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  • Warum ADHS keine Ausrede ist – sondern eine Erklärung

    ADHS ist kein Freifahrtschein.
    Und genau deshalb ist es so wichtig, es richtig zu verstehen.

    Denn was viele Eltern hören – offen oder zwischen den Zeilen – klingt oft so:
    „Dann streng dich halt mehr an.“
    „Andere schaffen das doch auch.“
    „Man kann sich doch zusammenreißen.“

    Das Problem:
    Diese Sätze setzen dort an, wo bei ADHS nicht einfach mehr Wille abrufbar ist.

    ADHS erklärt kein Verhalten schön – es erklärt es überhaupt erst

    Eine Ausrede soll Verantwortung vermeiden.
    Eine Erklärung schafft Orientierung.

    ADHS bedeutet:

    • ein Nervensystem, das Reize ungefilterter verarbeitet
    • Emotionen, die schneller, stärker und länger spürbar sind
    • ein Gehirn, das unter Stress schlechter auf das zugreifen kann,
      was es theoretisch weiß

    Das Ergebnis?
    Kinder (und Erwachsene) wissen oft sehr genau, wie sie sich verhalten sollten.
    Sie können es in dem Moment nur nicht umsetzen.

    Nicht aus Trotz.
    Nicht aus Faulheit.
    Nicht aus Manipulation.

    Sondern weil ihr Nervensystem gerade im Überlebensmodus ist.

    „Er weiß doch, wie es geht!“ – ja. Und trotzdem klappt es nicht.

    Das ist einer der schmerzhaftesten Punkte für Eltern.

    Dein Kind kann:

    • Regeln erklären
    • Entschuldigungen formulieren
    • im ruhigen Moment Einsicht zeigen

    Und im nächsten Moment:

    • explodiert es
    • schreit
    • schlägt um sich
    • oder zieht sich komplett zurück

    Das fühlt sich widersprüchlich an.
    Ist es aber nicht.

    👉 Wissen sitzt im Kopf.
    Handlungsfähigkeit entsteht im regulierten Nervensystem.

    Wenn Stress, Überforderung oder emotionale Überflutung dazwischenfunken,
    ist der Zugang zum „vernünftigen Teil“ schlicht blockiert.

    ADHS heißt nicht: „Dann geht eben nichts“

    Und jetzt der unbequeme Teil – ohne Beschönigung:

    ADHS erklärt Verhalten.
    Es entschuldigt nicht alles.
    Es entbindet nicht von Entwicklung, Lernen und Verantwortung.

    Aber:
    👉 Verantwortung beginnt dort, wo man die richtigen Voraussetzungen schafft.

    Von einem Kind zu verlangen, sich zu regulieren, während sein Nervensystem auf Daueranschlag läuft, ist ungefähr so sinnvoll wie Schwimmen beibringen im Sturm.

    Warum klassische Erziehungstipps hier so oft scheitern

    Belohnungssysteme.
    Konsequenzen.
    „Klare Ansagen“.

    All das kann funktionieren – wenn das Kind innerlich erreichbar ist.

    Bei ADHS ist genau das oft das Problem:

    • zu viel Druck → mehr Stress
    • mehr Stress → weniger Steuerung
    • weniger Steuerung → Eskalation

    Der Kreislauf verstärkt sich.
    Und Eltern landen irgendwann bei:
    „Wir machen doch schon alles!“

    Ja.
    Aber nicht alles wirkt gleich – auf jedes Nervensystem.

    Der Wendepunkt: „Es liegt nicht an mir. Und nicht an meinem Kind.“

    Dieser Satz verändert alles.

    Nicht, weil er Verantwortung wegschiebt.
    Sondern weil er sie neu verteilt:

    • Weg von Schuld
    • Hin zu Verständnis
    • Weg von Kampf
    • Hin zu Begleitung

    ADHS braucht keine härtere Erziehung.
    Es braucht passende Bedingungen.

    Und Eltern brauchen:

    • Wissen, das entlastet
    • Strategien, die im Alltag funktionieren
    • und jemanden, der sagt: „Du bildest dir das nicht ein.“

    Und jetzt?

    Wenn du beim Lesen gemerkt hast:
    „Genau das ist unser Alltag.“
    dann bist du hier nicht zufällig gelandet.

    Ich begleite Eltern genau an diesem Punkt:
    zwischen Erschöpfung, Schuldgefühlen und dem Wunsch, es anders zu machen –
    ohne sich selbst oder das Kind zu verlieren.

    👉 Wenn du tiefer verstehen willst, wie ADHS, Emotionen und Beziehung zusammenhängen, ist mein Onlinekurs „ADHS liebevoll begleiten“ ein möglicher nächster Schritt.
    Kein Patentrezept. Aber ein stabiler Rahmen.

    Und falls du erst einmal weiterlesen willst:
    Dieser Blog ist genau dafür da.

  • Dein Bild vom Kind

    Das Bild vom Kind – dabei handelt es sich um einen Fachbegriff aus der Pädagogik. Vor allem in Betreuungseinrichtungen wie Kindergärten oder Schulhorten kommt dieses Bild vom Kind zu Einsatz. Es ist in den pädagogischen Konzepten verankert und stellt daher die Abgrenzung der einzelnen Einrichtung oder eines Trägers zu anderen dar. Aber auch in der privaten Kindererziehung dreht sich alles um das Bild vom Kind. Was Eltern und Großeltern sowie andere Bezugspersonen für ein Bild vom Kind, und später auch für ein Bild vom Jugendlichen haben, beeinflusst ihren Umgang mit ihnen. Im Bild vom Kind beschreibst du, wie du über Kinder denkst, was du ihnen zutraust und welche Fähigkeiten und Kompetenzen du ihnen zuschreibst.

    Wie findest du dein Bild vom Kind heraus?

    Wenn du dein Bild vom Kind definieren möchtest, ist Ehrlichkeit erforderlich. Nimm dir Zeit, um dieses Bild zu definieren. Sorge dafür, dass du ungestört bist und deine Gedanken und Ideen aufschreiben kannst.

    Kinder sind …

    Die erste Überlegung, die du anstellen solltest, ist die Beantwortung der Frage, was Kinder deiner Meinung nach sind. Fühl dich in der Beantwortung vollkommen frei. Es gibt keine falschen Antworten, alle Gedanken, die dir hierzu kommen, dürfen sein. Mögliche Antworten können sein:
    • Kinder sind anstrengend.
    • Kinder sind hilflos.
    • Kinder sind frech.
    • Kinder sind laut.
    • Kinder sind der Sinn des Lebens.
    • Kinder sind unsere Zukunft.
    Kinder können so vieles sein. Schreibe dir alles auf, was sie in deinen Augen sind. Es gibt kein Richtig und kein Falsch.

    Kinder brauchen…

    Im nächsten Schritt beschäftigst du dich damit, was Kinder brauchen. Auch hier schreibst du alle Antworten auf, die dir in den Sinn kommen. Bewerte deine Antworten nicht schreibe sie einfach nur auf. Mögliche Antworten hierauf könnten sein:
    • Kinder brauchen Grenzen.
    • Kinder brauchen Vater und Mutter.
    • Kinder brauchen eine strenge Erziehung.
    • Kinder brauchen andere Kinder.
    Auch auf diese Frage gibt es keine falschen Antworten. Schreib alles auf, was Kinder deiner Meinung nach brauchen. Nun hast du dein Bild vom Kind. Die gleichen Fragen kannst du dir auch über Jugendliche stellen und so herausfinden, ob du zwischen Kindern und Jugendlichen differenzierst.

    Welche Glaubenssätze stecken dahinter?

    Um dein Bild vom Kind anzupassen oder zu prüfen, warum du genau dieses Bild hast, kannst du weitere Schritte gehen. Dafür siehst du dir deine Antworten noch einmal ganz genau an. Lies jede Antwort für sich und überlege, welche Glaubenssätze hinter deinen Gedanken stecken könnten? Ein Glaubenssatz ist eine Regel, die wir als wahr und meist auch als allgemeingültig betrachten. Einige dieser Glaubenssätze bekommen wir von unseren Eltern mit auf den Weg, andere entstehen durch persönliche Erfahrungen. Machen wir mehrmals die gleichen Erfahrungen, entwickeln wir in unseren Gedanken einen solchen Glaubenssatz. Glaubenssätze sind Gedanken wie zum Beispiel:
    • Kinder sind nicht in der Lage Entscheidungen zu treffen.
    • Kinder mit 3 Jahren müssen trocken sein.
    • Kinder müssen hinter ihren Eltern zurückstecken. / Eltern müssen hinter ihren Kindern zurückstecken.
    • Kinder müssen Ordnung in ihren Zimmern halten.
    • Kinder müssen machen, was die Eltern ihnen sagen.
    • Ich kann das eh nicht.
    • Geld verdirbt den Charakter.

    Finde deine Glaubenssätze – wie denkst du über…

    Du kannst über deine Antworten zum Bild vom Kind deine Glaubenssätze erkennen, oder aber dich explizit mit möglichen Glaubenssätzen auseinandersetzen. Dazu benötigst du ebenfalls wieder Ruhe und Zeit, dazu Ehrlichkeit. Dann frage dich, wie du über bestimmte Dinge denkst:
    • Wie denkst du über Geld?
    • Wie denkst du über Beziehungen?
    • Was bedeutet Glück für dich?
    • Was denkst du über die Liebe?
    • Wie denkst du über Alkohol, Nikotin, Drogen, Suchtmittel, Fleischkonsum, etc.?
    Diese Übung kannst du mit jedem beliebigen Begriff durchgehen. Um beim Bild vom Kind und deiner Einstellung zu Kindern oder Jugendlichen zu bleiben, beschränkst du dich auf Begriffe aus dem Familienalltag und der Pädagogik.

    Dein Bild vom Kind finden – das sagt dein Umfeld über dich

    Wenn du all deine Gedanken notiert hast, ist eine weitere Möglichkeit, dein Umfeld zu befragen. Frag deine Familie, deine Freunde, deine Kollegen wie sie dich beschreiben würden. Frage sie, was sie denken, dass dir wichtig ist und wie du ihrer Meinung nach zu den oben genannten Begrifflichkeiten stehst. Nimm ihre Antworten wertfrei und ohne Urteil an. Prüfe anschließend in Ruhe, ob es sich bei diesen Aussagen tatsächlich um deine Eigenschaften und Verhaltensweisen handelt oder vielleicht doch eher um einen Glaubenssatz der befragten Person.

    Wenn´s schmerzhaft wird, bist du nah dran

    Eine weitere Möglichkeit ist zeitaufwändig, aber sehr effektiv. Schreibe die Geschichte deines Lebens. Notiere erst einmal Verhaltensweisen in deinem Stammbaum.
    • Welche Jobs werden typischerweise in deiner Ursprungsfamilie ausgeübt?
    • Welchen Hobbys wird nachgegangen?
    • Wie stehen deinen Verwandten und Vorfahren zu Selbstverwirklichung?
    Gehe nun tiefer und erinnere dich:
    • Wo bist du aufgewachsen?
    • Wie bist du aufgewachsen?
    • Welche Entscheidungen haben dich geprägt?
    • Warum hast du diese Entscheidungen getroffen?
    Auf diese Weise kannst du deine Glaubenssätze herausfinden. Aber es ist ebenfalls möglich (sehr wahrscheinlich sogar), dass du – vor allem bei der letzten Übung – an deine Grenze kommst. Es kann passieren, dass die Erinnerungen schmerzhaft sind. Doch sei dir sicher: Wenn es weh tut, bist du nahe dran an deinen Glaubenssätzen. Wenn du es nicht aushalten kannst, unterbrich. Oder brich ab. Wenn du es aber schaffst, den Schmerz auszuhalten und weiterzumachen, kommst du schon bald zum Kern deiner Glaubenssätze. Glaubenssätze sind übrigens nicht nur negativ. Sie geben uns auch Sicherheit und Halt, einige leisten uns durchaus gute Dienste. Gefunden und aufgelöst werden sollten sie erst dann, wenn sie uns an unserer Entwicklung hindern, uns oder der Beziehung zu unserem Kind schaden.

    Aufgelöste Glaubenssätze ändern das Bild vom Kind

    Hast du Glaubenssätze auflösen können? Dann ist es genau der richtige Zeitpunkt, dein Bild vom Kind noch einmal zu überprüfen. Was hat sich geändert?
  • Die Pubertät und der präfrontale Cortex

    Plötzlich wachen Eltern auf und erkennen ihr Kind nicht mehr. Das eigentlich so liebe und wohlerzogene Kind legt Verhaltensweisen an den Tag, die Eltern niemals für möglich erachtet hätten. Auf Nachfrage, was denn los sei, kommt häufig ein Schulterzucken, „nix“ oder „weiß nicht“. Damit ist das Gespräch dann auch schon wieder beendet. Und so seltsam es sich für Eltern auch anhören mag, aber beide Antworten sind sogar korrekt. Grund dafür ist der präfrontale Cortex.

    Was ist der präfrontale Cortex und was hat der mit meinem Kind gemacht?

    Der präfrontale Cortex ist ein Teil des Frontallappens an der Großhirnrinde Er befindet sich an der Stirnseite des Gehirns und steuert unser Verhalten. Es gibt inzwischen zahlreiche neurologische Nachweise, dass bei einer Verletzung dieses Stirnhirns die Intelligenz zwar weiterhin bestehen bleibt, das Verhalten aber plötzlich ungehemmt, aggressiv und taktlos werden kann. Vorausschauendes und auf Konsequenzen bedachtes Handeln ist dann nicht mehr möglich. Während der Pubertät wird das Gehirn der Jugendlichen nicht verletzt, aber es befindet sich in einem Reset, in einer Neuausrichtung. Vereinfacht kann man sagen, es wird von vorne nach hinten ausgeschaltet und dann langsam von hinten nach vorne wieder neu gestartet. Du kennst das vielleicht von Computer-Neustarts: Mitunter kann es passieren, dass während dem Reset oder im Anschluss daran erst einmal Chaos herrscht. Dieses Chaos ist die Pubertät.

    Reset und die Hormone

    Bei den Jugendlichen und ihrem Gehirn-Umbau kommt während der Pubertät noch ein weiterer Faktor hinzu: die Hormone. Wusstest du, dass sich das Wort „Pubertät“ von dem lateinischen Wort „pubes“ ableitet? Das bedeutet „Schamhaar“. Denn die Hormone in dieser Zeit sind dafür verantwortlich, dass sich der kindliche Körper verändert und die Kinder nun äußerliche Körpermerkmale entwickeln und zu einem Mann oder einer Frau werden. Entwicklungstechnisch handelt es sich bei der Pubertät um eine vollkommen normale Entwicklungsphase, ebenso wie die Babyzeit oder das Kleinkindalter. Diese Hormone jedoch verändern nicht nur das Aussehen des Kindes, sondern auch dessen Gedankenwelt. Mit Logik wirst du bei einem pubertierenden Jugendlichen nicht weit kommen. Emotionen, Gefühle und Impulse sind die treibenden Kräfte während dieser Zeit. Auch Belohnungen werden auf diese Art angestrebt. Umgangssprachlich gerne als „Kick“ bezeichnet, sind Jugendliche darauf bedacht, sich selbst in Form von etwaig riskanten Aktionen zu belohnen. Theoretisch wissen sie ganz genau, was richtig und was falsch ist, dennoch ist die Aussicht auf einen solchen „Kick“ stärker.

    Was können Eltern tun?

    Während in den ersten Lebensmonaten eines Kindes die Beziehung zwischen Eltern und Kind das wichtigste ist, geht es im Anschluss daran viele Jahre um die Erziehung des kleinen Menschen. Werte werden vermittelt, Regeln besprochen und auf gewisse Weise erfolgt eine Anpassung an die Gesellschaft. Wenn das Kind nun ein Teenager ist, kommen Eltern mit Erziehung nicht mehr weiter. Stattdessen sollte während dieser Jahre wieder auf Beziehung gesetzt werden. Statt Strafen und Befehle lieber Lob und Anerkennung. Statt strengen Vorgaben von Regeln und Grenzen lieber ein gemeinsames Besprechen. Statt drastischen Mitteln lieber Verständnis und Geduld, viel Geduld. Eltern, die versuchen, mit ihren pubertierenden Kindern Herausforderungen gemeinsam zu lösen und die zuverlässig als Zuhörer und Tippgeber an der Seite ihres jugendlichen Kindes stehen, haben eine große Chance, dass ihr Kind sie hinter die pubertierende Fassade blicken lässt und den Eltern so die Möglichkeit einräumt, die Gedankenwelt und Vorgehensweise zu verstehen.

     Wir waren früher aber nicht so!

    Welches Kind hat diese Aussage noch nie von seinen Eltern gehört? Wahrscheinlich gibt es nicht ein einziges Kind auf dieser Welt, das einen solchen Vorwurf noch nie erlebt hat. Und es gibt wohl auch keines, dass diesen Spruch nicht gehasst hätte. Zurecht, denn er ist anmaßend und schlichtweg nicht wahr. Das Bild der Jugendlichen in der Gesellschaft ist kein schönes: Jugendliche werden als respektlos, leicht beeinflussbar, impulsiv, egoistisch und leichtsinnig dargestellt.
    „Die Kinder von heute sind Tyrannen. Sie widersprechen ihren Eltern, kleckern mit dem Essen und ärgern ihre Lehrer“
    Kennst du das Zitat? Wer nun glaubt, dass diese Aussage aus den letzten Jahren oder Jahrzehnten stammt, der irrt. Diese Erkenntnis stammt von niemand geringerem als Sokrates, der in der Zeit von 470-399 v.Chr. gelebt hat. Ja, Jugendliche geben durchaus Versuchungen nach und testen ihre Grenzen, sie sind auf der Suche nach ihren eigenen Werten und treffen dabei vielleicht auch nicht ganz so kluge Entscheidungen. Als Eltern ist es wichtig, dass du dieses sich-selbst-finden nicht als Angriff auf dich und deine Erziehung siehst. Vielmehr handelt es sich, laut dem Familientherapeuten und Buchautoren Jesper Juul, um Dinge, die die Jugendlichen tun, um sich selbst zu finden. Helfen können Eltern dabei, indem sie ihrem Kind vertrauen. Vertrauen bedeutet dabei nicht, dass Kinder alles tun, was die Eltern ihnen beigebracht haben und das unterlassen, was die Eltern als falsch erachten. Vielmehr bedeutet Vertrauen, dass Eltern ihren Kindern zugestehen, eigene Entscheidungen zu treffen und die Gewissheit, dass das Kind zu dem Menschen werden wird, der es gerne sein möchte. Das wiederum geschieht laut Juul auf dem Fundament, das Kinder in ihrem Elternhaus und von ihren Bezugspersonen über all die Jahre der Kindheit erfahren haben.

    Nimm mich ernst!

    Jugendliche sind auf dem Weg herauszufinden, wer sie sind. In diesem Vorhaben wollen sie ernst genommen werden und brauchen dennoch ihre Freiheit. Unterstützen können Eltern ihr Kind, wenn sie sich auf diese Entwicklung einlassen. Die Jugendlichen haben sich mit dem Beginn der Pubertät von der Welt, die sie bis dahin kannten, abgekapselt und schaffen sich nun eine neue. Wen sie in dieser Welt begrüßen und willkommen heißen, liegt allein bei den Jugendlichen selbst. Doch auch, wenn dein Kind dich aktuell nicht in seine Welt einlädt: Bleib in Kontakt mit deinem Kind. Biete ihm immer wieder ein vertrauen- und liebevolles Ohr an, sei da für dein Kind und unterstütze es in seinem Tun. Begleite es auf seinem Weg ins Erwachsenenleben, doch tu das auf Augenhöhe, nicht mehr in der Rolle als Elternteil.

    Mein Kind spinnt!

    Im Winter ohne Jacke aus dem Haus gehen? Die Musik so laut aufdrehen, dass die gesamte Straße etwas davon hat? Statt mit Freunden zum Shoppen mal eben zum Piercer gegangen? Das kann in der Jugend schon einmal vorkommen. Doch bevor du ausflippst und deinem Kind für den Rest deines Lebens Hausarrest verpasst, halte einen Moment inne. Einen klitzekleinen Moment. Lehn dich zurück, schließe die Augen und dann erinnere dich einmal an deine eigene Jugend. Hast du vielleicht auch den einen oder anderen Mist gebaut? Hast du vielleicht trotz aller Renovierungsprozesse in deinem Hirn damals richtige Entscheidungen getroffen? Atme tief durch und vertrau deinem Kind. Es wird, wahrscheinlich wie du selbst ebenfalls, nicht nur richtige Entscheidungen treffen. Aber es wird aus diesen falschen Entscheidungen, wahrscheinlich wie du selbst ebenfalls, lernen.

    Pubertät nicht schlimmer als andere Entwicklungsphasen

    Zum Abschluss noch eine beruhigende Info: Forscher haben herausgefunden, dass die Streitigkeiten und Kämpfe, die Eltern mit ihren Kindern während der Pubertät erleben, nicht häufiger stattfinden als in anderen Entwicklungsphasen. Was anders ist, ist die Intensität. Besonders dann, wenn die Beziehung zwischen Eltern und Kind besonders innig ist, werden die Kämpfe im Jugendalter als besonders schlimm wahrgenommen.
    „Wenige von uns sind sich bewusst, wie nah wir unseren Kindern wirklich sind – bis wir sie an die Pubertät verlieren.“ (Michael Bradley, amerikanischer Psychologe)
     
  • Cybermobbing – was kannst du tun?

    Spätestens seit Zeiten des Home-Schoolings und des Home-Office ist Cybermobbing jedem ein Begriff. Cybermobbing ist das bewusste und dauerhafte Ausgrenzen einer einzelnen Person aus einem geschlossenen Kreis wie etwa der Schulklasse oder der Abteilung im Job. Die Vorgehensweisen sind dabei ähnlich wie beim Mobbing, sie können allerdings rund um die Uhr und vollkommen ortsunabhängig stattfinden. Auch sind online getätigte Aussagen für viel mehr Menschen einsehbar und nur schwerer wieder aus dem Internet-Orbit zu entfernen. Diffamierende Bilder etwa verbreiten sich in Windeseile und können kaum mehr endgültig gelöscht werden. Die Betroffenen werden immer jünger, die Auswirkungen bleiben die gleichen.

    Cyberlife III Studie vom Bündnis gegen Cybermobbing

    Die im Jahr 2020 vom Bündnis gegen Cybermobbing bereits zum dritten Mal durchgeführte Studie Cyberlife III bringt klare Ergebnisse ans Licht: Schon in der Altersgruppe der 6- bis 12- jährigen sind 40% der Kinder regelmäßig in sozialen Netzwerken wie facebook unterwegs. Dass viele dieser Netzwerke eine Altersbeschränkung haben, WhatsApp etwa ist an ein Mindestalter von 13 Jahren geknüpft, wird ignoriert. Kein Wunder also, dass auch die Zahl der Kinder und Jugendlichen steigt, die bereits in jungen Jahren mit Cybermobbing in Berührung kommen. Seit 2017 ist die Zahl derjenigen auf 17,3 % gestiegen. Das bedeutet, dass fast zwei Millionen Schulkinder bereits mit Cybermobbing in Kontakt gekommen sind.

    Cybermobbing bei Kindern

    Die Verlagerung der sozialen Kontakte sowie des Schulalltags in den letzten Monaten ins Onlineleben tragen ihren Beitrag zu dieser Entwicklung bei, schon in Grundschulklassen geht es los. Erschreckend dabei ist der Anstieg der Betroffenen, die von gravierenden Folgen berichten. In den letzten drei Jahren ist die Anzahl der Betroffenen, die Suizidgedanken äußerten, um 20 % gestiegen. Die Anzahl derjenigen, die sich mit Hilfe von Tabletten oder Alkohol aus der Situation herausflüchten wollten, sogar um 30 Prozent. Diese Zahlen beziehen sich ausschließlich auf von Cybermobbing betroffene Kinder und Jugendliche.

    Was ist Mobbing eigentlich?

    Cybermobbing wird definiert als die Belästigung, Nötigung, Bedrängung und Verleumdung anderer Menschen mit Hilfe elektronische Kommunikationsmittel. Mobbing an Schulen ist das systematische Ausgrenzen einer Schülerin oder eines Schülers über einen längeren Zeitraum. Beim Mobbing, so auch beim Cybermobbing, herrscht ein Machtungleichgewicht. Das bedeutet, dass durch die Anzahl der Beteiligten eine Seite – die des Opfers – deutlich weniger mächtig ist als die Täterseite. Während das Mobbing im echten Leben nach Schulschluss automatisch ein Ende findet, ist das Cybermobbing rund um die Uhr möglich. WhatsApp-Gruppenchats und die Nutzung sozialer Netzwerke machen das möglich. Auch müssen sich beide Parteien nicht mehr am gleichen Ort befinden. Konkrete Mobbinghandlungen können etwa das unerlaubte Onlinestellen eines Fotos sein, aber auch das nicht einladen zu einer Veranstaltung, bei der alle anderen anwesend sind. Offensichtlicher wird es, wenn im Klassenchat kollektiv gegen jemanden gehetzt wird. Die häufigsten Cybermobbing-Taten sind Beleidigungen und Beschimpfungen, gefolgt von Gerüchten und Verleumdungen.

    Folgen von Cybermobbing

    Neben den gravierenden Folgen der Suizidgedanken oder des Drogenkonsums hat Cybermobbing auch weitere Auswirkungen. Allen voran stehen hier eine bedrückte Stimmung und ein Leistungsabfall in der Schule. Häufiges Fehlen im Unterricht und Konzentrationsprobleme sind ebenso auf das Mobbing zurückzuführen wie Angst und Wut. Orte, an denen gemobbt wird, wollen vermieden werden. Daher sollten sowohl Eltern als auch Lehrkräfte bei Auftreten von ungewöhnlich hohen Fehlzeiten hellhörig werden. Das gleiche gilt auch in der Arbeitswelt.

    Cybermobbing in Schulen – wie sehen es Eltern und Lehrkräften?

    Während sich beim Mobbing Opfer und Täter in der Regel am gleichen Ort befinden und so Gesicht zeigen müssen, kann sich der Täter beim Cybermobbing in der Anonymität des Internets verstecken. Das fördert in der Wahrnehmung vieler Eltern auch die Gewaltbereitschaft. Die Eltern selbst, wenn sie denn überhaupt vom Mobbing an ihrem Kind erfahren, fühlen sich häufig überfordert. Dass Eltern mit dem Cybermobbing überfordert sind, zeigt eine der häufigsten Reaktionen. Und diese Reaktion der Eltern ist fatal: Anstatt mit dem Kind oder dem Jugendlichen vertrauensvoll über das Mobbing zu sprechen, werden sie bestraft, indem ihnen der Zugang zu den Endgeräten verwehrt wird. Das ist oftmals ein redlicher Gedanke, führt in der Realität aber häufiger dazu, dass Eltern nichts vom Cybermobbing erfahren, aus Angst davor, dass das Handy oder der PC dann nicht mehr genutzt werden dürfen. Die Überforderung liegt mitunter daran, dass in den Schulen kaum Prävention und Aufklärung angeboten wird. Die Lehrkräfte sehen das ähnlich. Die Opfer von Cybermobbing werden immer jünger. Die Folgen immer gravierender. Dr. Jens Baas, der Vorstandsvorsitzende der TK, berichtet von Angst, Schlafstörungen und Depressionen als Folgen – genauso wie bei allen anderen Mobbingarten. Dass dabei vor allem die sowieso schon emotional besonders verletzlichen Kinder und Jugendlichen auch Jahre später noch an Folgen leiden, ist laut seiner Aussage keine Seltenheit.

    Reaktionen auf und Hintergründe von Cybermobbing

    Kindliche und jugendliche Opfer von Cybermobbing reagieren in 61% der Fälle verletzt, 53% jedoch mit Wut. Dass sich bei ihnen im Laufe der Zeit die Opfer-Täter-Dynamik wandeln könnte, ist möglich. Cybermobbing wächst – Corona verstärkt dieses Wachstum noch. Durch die Umstellung von Präsenz- auf Distanzunterricht in den Schulen und die geltenden Kontaktbeschränkungen verlagern sich die sozialen Kontakte immer mehr ins Internet. Tragisch dabei ist, dass die Täter bei Cybermobbing kaum sanktioniert werden und häufig mit ihren Schikanen ungestraft davonkommen. Hier könnte Prävention Abhilfe schaffen. Kinder und Jugendliche können mit den technischen Gegebenheiten des Internets und der Endgeräte oftmals intuitiv umgehen, ihre Medienkompetenz hingegen ist weniger ausgeprägt. Angebote, die den Umgang miteinander in den sozialen Netzwerken vermitteln sowie den Klassenzusammenhalt stärken, können an dieser Stelle viel bewirken.

    Handlungsempfehlungen vom Bündnis gegen Cybermobbing

    Bereits stattfindende Präventionsarbeit muss nicht nur verstärkt werden, sondern bereits in den Grundschulen angeboten werden. Dazu gehört nicht nur der soziale Umgang im Internet für die Kinder, sondern auch eine optimierte Lehrkraftfortbildung. Auch sollten die Eltern wissen, was ihr Nachwuchs im Internet tut und wie sie dabei unterstützen können. Sie sollten die Inhalte und Funktionsweisen der jeweiligen Netzwerke ihres Kindes kennen und wissen, auf welchen Plattformen ihr Nachwuchs unterwegs ist. Befähigen können sich Lehrkräfte und Eltern mit Hilfe externer Experten, die sich mit dem Thema befassen und umfangreich aufklären können. Letztlich ist auch die Politik gefragt, ein Gesetz gegen Cybermobbing ins Leben zu rufen. In Österreich etwa existiert ein solches bereits seit 2016.

    Rechtslage bei Cybermobbing

    Während andere Länder in diesem Bereich schon weiter sind, handelt es sich in Deutschland bei Cybermobbing ebenso wie bei Mobbing um keine anerkannte Straftat. Einzelne Handlungen aber sind durchaus strafbar. Das belegen zahlreiche Gerichtsurteile aus den letzten Jahren, in denen die Täter zu teilweise sehr hohen Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafen verurteilt worden sind. Möglich ist die Verfolgung eines Straftatbestands jedoch nur dann, der Betroffene aktiv eine Anzeige vornimmt und Beweise gesichert sind. Daher ist es ratsam, alles, was im Rahmen des Cybermobbings passiert, zu sichern: Dateien speichern, Screenshots machen und Accounts nach Möglichkeit nicht löschen. Auch ein Mobbing-Tagebuch ist hilfreich. Nicht nur, dass sich die Betroffenen darin alles von der Seele schreiben können, es dient auch als Gedankenstütze. Verhandlungen finden oftmals in großem zeitlichem Abstand zur Anzeige statt, so dass es gut ist, wenn sich der oder die Betroffene die Situationen nochmals in Gedächtnis zurückholen kann. Im besten Fall werden daher nicht nur die Situationen beschrieben, sondern auch die Namen aller Beteiligten, der konkrete Ort, die genaue Uhrzeit und auch das empfundene Gefühl notiert. Wenn du selbst mit Kindern zu tun hast, als Elternteil oder als Fachkraft, kannst du bereits ab einem Alter von etwa 10 oder 11 Jahren auf die rechtlichen Konsequenzen hinweisen, die auf die Kinder zukommen könnten, wenn sie selbst zum Mobbenden werden. Spätestens ab einem Alter von 14 Jahren sind sie deliktfähig und ihre Taten können geahndet werden.

    Schnelle Tipps bei (Cyber-)Mobbing

    Bist du oder dein Kind aktuell von Cybermobbing betroffen, versuche den Mobbenden nicht mit logischen Argumenten auf die ausgeübten Taten anzusprechen. Das führt eher zu einer noch höheren emotionalen Belastung deinerseits als zu einer Klärung. Wenn du es nicht schaffst, es zu ignorieren, versuche es mit sachlichen Argumenten. Weise auf die Straftaten hin, die begangen werden, anstatt auf die Emotionen, die das Mobbing in dir oder deinem Kind auslöst. Im Online-Bereich gibt es die Funktion des Blockierens. Du kannst das gesamte Profil des Schikanierenden sperren und bekommst so keine Nachrichten mehr. Das hilft häufig jedoch nur kurzfristig und erschwert eine etwaige Beweissammlung. Handelt es sich in der Mobbingsituation um dein Kind, dann versuch nicht, die Situation als Eltern zu klären. Wenn du das für dein Kind übernimmst, bietest du damit direkt einen weiteren Angriffspunkt. Es kommt vor, dass vormalige Opfer zu Tätern werden. Sprich auch da mit deinem Kind drüber – über die Konsequenzen und vor allem über Alternativen, mit der Situation umzugehen. Biete deinem Kind zuhause einen sicheren Hafen. Höre deinem Kind zu und achte schon auf kleine Wesensveränderungen. Nimm dein Kind in den Arm und zeige auf, dass es sich bei den Mobbingtaten der anderen um deren Meinung handelt, die dein Kind aber keineswegs annehmen muss. Zeige deinem Kind, was es alles kann und besinnt euch gemeinsam darauf, wer aus seinem Umfeld es alles lieb hat und zu schätzen weiß.

    Auch zahlreiche Erwachsene von Cybermobbing betroffen

    Die Cyberlife III- Studie konzentriert sich auf Kinder und Jugendlichen in Schulen, Erwachsene sind aber nicht automatisch vor derartigen Angriffen gefeit. Auch bei ihnen sind Veränderungen hinsichtlich ihrer Lebensqualität, ihrer psychischen Gesundheit und der Stimmungslage eine häufige Folge. Diese äußern sich bei Erwachsenen durch vermehrte Krankmeldungen und Arbeitsunfähigkeit bis hin zur Kündigungsbereitschaft.   Wenn du Unterstützung in den Mobbingprävention oder dem Umgang mit Mobbing für deine Schulklasse oder deine Familie benötigst, melde dich gerne.
  • Entspannt als Ein-Eltern-Familie – so gelingt es in 4 Schritten

    Wer ärgert sich manchmal über seine:n Ex? Wer wünscht sich, dass das Verhältnis zueinander entspannt ist? Wer sich manchmal in seinem Alltag mit den Kindern überfordert? Wer befindet sich manchmal an seiner Belastungsgrenze? In Deutschland leben 8 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern. 19% davon sind Ein-Eltern-Familien. 90% der Alleinerziehenden sind Mütter. Und fast alle von ihnen fühlen sich mindestens hin und wieder mental überfordert, entspannt sind sie schon lang nicht mehr. Doch es gibt Möglichkeiten, deine Anspannung aus der Unzuverlässigkeit deines Ex-Partners herauszunehmen und dich so häufiger entspannt zu fühlen.

    Einheitliche Erziehungsmethode adé – entspannt geht trotzdem

    Nach einer Trennung gestaltet sich die Erziehung des Kindes häufig noch schwieriger als zuvor. Während man als Paar noch versucht einen gemeinsamen Nenner zu finden und in eine Richtung zu gehen, möchten nach einer Trennung beide Elternteile ihr Ding durchziehen. Das kann an die Substanz gehen. Muss es aber nicht. Der erste Schritt auf deinem Weg zu einem entspannten Alleinerziehenden ist das Loslassen. Das Loslassen des Gedankens, dass ihr beide die gleichen Regeln aufstellen müsst, dass ihr beide die gleichen Werte vermitteln müsst. Schön – und entspannt – wäre es, natürlich. Aber einen Streit und damit deine Energie sollte es nicht wert sein. Denk doch mal an Oma & Opa, die Kita oder Schule deines Kindes und seine Freunde und deren Eltern. Wo auch immer dein Kind seine Zeit verbringt, es weiß ganz genau, wo welche Regeln gelten, es weiß genau, wo es was darf und woran es sich zu halten hat. Das schafft das Kind auch bei Mama & Papa!

    Entspannt bleiben – lass dich nicht provozieren!

    Frisch getrennte Eltern, manchmal aber auch noch Jahre nach dem Ende der Beziehung, neigen gern dazu, sich gegenseitig schlecht zu machen, sich zu erpressen oder sich anderweitig zu provozieren. Wenn sich der eine nicht wie gewünscht verhält, untersagt der andere den Kontakt zu den Kindern oder ähnliche Aussagen sind in solchen Fällen keine Seltenheit. Ein entspanntes Miteinander ist in dieser Situation nicht möglich. Lass dich auf derartige Spiele nicht ein. Sei klar und deutlich in deiner Kommunikation, halte Absprachen am besten schriftlich fest und ziehe in schwierigen Situationen notfalls außenstehende mit in die Gespräche ein.

    Bleib entspannt – du wirst deine:n Ex nicht ändern

    Eine weitere Option zu mehr Entspannung als Alleinerziehende:r ist die Erkenntnis, dass du deine:n Ex nicht ändern wirst. Was auch immer er oder sie sagt, tut und auch nicht tut, liegt nicht in deiner Hand. Wenn du dich aber darüber ärgerst, raubt es dir Energie. Energie, die du für andere, für wichtigere Dinge benötigst. Nimm den Charakter des anderen entspannt an und steht darüber.

    Entspannt bleiben – ärgere dich nicht über etwas, das du nicht ändern kannst

    Die Schlussfolgerung daraus ist also: Ärgere dich nicht über Dinge – und Menschen – , die du nicht ändern kannst. Was auch immer dein:e Ex, tut, lass ihn oder sie machen. Wenn die Umgangspflichten nicht wahrgenommen werden oder die Zahlungsmoral beim Unterhalt zu wünschen übrig lässt, hole dir professionelle Unterstützung anstatt deine wertvolle Energie dafür aufzubringen. Diese Zeit kannst du besser in schöne Erinnerungen mit deinem Kind investieren – das entspannt zusätzlich.

    Entspannt genießen – verabschiede dich vom alles-ist-unfair-Gedanken

    Eine Trennung ist niemals schön. Eine Trennung mit Kind ist zudem meist unglaublich schwierig. Denn jeder der sich trennenden Erwachsenen fühlt sich benachteiligt: Der eine muss aus der Wohnung ausziehen, der andere muss in dem vorher gemeinsam bewohnten Zuhause einen Neubeginn schaffen. Der eine hat viel Zeit mit den Kindern, der andere hat viel Zeit für sich. Der eine hat kaum Anteil am Alltag des Kindes, der andere hat kaum Zeit für sich. Finanziell sieht es bei beiden nicht rosig aus, doch sehen tut jeder nur seine Seite. Das Kind steht dabei mittendrin. Es versteht die Welt nicht mehr und es bekommt von beiden Elternteilen die Anspannung mit. Das kannst du ändern, indem du deine neue Situation annimmst. Richte deinen Fokus auf das Wohl des Kindes aus, deines Kindes. Das Kind kann nichts für die Trennung, die Streitigkeiten oder das an den Tag gelegte Verhalten. Dein Kind möchte Sicherheit, Liebe und … Eltern. Fokussiere dich auf dein Kind und die guten Seiten deines Elternparts. Wenn du dabei Unterstützung benötigst, begleite ich dich gerne im Rahmen eines individuellen Familiencoachings auf deinem Weg zu einem entspannten alleinerziehenden.

    Und bis dahin:

    Lass den Gedanken an eine gemeinsame Erziehung los! Lass dich nicht provozieren! Ärgere dich nicht über deine:n Ex! Fokussiere dich stattdessen auf dich und dein Kind und denk daran:
    Alleinerziehend zu sein bedeutet nicht nur doppelt Arbeit, Stress & Tränen, alleinerziehend zu sein bedeutet auch doppelt so viel Küsschen, Umarmungen & Liebe!
  • Quality time – Zeit miteinander sinnvoll nutzen

    Immer mehr Dinge haben wir zu tun, immer mehr Dinge sehen wir als selbstverständlich an und lassen sie daher einfach so neben uns herlaufen. Dazu gehören erschreckender Weise auch Partnerschaften und Kinder.

    Was aber können wir tun, wenn wir doch so viel zu tun haben?

    Menschen, die rund um die Uhr beschäftigt sind, die keine Zeit mehr für Freundschaften, die Beziehung oder die Familie haben, werden sich sicher häufig fragen, wie sie das ändern können. Die Antwort ist so einfach und dennoch so schwer umzusetzen: Quality Time. Der in den 1970ern geprägte Begriff stammt aus den USA und beschreibt qualitativ gut miteinander verbrachte Zeit. Der Begriff sagt nichts über die Dauer des Zusammenseins aus, stattdessen aber über die Intensität.

    Wie verbringe ich qualitative Zeit mit meinem Partner?

    Wenn eine Beziehung unter dem Dauerstress leidet, sich die Partner schon begonnen haben auseinander zu leben oder sich die Partner so gut wie gar nicht mehr zu Gesicht bekommen, ist es an der Zeit, dass Zeit miteinander bringen. Qualitätszeit. Das kann ein geplantes Abendessen im Lieblingsrestaurant sein, ein Ausflug am Wochenende oder aber auch nur ein gemeinsames Glas Wein am Abend vor dem Schlafengehen. Wichtig ist dabei lediglich, dass sich wirklich beide nur um sich als Paar kümmern. Handy aus, Kinder ins Bett oder bei den Großeltern übernachten und die geschäftlichen Gedanken im Büro lassen – es geht während dieser Stunden allein um das Paar. Sich wieder nur aufeinander zu konzentrieren – auch, wenn es nur ein paar Stunden pro Woche sind.

    Quality Time mit dem Nachwuchs

    Auch Kinder brauchen Zeit, in der Eltern nur ganz allein für sie da sind. Bei mehreren Kindern sollten mehrere Zeitspannen für die Qualitätszeit eingeplant werden. Außerdem noch Zeit als Familie – alle Familienmitglieder nehmen daran teil. Etwa bei einem Ausflug. Oder ein gemeinsames Essen mit anschließendem Spieleabend. Darüber hinaus sollte allein Zeit mit jedem Kind verbracht werden. Positiver Nebeneffekt: Der andere Elternteil hat während dieser Zeit Gelegenheit, etwas für sich selbst zu tun. Außerdem wird diese Zeit allen Beteiligten guttun und die Beziehung festigen.

    Wie oft sollte man sich die Zeit nehmen?

    Natürlich ist hier, wie in vielen anderen Bereichen auch, die Devise: je öfter, desto besser. Wichtiger als die Häufigkeit ist jedoch die Intensität. Es ist besser, sich zwei Stunden pro Woche wirklich zu 100 Prozent nur miteinander beschäftigen, als dass sich täglich halbherzig eine Stunde Zeit nehmen, in dieser aber dennoch über das Geschäft oder Probleme nachgedacht wird.

    Wie nutzt du deine Quality time mit deinen Liebsten?

  • Kinder – Warum ich das Arbeiten mit ihnen so liebe

    Kinder sind etwas ganz Wunderbares. Sie zeigen uns oft eine Welt, die wir Erwachsenen bereits vergessen haben. Sie sind unbedarft, fröhlich und haben noch k(l)eine Päckchen zu tragen. Zumindest sollte das so sein. Immer häufiger aber kommt es vor, dass schon Kinder eine Last mit sich herumschleppen, die sie noch nicht tragen können. Oftmals geht es dabei um Trennungen der Eltern oder Mobbing. Wusstest du, dass Mobbing von Kindern in Grundschulen häufiger vorkommt als in weiterführenden Schulen? Verrückt, oder? Und genau bei diesen nicht mehr kleinen Päckchen setzt meine Arbeit an.

    Wie coache ich Kinder?

    Eine meiner Haupttätigkeiten im Coaching mit Kindern sind Gruppenkurse. Aktuell lediglich online, eigentlich aber als Präsenzkurse konzipiert, geht es in diesen Kursen vor allem darum, den Kindern Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Selbstliebe zu vermitteln. Geeignet sind diese Kurse für Kinder ab 5 Jahre, als etwa Vorschulalter. Spielerisch und altersgerecht lernen die Kinder in den Gruppenkursen Techniken und Methoden, wie sie sich vor Beleidigungen schützen können, was sie tun können, wenn ihnen jemand etwas wegnimmt oder wie sie sich richtig Hilfe holen. Sie lernen, ihren Gefühlen und damit sich selbst zu vertrauen und sie werden sich ihrer eigenen Stärken bewusst und wissen, wie sie sowohl diese als auch ihre Schwächen für sich nutzen können. Diese Gruppenkurse werden von Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen oder Schulanschlussbetreuungen gebucht, momentan biete ich vorwiegend offene Kurse an, die die Eltern in der Freizeit der Kinder buchen. In beiden Varianten biete ich zudem Elternabende an. Hierbei gebe ich Tipps, wie die Eltern ihr Kind zuhause bestmöglich in der Umsetzung des Gelernten unterstützen und begleiten können.

    Einzelcoaching mit Kindern

    Ein kleinerer, aber mir der allerliebste, Teil meiner Arbeit ist das Einzelcoaching. Das kommt zum Einsatz, wenn die Thematik in der Familie oder bei dem Kind individueller ist oder einer konkreten Anleitung bedarf. Wie der Name schon sagt, arbeite ich nur mit einem Kind oder einer Familie zusammen. Ganz individuell und bedarfsorientiert. Ihre persönlichen Herausforderungen werden konkret angegangen. Hierfür sollte das Kind schon ein bisschen älter sein – ab etwa 7 Jahren ist ein Einzelcoaching möglich, in Ausnahmen auch bei jüngeren Kindern. Kinder sind wissbegierig – auch im Coaching Kinder wollen die Welt entdecken! Alles hat für sie einen Zauber, alles ist spannend, alles wollen sie genau betrachten. Es sind wir Erwachsenen, die ihnen das quasi abtrainieren. Dadurch, dass wir keine Zeit haben, zur Eile aufrufen oder es uns schlicht langweilt, eine gefühlte Ewigkeit am Straßenrand einen Regenwurm zu beobachten. Eile und Multitasking sind die Basis unseres Lebens, Konzentration auf nur eine Sache – und da gehören leider auch häufig die Kinder dazu – ist seltener geworden. Wenn ich mit Kindern arbeite, gehört diese Zeit nur den Kindern oder dem einzelnen Kind. Ich lasse sie erzählen, höre ihnen zu und urteile nicht über ihre Worte. Sie dürfen mir ihre Sicht der Dinge erzählen, sie dürfen offen und ehrlich all ihre Gedanken und Gefühle mitteilen. Das ist für das Kind oft eine neue Situation und nicht selten wird sie zur Herausforderung. Doch wenn das Kind einmal Vertrauen gefasst hat und merkt, dass die Techniken tatsächlich funktionieren, kann es die nächste Stunde meist gar nicht mehr abwarten, um mir davon zu erzählen.

    Mein liebstes Coaching-Tool bei der Arbeit mit Kindern

    Coaching-Methoden und Techniken gibt es zuhauf. Namen dazu noch viel mehr. Meine liebste Methode im Coaching, sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen sowie in Unternehmen und Familien gleichermaßen, ist genau genommen eine Kombination aus zwei Techniken. Die eine kenne ich unter dem Namen „future pace“, die andere unter der Bezeichnung „Zeitlinien“. Beim future pace arbeite ich mir einer hypothetischen Fragestellung. Ich erfrage die Gefühle, die das Kind haben wird, wenn es sein Ziel bereits erreicht hätte. Damit möchte ich das Kopfkino aktivieren und das Kind zur Umsetzung motivieren. Die Zeitlinien bedienen sich einer sehr ähnlichen Vorgehensweise: Gedanklich fliege ich mit dem Kind zweimal in die Zukunft. Einmal in eine Zukunft, wenn es morgen alles genauso weitermacht wie es das bis heute getan hat. Ich lasse das Kind sich richtig in diese Zukunft einfühlen bevor ich es wieder ins Hier und Jetzt hole. Wie bei Charles Dickens Weihnachtsgeschichte kommt dann aber noch die zweite Zukunft. Die Zukunft, die das Kind erleben wird, wenn es heute an seiner Herausforderung etwas ändert und in die Umsetzung geht. Auch in diese Zukunft lasse ich das Kind tief eintauchen, bevor ich die Situation auflöse. Ziel ist auch bei dieser Methodik, das Kind zur Umsetzung zu bewegen. Es soll seine Priorität erkennen und auf Grund derer eine Entscheidung treffen. Durch die zwei unterschiedlichen Zukunftsformen realisiert das Kind, dass seine Entscheidungen von heute wegweisend für die Gefühle in seiner Zukunft sind.

    Mobbing – ein hartes Thema, auch für Kinder

    Eins meiner Kernthemen in der Coaching-Arbeit ist das Mobbing. Kein einfaches Thema, aber da immer mehr Kinder davon betroffen sind, umso wichtiger. Die Arbeit mit Kindern zum Mobbing findet ebenfalls sowohl in der Gruppe als auch einzeln statt. Der Kern ist in beiden Varianten der gleiche: Ich baue mit dem Kind gemeinsam sein Selbstvertrauen und sein Selbstbewusstsein auf, um es in die Selbstliebe zu bringen. Denn erst dann kann das eigentliche Problem, das Mobbing, angegangen werden. Meine liebste Technik-Kombination kommt dabei im Einzelcoaching immer, in den Gruppencoachings bei Kindern eher selten, zum Einsatz. Die Kinder haben in beiden Coachingvarianten Spaß an den Übungen. Sie lachen viel, obwohl die Thematik ja doch eher schwer ist. Sie schlüpfen auch einmal in die Rolle des anderen und merken, was alles in ihnen steckt. Sowohl in einem Kurs als auch in den Einzelcoachings darf ich das Kind über einen gewissen Zeitraum begleiten. Ich darf an seiner Entwicklung teilhaben und sehen, wie es wächst.

    Was macht das Coaching von Kindern so besonders?

    Und genau dieses Wachsen sehen ist der schönste Teil an meiner Arbeit mit Kindern. Erwachsene sind häufig verkopft. Kinder sind wesentlich unbedarfter und oft auch offener. Natürlich haben auch Kinder Respekt vor und nicht immer Lust auf die Umsetzung, doch sind Kinder in der Lage, ihre Priorität schnell und klar festzulegen. Beim Mobbing etwa lautet die: Ich will glücklich sein. Erwachsene finden an dieser Stelle häufig weitere Probleme. Ausreden könnte man auch sagen. Kinder sind da anders. Und sie freuen sich auch anders: Wenn ich mit Erwachsenen eine Herausforderung gelöst habe, freuen sie sich natürlich. Eltern ebenso wie Führungskräfte und Angestellte in Unternehmen. Aber nichts kommt gegen das Gefühl an, dass die strahlenden Kinderaugen mir geben, wenn sie selbst ein so großes Päckchen wie Selbstvertrauen oder Selbstbewusstsein erarbeitet haben.