächeln der Welt und einem klimpernden Augenaufschlag, sie hätten nichts getan. Damit probiert sich das Kind aus. Die Lüge an sich ist nicht schlimm. Zumal sie am Verhalten des Kindes auch deutlich zu erkennen ist. Einen bösen Hintergedanken hat das Kind dabei ebenfalls nicht. Es probiert sich aus. Es sammelt Erfahrungen, was erlaubt ist und was nicht erlaubt ist.

    Eltern sollten sich Gründe bewusst machen

    Psychologen empfehlen Eltern daher, sich zu überlegen, aus welchem Grund ihr Kind gelogen haben könnte. Basiert die Übertreibung in der Geschichte auf einem geringen Selbstwertgefühl oder fühlt sich das Kind benachteiligt? Nicht selten sind es sogar die Eltern, die die entsprechenden Motivationen und Verhaltensweisen unbewusst vorleben und sich dann wundern, wenn ihr Kind ihnen einen Spiegel vorhält. Ein weiterer Grund – bei Kindern, die beabsichtigt lügen, wohl einer der häufigsten – ist die bereits erwähnte Angst vor Strafe. Wenn die Noten schlecht sind, das Lieblingsgeschirr kaputt gegangen ist oder das Fahrrad gestohlen wurde, weil das Kind vergessen hat es anzuschließen – die Situationen sind zahlreich und vielfältig. Mit der Lüge wollen sie sich schützen. Eventuell vor Überreaktionen der Eltern, die sie bereits aus der Vergangenheit kennen oder weil ihnen in ihrem Kopf das Vergehen als sehr viel schlimmer erscheint als es tatsächlich ist.

    Wie reagieren Eltern am besten auf einen kleinen Flunkerer?

    Eltern tun gut daran, das Kind nach einer entdeckten Lüge darauf anzusprechen: „Warum hast du denn nicht die Wahrheit gesagt, als ich dich eben gefragt habe?“ Wenn das Kind dann Angst vor der Wahrheit oder vor den Konsequenzen erwähnt, sollten Eltern ihrem Nachwuchs die Sicherheit geben, dass es alles sagen und erzählen darf. Wenn die Eltern hingegen aufbrausend und laut reagieren, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Kind sich eher nicht traut, in ungünstigen Situationen mit der Wahrheit rauszurücken. Kinder, die die Wahrheit sagen, freuen sich sehr und merken sich das auch für das nächste Mal, wenn sie darin bestätigt werden; wenn sie gelobt werden, dass sie ehrlich waren; wenn ihnen gedankt wird, dass sie in dieser schwierigen Situation ihren Fehler eingestanden und zugegeben haben.

    Das Lügen und seine Konsequenzen

    Dennoch darf dem Kind durchaus vermittelt werden, dass Lügen ein Unding ist und zu Konsequenzen führt. So ist es vielleicht eine Konsequenz, dass das Kind, das nur vorgibt, sich bereits die Zähne geputzt zu haben, künftig nur noch im Beisein eines Elternteils Zähne putzen darf. Das Kind, das immer wieder mit Mitteilungen aus der Schule nach Hause kommt, weil es die Hausaufgaben vergessen hat, muss die erledigten Aufgaben den Eltern vorzeigen. Kinder, die sich mit Lügen durchschummeln möchten, sollten eine stärkere Kontrolle erfahren. Sobald diese Konsequenz gut funktioniert, können die Restriktionen langsam gelockert werden. Das Kind braucht die Gewissheit, dass sich das elterliche Vertrauen erneut aufbauen lässt. Wenn Kinder mit ihren Lügen andere Kinder in Schwierigkeiten bringen, etwa durch Verleumdungen oder Schuldzuweisungen, ist ein ernstes Gespräch erforderlich. Das Kind muss verstehen, dass ein solches Verhalten nicht geduldet wird. Dabei sind Eltern zu Hause, Trainer im Sportverein oder auch Lehrkräfte und Erzieher in den Bildungseinrichtungen gleichermaßen gefragt. Wo gelogen wird, ist unerheblich. Der betreuende Erwachsene zeigt dem Kind dessen Grenzen auf. Dazu gehört auch, dass sich das Kind bei dem zu Unrecht beschuldigten anderen Kind entschuldigt.

    Wie gehst du damit um, wenn deine Kinder dich anlügen?