Schlagwort: erziehung

  • ADHS ist kein Erziehungsfehler: Warum Druck das Verhalten oft verschlimmert – und was Kinder wirklich brauchen

    Manchmal sieht ADHS von außen wie Ungehorsam aus.
    Wie Trotz.
    Wie fehlende Grenzen.

    ⇒ Ein Kind hört nicht zu.
    ⇒ Es vergisst Absprachen.
    ⇒ Es explodiert wegen Kleinigkeiten.
    ⇒ Hausaufgaben dauern Stunden.
    ⇒ Der Morgen endet im Chaos.

    Von außen wirkt es oft so, als würde dieses Kind einfach nicht wollen.

    Doch für viele Familien fühlt sich der Alltag ganz anders an.

    Eltern erklären, erinnern, strukturieren, begleiten – und haben trotzdem das Gefühl, ständig gegen etwas Unsichtbares anzukämpfen. Gegen eine Dynamik, die sich mit klassischer Erziehung kaum beeinflussen lässt.

    Und genau hier beginnt eines der größten Missverständnisse rund um ADHS:

    ADHS ist kein Erziehungsfehler.

    Es ist eine andere Art, Reize zu verarbeiten, Emotionen zu regulieren und Aufmerksamkeit zu steuern.

    Warum ADHS oft wie „schlechte Erziehung“ wirkt

    Viele Verhaltensweisen von Kindern mit ADHS sehen für Außenstehende aus wie mangelnde Disziplin.

    Das Kind:

    ⇒ unterbricht ständig

    ⇒ steht im Unterricht auf

    ⇒ reagiert impulsiv

    ⇒ vergisst Aufgaben

    ⇒ wirkt unkonzentriert

    ⇒ hält Regeln scheinbar nicht ein

    In einem System, das stark auf Selbstkontrolle, Anpassung und Struktur ausgerichtet ist, fällt ein Kind mit ADHS automatisch auf.

    Und sehr schnell entstehen Erklärungen wie:

    ⇒ „Es braucht einfach mehr Konsequenzen.“

    ⇒ „Die Eltern setzen keine Grenzen.“

    ⇒ „Das Kind testet nur seine Möglichkeiten.“

    Diese Deutungen wirken logisch – solange man ADHS als Verhaltensproblem betrachtet.

    Doch ADHS ist kein Problem der Motivation.

    Es ist ein Thema der Regulation.

    ADHS ist ein neurobiologischer Unterschied

    ADHS verändert nicht die Intelligenz eines Kindes.

    Es verändert jedoch, wie das Gehirn Reize verarbeitet und steuert.

    Besonders betroffen sind Funktionen im Bereich der sogenannten exekutiven Funktionen. Dazu gehören unter anderem:

    ⇒ Impulskontrolle

    ⇒ Arbeitsgedächtnis

    ⇒ Aufmerksamkeitssteuerung

    ⇒ Emotionsregulation

    ⇒ Planung und Organisation

    Diese Fähigkeiten entwickeln sich bei Kindern mit ADHS häufig langsamer oder anders.

    Das bedeutet:

    Ein Kind kann durchaus wissen, was es tun sollte –
    und es trotzdem im entscheidenden Moment nicht umsetzen können.

    Das wirkt für Erwachsene oft irritierend.

    Denn das Kind hat die Regel verstanden.
    Es hat die Aufgabe schon einmal geschafft.
    Es weiß eigentlich, was erwartet wird.

    Und trotzdem passiert es wieder.

    Nicht aus Trotz.
    Nicht aus Absicht.

    Sondern weil Regulation im entscheidenden Moment zusammenbricht.

    Wenn Druck auf ein dysreguliertes System trifft

    Viele klassische Erziehungsstrategien basieren auf einem einfachen Prinzip:

    Verhalten wird durch Konsequenzen gesteuert.

    Belohnung verstärkt gewünschtes Verhalten. – Strafen sollen unerwünschtes Verhalten reduzieren.

    Dieses Modell funktioniert gut bei Verhalten, das bewusst gesteuert wird.

    Bei ADHS stößt es jedoch schnell an Grenzen.

    Denn ein dysreguliertes Nervensystem reagiert auf Druck nicht mit mehr Kontrolle – sondern häufig mit noch mehr Überforderung.

    Typische Folgen sind:

    ⇒ stärkere emotionale Ausbrüche

    ⇒ Vermeidungsverhalten

    ⇒ Rückzug

    ⇒ erhöhte Frustration

    ⇒ Konflikte in der Beziehung zwischen Eltern und Kind

    Das Kind erlebt wiederholt Situationen, in denen es nicht leisten kann, was von ihm erwartet wird. Und irgendwann entsteht dadurch ein Gefühl, das viele ADHS-Kinder sehr gut kennen: „Mit mir stimmt etwas nicht.“

    Warum viele Eltern sich trotzdem verantwortlich fühlen

    Wenn ein Kind Schwierigkeiten zeigt, richtet sich der Blick fast automatisch auf die Familie.

    Eltern hören Sätze wie:

    ⇒ „Ihr müsst halt konsequenter sein.“

    ⇒ „Euer Kind braucht klare Regeln.“

    ⇒ „Vielleicht sind eure Grenzen zu weich.“

    Für viele Familien entsteht dadurch ein subtiler Druck. Sie beginnen, ihre eigene Erziehung zu hinterfragen.

    Also probieren sie strengere Regeln.
    Mehr Struktur.
    Mehr Kontrolle.

    Doch wenn das Verhalten des Kindes sich trotzdem kaum verändert, bleibt oft ein Gefühl von Hilflosigkeit zurück.

    Viele Eltern von ADHS-Kindern leisten im Alltag unglaublich viel Begleitung – und fühlen sich trotzdem, als würden sie scheitern.

    Dabei liegt das Problem häufig nicht in der Erziehung.

    Sondern darin, dass das Umfeld die neurologische Realität des Kindes nicht mitdenkt. 

    Verhalten ist oft ein Regulationssignal

    Ein wichtiger Perspektivwechsel besteht darin, Verhalten nicht sofort zu bewerten – sondern zuerst zu fragen:

    Was versucht dieses Verhalten gerade zu regulieren?

    Beispiele aus dem Alltag:

    Ein Kind zappelt ständig.
    → Bewegung hilft, Reize abzubauen.

    Ein Kind reagiert impulsiv.
    → Die Impulskontrolle ist in diesem Moment überfordert.

    Ein Kind bricht bei Hausaufgaben in Tränen aus.
    → Das Arbeitsgedächtnis ist erschöpft.

    Ein Kind wirkt unaufmerksam.
    → Das Gehirn filtert Reize anders.

    Viele dieser Verhaltensweisen sind keine bewusste Entscheidung.

    Sie sind ein Versuch des Nervensystems, Überforderung zu regulieren.

    Beziehung ist kein Ersatz für Struktur – aber ihre Grundlage

    Manchmal entsteht der Eindruck, dass Verständnis für ADHS bedeutet, keine Regeln mehr zu haben.

    Das Gegenteil ist der Fall.

    Kinder mit ADHS profitieren sehr von:

    ⇒ klaren Strukturen

    ⇒ vorhersehbaren Abläufen

    ⇒ verständlichen Regeln

    ⇒ visuellen Hilfen

    ⇒ kurzen, klaren Anweisungen

    Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Haltung dahinter.

    Regeln werden nicht als Druckmittel eingesetzt. Sondern als Orientierung in einem komplexen Alltag.

    Und wenn ein Kind eine Regel nicht einhalten kann, lautet die erste Frage nicht:

    „Warum machst du das schon wieder?“

    Sondern:

    „Was hat es dir gerade schwer gemacht?“

    Diese Haltung verändert oft die gesamte Dynamik zwischen Eltern und Kind.

    Co-Regulation statt Eskalation

    Ein weiterer zentraler Punkt im Umgang mit ADHS ist das Prinzip der Co-Regulation.

    Kinder lernen emotionale Regulation nicht allein. Sie entwickeln diese Fähigkeit im Kontakt mit Erwachsenen.

    Das bedeutet:

    Wenn ein Kind in einem emotionalen Ausnahmezustand ist, hilft es selten, sofort zu erklären, zu diskutieren oder zu ermahnen.

    Das Nervensystem ist in diesem Moment nicht aufnahmefähig für Logik.

    Was stattdessen hilft, ist zunächst Stabilität:

    ⇒ eine ruhige Stimme

    ⇒ Präsenz statt Distanz

    ⇒ kurze, klare Worte

    ⇒ manchmal auch einfach nur Zeit

    Erst wenn das Nervensystem sich wieder beruhigt, wird Reflexion möglich.

    Drei Dinge, die ADHS-Kinder besonders brauchen

    1. Verständnis statt vorschneller Bewertung

    Viele Kinder mit ADHS erleben täglich Rückmeldungen darüber, was sie falsch machen.

    Ein Perspektivwechsel kann enorm entlastend sein.

    Nicht jedes Verhalten ist ein Problem. Manches ist schlicht ein anderes Regulationsmuster.

    2. Strukturen, die unterstützen – nicht überfordern

    Klare Abläufe helfen dem Gehirn, Energie zu sparen.

    Beispiele:

    • feste Morgenroutinen
    • visuelle Wochenpläne
    • kleine statt große Aufgaben
    • Pausen zwischen Anforderungen

    Struktur bedeutet hier nicht Kontrolle. Sondern Orientierung.

    3. Beziehung als sicherer Anker

    Kinder regulieren sich besser, wenn sie sich sicher fühlen.

    Wenn sie wissen:

    • Fehler sind erlaubt
    • Gefühle dürfen da sein
    • Unterstützung ist verfügbar

    Eine stabile Beziehung ist keine „weiche“ Erziehung. Sie ist eine der stärksten Ressourcen für Entwicklung.

    Ein anderer Blick auf ADHS

    Wenn wir ADHS nur als Problem betrachten, konzentriert sich die Aufmerksamkeit automatisch auf Defizite.

    Doch viele Kinder mit ADHS bringen auch besondere Stärken mit.

    Zum Beispiel:

    ♥ Kreativität

    ♥ hohe Sensibilität

    ♥ intensive Begeisterungsfähigkeit

    ♥ ungewöhnliche Lösungswege

    ♥ ein starkes Gerechtigkeitsempfinden

    Diese Fähigkeiten werden oft erst sichtbar, wenn Kinder nicht permanent versuchen müssen, ein System zu erfüllen, das nicht für ihr Nervensystem gebaut ist.

    Was Eltern wirklich hören sollten

    Viele Eltern von ADHS-Kindern hören lange Zeit vor allem Kritik.

    Dabei bräuchten sie oft etwas ganz anderes:

    Entlastung.

    Denn ADHS fordert Geduld.
    Wiederholung.
    Nerven.

    Erschöpfung ist kein Zeichen von Inkompetenz.

    Sie ist ein Signal.

    Eltern regulieren täglich nicht nur ihre Kinder – sondern auch sich selbst.

    Und genau deshalb brauchen Familien nicht mehr Druck. Sondern mehr Verständnis für die Frage: Wie funktioniert dieses Kind wirklich?

    Fazit: ADHS braucht kein perfektes Elternhaus – sondern ein verstehendes Umfeld

    ADHS ist kein Erziehungsfehler.

    Es ist eine andere Art, Aufmerksamkeit, Impulse und Emotionen zu steuern.

    Kinder mit ADHS brauchen keine strengeren Eltern.
    Sie brauchen Erwachsene, die bereit sind, genauer hinzusehen.
    Die Verhalten nicht nur bewerten, sondern verstehen möchten.

    Denn wenn wir beginnen, ADHS nicht als Fehlverhalten zu betrachten, sondern als Regulationsunterschied, verändert sich etwas Entscheidendes:

    Der Blick auf das Kind.

    Und manchmal auch der Blick auf uns selbst.


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  • Dein Bild vom Kind

    Das Bild vom Kind – dabei handelt es sich um einen Fachbegriff aus der Pädagogik. Vor allem in Betreuungseinrichtungen wie Kindergärten oder Schulhorten kommt dieses Bild vom Kind zu Einsatz. Es ist in den pädagogischen Konzepten verankert und stellt daher die Abgrenzung der einzelnen Einrichtung oder eines Trägers zu anderen dar. Aber auch in der privaten Kindererziehung dreht sich alles um das Bild vom Kind. Was Eltern und Großeltern sowie andere Bezugspersonen für ein Bild vom Kind, und später auch für ein Bild vom Jugendlichen haben, beeinflusst ihren Umgang mit ihnen. Im Bild vom Kind beschreibst du, wie du über Kinder denkst, was du ihnen zutraust und welche Fähigkeiten und Kompetenzen du ihnen zuschreibst.

    Wie findest du dein Bild vom Kind heraus?

    Wenn du dein Bild vom Kind definieren möchtest, ist Ehrlichkeit erforderlich. Nimm dir Zeit, um dieses Bild zu definieren. Sorge dafür, dass du ungestört bist und deine Gedanken und Ideen aufschreiben kannst.

    Kinder sind …

    Die erste Überlegung, die du anstellen solltest, ist die Beantwortung der Frage, was Kinder deiner Meinung nach sind. Fühl dich in der Beantwortung vollkommen frei. Es gibt keine falschen Antworten, alle Gedanken, die dir hierzu kommen, dürfen sein. Mögliche Antworten können sein:
    • Kinder sind anstrengend.
    • Kinder sind hilflos.
    • Kinder sind frech.
    • Kinder sind laut.
    • Kinder sind der Sinn des Lebens.
    • Kinder sind unsere Zukunft.
    Kinder können so vieles sein. Schreibe dir alles auf, was sie in deinen Augen sind. Es gibt kein Richtig und kein Falsch.

    Kinder brauchen…

    Im nächsten Schritt beschäftigst du dich damit, was Kinder brauchen. Auch hier schreibst du alle Antworten auf, die dir in den Sinn kommen. Bewerte deine Antworten nicht schreibe sie einfach nur auf. Mögliche Antworten hierauf könnten sein:
    • Kinder brauchen Grenzen.
    • Kinder brauchen Vater und Mutter.
    • Kinder brauchen eine strenge Erziehung.
    • Kinder brauchen andere Kinder.
    Auch auf diese Frage gibt es keine falschen Antworten. Schreib alles auf, was Kinder deiner Meinung nach brauchen. Nun hast du dein Bild vom Kind. Die gleichen Fragen kannst du dir auch über Jugendliche stellen und so herausfinden, ob du zwischen Kindern und Jugendlichen differenzierst.

    Welche Glaubenssätze stecken dahinter?

    Um dein Bild vom Kind anzupassen oder zu prüfen, warum du genau dieses Bild hast, kannst du weitere Schritte gehen. Dafür siehst du dir deine Antworten noch einmal ganz genau an. Lies jede Antwort für sich und überlege, welche Glaubenssätze hinter deinen Gedanken stecken könnten? Ein Glaubenssatz ist eine Regel, die wir als wahr und meist auch als allgemeingültig betrachten. Einige dieser Glaubenssätze bekommen wir von unseren Eltern mit auf den Weg, andere entstehen durch persönliche Erfahrungen. Machen wir mehrmals die gleichen Erfahrungen, entwickeln wir in unseren Gedanken einen solchen Glaubenssatz. Glaubenssätze sind Gedanken wie zum Beispiel:
    • Kinder sind nicht in der Lage Entscheidungen zu treffen.
    • Kinder mit 3 Jahren müssen trocken sein.
    • Kinder müssen hinter ihren Eltern zurückstecken. / Eltern müssen hinter ihren Kindern zurückstecken.
    • Kinder müssen Ordnung in ihren Zimmern halten.
    • Kinder müssen machen, was die Eltern ihnen sagen.
    • Ich kann das eh nicht.
    • Geld verdirbt den Charakter.

    Finde deine Glaubenssätze – wie denkst du über…

    Du kannst über deine Antworten zum Bild vom Kind deine Glaubenssätze erkennen, oder aber dich explizit mit möglichen Glaubenssätzen auseinandersetzen. Dazu benötigst du ebenfalls wieder Ruhe und Zeit, dazu Ehrlichkeit. Dann frage dich, wie du über bestimmte Dinge denkst:
    • Wie denkst du über Geld?
    • Wie denkst du über Beziehungen?
    • Was bedeutet Glück für dich?
    • Was denkst du über die Liebe?
    • Wie denkst du über Alkohol, Nikotin, Drogen, Suchtmittel, Fleischkonsum, etc.?
    Diese Übung kannst du mit jedem beliebigen Begriff durchgehen. Um beim Bild vom Kind und deiner Einstellung zu Kindern oder Jugendlichen zu bleiben, beschränkst du dich auf Begriffe aus dem Familienalltag und der Pädagogik.

    Dein Bild vom Kind finden – das sagt dein Umfeld über dich

    Wenn du all deine Gedanken notiert hast, ist eine weitere Möglichkeit, dein Umfeld zu befragen. Frag deine Familie, deine Freunde, deine Kollegen wie sie dich beschreiben würden. Frage sie, was sie denken, dass dir wichtig ist und wie du ihrer Meinung nach zu den oben genannten Begrifflichkeiten stehst. Nimm ihre Antworten wertfrei und ohne Urteil an. Prüfe anschließend in Ruhe, ob es sich bei diesen Aussagen tatsächlich um deine Eigenschaften und Verhaltensweisen handelt oder vielleicht doch eher um einen Glaubenssatz der befragten Person.

    Wenn´s schmerzhaft wird, bist du nah dran

    Eine weitere Möglichkeit ist zeitaufwändig, aber sehr effektiv. Schreibe die Geschichte deines Lebens. Notiere erst einmal Verhaltensweisen in deinem Stammbaum.
    • Welche Jobs werden typischerweise in deiner Ursprungsfamilie ausgeübt?
    • Welchen Hobbys wird nachgegangen?
    • Wie stehen deinen Verwandten und Vorfahren zu Selbstverwirklichung?
    Gehe nun tiefer und erinnere dich:
    • Wo bist du aufgewachsen?
    • Wie bist du aufgewachsen?
    • Welche Entscheidungen haben dich geprägt?
    • Warum hast du diese Entscheidungen getroffen?
    Auf diese Weise kannst du deine Glaubenssätze herausfinden. Aber es ist ebenfalls möglich (sehr wahrscheinlich sogar), dass du – vor allem bei der letzten Übung – an deine Grenze kommst. Es kann passieren, dass die Erinnerungen schmerzhaft sind. Doch sei dir sicher: Wenn es weh tut, bist du nahe dran an deinen Glaubenssätzen. Wenn du es nicht aushalten kannst, unterbrich. Oder brich ab. Wenn du es aber schaffst, den Schmerz auszuhalten und weiterzumachen, kommst du schon bald zum Kern deiner Glaubenssätze. Glaubenssätze sind übrigens nicht nur negativ. Sie geben uns auch Sicherheit und Halt, einige leisten uns durchaus gute Dienste. Gefunden und aufgelöst werden sollten sie erst dann, wenn sie uns an unserer Entwicklung hindern, uns oder der Beziehung zu unserem Kind schaden.

    Aufgelöste Glaubenssätze ändern das Bild vom Kind

    Hast du Glaubenssätze auflösen können? Dann ist es genau der richtige Zeitpunkt, dein Bild vom Kind noch einmal zu überprüfen. Was hat sich geändert?
  • Wenn Kinder lügen – so verhalten sich Eltern richtig

    Welche Eltern kennen es nicht: Auf die Frage, wer die Süßigkeiten aufgegessen oder das Glas kaputt gemacht hat, kommt die Antwort „ich weiß es nicht“, kurz bevor eine weitere Beteuerung „ich wars nicht!“ folgt. Holt man ein Kind aus dem Kindergarten ab oder empfängt es nach der Schule mit der Frage, wie es denn in der Einrichtung gewesen sei, spielt sich das immer gleiche Szenario ab: Kind weiß es nicht. Außer, Kind ist gut drauf, dann wird diese durchaus sehr komplizierte Frage mit einem kurzen und knappen „gut“, bei Pubertierenden eher „ok“ beantwortet. Dass das Eltern und andere Betreuungspersonen fürchterlich nervt, ist klar. Aber gibt es vielleicht sogar eine Erklärung, warum der Nachwuchs so ist? Waren die Eltern früher, in ihrer eigenen Kindheit, ebenso?

    Lügen gehört irgendwie dazu

    Lügen ist eine unbeliebte Eigenart. Niemand wird gerne angelogen. Doch selbst lügt der Durchschnittsmensch auch sehr häufig. Ob es tatsächlich drei Mal während eines zehnminütigen Gesprächs ist, wie in diesem Artikel beschrieben, ist unwahrscheinlich. Aber häufig ist es dennoch.

    Gründe zu lügen

    Die Gründe für eine Lüge sind unterschiedlich. Sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. Bei Erwachsenen ist die wohl häufigste Lüge das „gut“ als Antwort auf die Frage nach dem aktuellen Befinden. Kinder hingegen sagen häufig nicht die Wahrheit, um einer Strafe zu entgehen. Je kleiner ein Kind ist, desto lustiger kann die Situation für einen Außenstehenden (und sind wir mal ehrlich, auch für den Involvierten) aussehen: Das von Kopf bis Fuß mit Schokolade vollgeschmierte Kleinkind wird gefragt, ob es die Schokocreme genascht habe. Inbrünstig und mit voller Überzeugung ruft es „nein!“ und möchte die Schokoladen-Ärmchen um den Fragenden legen. Ein Grundschulkind wird die gleiche Frage vielleicht auch verneinen. Es wird aber wahrscheinlich darauf achten, dass die Spuren seiner Tat nicht mehr oder zumindest nicht derart offensichtlich zu erkennen sind.

    Mein Kind lügt – wie reagiere ich am besten?

    Wenn Eltern ihr Kind, unabhängig des Alters, bei einer Flunkerei erwischen, sind Vorwürfe und Diskussionen zwar nachvollziehbar, aber nicht sinnvoll. Bestrafungen bringen noch weniger. Denn wenn das Kind eine Strafe fürchten muss, wird es künftig noch häufiger lügen, um diesem Risiko zu entgehen. Nicht immer einfach, aber am effektivsten: die Ursachenforschung. Hinter nahezu jeder Lüge, so klein sie auch sein mag, liegt meist eine Absicht. Ein Leben ohne Lüge gibt es nicht. Auch, wenn sich viele Eltern zum Ziel setzen, dass in ihrer Erziehung absolute Ehrlichkeit herrscht. Die Bremer Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie Karin Hauffe-Bojé erklärt: „Das Spiel mit der Wahrheit gehört zur kindlichen Entwicklung“. Weiter informiert sie, dass Kinder unter vier Jahren, so etwa das schokoladenverschmierte Kleinkind, nicht in der Lage sind, zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden. In ihrer Welt ist es vollkommen normal, dass sie sich Geschichten ausdenken, imaginäre Freunde haben und in ihren Gedanken alles erleben können, wonach ihnen der Sinn steht. Das verschmierte Kind hat in seiner Welt die Schokolade offensichtlich nicht genascht. Auch können kleine Kinder noch keine Konsequenzen abschätzen. Nimmt der Kleinkind dem großen Nachbarskind etwa das Spielzeug weg und wird daraufhin geschubst, so ist sich das Kleinkind seiner Tat nicht bewusst. Es weiß nur noch, dass das andere Kind es geschubst hat. Es lügt für den Betrachter. In seiner kindlichen Welt aber ist seine Geschichte wahr.

    Bewusster Umgang mit der Wahrheit

    Kinder können erst ab dem Vorschulalter bewusst mit der Wahrheit spielen. Eltern kennen solche Situationen wahrscheinlich zuhauf: Das 6-jährige Kind stibitzt sich ein Stückchen Schokolade, grinst Vater oder Mutter an und behauptet, mit dem schönsten Lächeln der Welt und einem klimpernden Augenaufschlag, sie hätten nichts getan. Damit probiert sich das Kind aus. Die Lüge an sich ist nicht schlimm. Zumal sie am Verhalten des Kindes auch deutlich zu erkennen ist. Einen bösen Hintergedanken hat das Kind dabei ebenfalls nicht. Es probiert sich aus. Es sammelt Erfahrungen, was erlaubt ist und was nicht erlaubt ist.

    Eltern sollten sich Gründe bewusst machen

    Psychologen empfehlen Eltern daher, sich zu überlegen, aus welchem Grund ihr Kind gelogen haben könnte. Basiert die Übertreibung in der Geschichte auf einem geringen Selbstwertgefühl oder fühlt sich das Kind benachteiligt? Nicht selten sind es sogar die Eltern, die die entsprechenden Motivationen und Verhaltensweisen unbewusst vorleben und sich dann wundern, wenn ihr Kind ihnen einen Spiegel vorhält. Ein weiterer Grund – bei Kindern, die beabsichtigt lügen, wohl einer der häufigsten – ist die bereits erwähnte Angst vor Strafe. Wenn die Noten schlecht sind, das Lieblingsgeschirr kaputt gegangen ist oder das Fahrrad gestohlen wurde, weil das Kind vergessen hat es anzuschließen – die Situationen sind zahlreich und vielfältig. Mit der Lüge wollen sie sich schützen. Eventuell vor Überreaktionen der Eltern, die sie bereits aus der Vergangenheit kennen oder weil ihnen in ihrem Kopf das Vergehen als sehr viel schlimmer erscheint als es tatsächlich ist.

    Wie reagieren Eltern am besten auf einen kleinen Flunkerer?

    Eltern tun gut daran, das Kind nach einer entdeckten Lüge darauf anzusprechen: „Warum hast du denn nicht die Wahrheit gesagt, als ich dich eben gefragt habe?“ Wenn das Kind dann Angst vor der Wahrheit oder vor den Konsequenzen erwähnt, sollten Eltern ihrem Nachwuchs die Sicherheit geben, dass es alles sagen und erzählen darf. Wenn die Eltern hingegen aufbrausend und laut reagieren, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Kind sich eher nicht traut, in ungünstigen Situationen mit der Wahrheit rauszurücken. Kinder, die die Wahrheit sagen, freuen sich sehr und merken sich das auch für das nächste Mal, wenn sie darin bestätigt werden; wenn sie gelobt werden, dass sie ehrlich waren; wenn ihnen gedankt wird, dass sie in dieser schwierigen Situation ihren Fehler eingestanden und zugegeben haben.

    Das Lügen und seine Konsequenzen

    Dennoch darf dem Kind durchaus vermittelt werden, dass Lügen ein Unding ist und zu Konsequenzen führt. So ist es vielleicht eine Konsequenz, dass das Kind, das nur vorgibt, sich bereits die Zähne geputzt zu haben, künftig nur noch im Beisein eines Elternteils Zähne putzen darf. Das Kind, das immer wieder mit Mitteilungen aus der Schule nach Hause kommt, weil es die Hausaufgaben vergessen hat, muss die erledigten Aufgaben den Eltern vorzeigen. Kinder, die sich mit Lügen durchschummeln möchten, sollten eine stärkere Kontrolle erfahren. Sobald diese Konsequenz gut funktioniert, können die Restriktionen langsam gelockert werden. Das Kind braucht die Gewissheit, dass sich das elterliche Vertrauen erneut aufbauen lässt. Wenn Kinder mit ihren Lügen andere Kinder in Schwierigkeiten bringen, etwa durch Verleumdungen oder Schuldzuweisungen, ist ein ernstes Gespräch erforderlich. Das Kind muss verstehen, dass ein solches Verhalten nicht geduldet wird. Dabei sind Eltern zu Hause, Trainer im Sportverein oder auch Lehrkräfte und Erzieher in den Bildungseinrichtungen gleichermaßen gefragt. Wo gelogen wird, ist unerheblich. Der betreuende Erwachsene zeigt dem Kind dessen Grenzen auf. Dazu gehört auch, dass sich das Kind bei dem zu Unrecht beschuldigten anderen Kind entschuldigt.

    Wie gehst du damit um, wenn deine Kinder dich anlügen?

     
  • Kochen mit Kindern – was können die Kleinen in welchem Alter übernehmen?

    Kinder sind von Natur aus wissbegierig und stecken voller Neugier. „Ich mach“ oder „selbst machen“ ist eine der häufigsten Aussagen im Kleinkindalter. Das gilt fürs Schuhe anziehen ebenso wie fürs Trinken oder Zähne putzen. Kinder wollen unter Beweis stellen, was sie alles schon gelernt haben. Dass das in späteren Jahren dann rapide wieder abnimmt, ist nicht so praktisch. Dennoch sollte die (früh-)kindliche Neugierde unterstützt werden. Auch in der Küche. Natürlich altersgerecht.

    Kleinkinder nicht unbeaufsichtigt lassen

    Einem Kleinkind lässt man natürlich nicht mit einem Filetiermesser hantieren, so sehr das Kind das auch möchte. Doch können auch schon 2-jährige in der Küche mithelfen. Sie können etwa den Tisch für die Brotzeit decken. Aufschnitt und Käse tragen Kinder in diesem Alter voller Stolz vom Kühlschrank zum Esstisch. Auch Butter, Brettchen und Löffel sind für den kleinkindlichen Transport geeignet. Messer und Gabeln sowie Porzellan und Glas sollten Kinder besser erst ein oder zwei Jahre später verantworten. Beim Kochen ist das Kleinkind behilflich, indem es dem kochenden Elternteil etwa die Zutaten reicht oder im Topf – unter vollständiger Aufsicht eines Erwachsenen – umrührt. Sobald aber heißer Wasserdampf oder spritzendes Fett ins Spiel kommt, sollte dies außerhalb der Reichweite kleiner Kinder passieren. Für einen Obstsalat können schon die Kleinen Weintrauben einzeln abtrennen und geschickte Händchen sind vielleicht bereits jetzt in der Lage, Mandarinen zu schälen. Gemeinsam mit einem Erwachsenen waschen Kleinkinder Obst und Gemüse ab. Beim Backen unterstützen die Minis durch Mehl in die Schüssel schütten oder das Kneten von Plätzchenteig.

    Kinder im Kindergartenalter probieren sich aus

    Im Kindergartenalter sind die Kinder überzeugt von ihrem Können. Alles schaffen sie, nichts ist zu schwer. Erwachsene wissen, dass das nicht stimmt. Unterstützen Eltern ihre Kinder aber, Dinge selbst auszuprobieren, werden sie sehen, wie das Kind aufblüht und Spaß daran entwickelt. Mit 3 bis 5 Jahren sind Kinder in der Lage, den Tisch alleine zu decken. Auch das Besteck und Gläser transportieren die begeisterten Helferlein sicher allein. In der Küche selbst übernehmen sie zudem zahlreiche Aufgaben: Mithelfen, den Einkauf im Kühlschrank und der Vorratskammer zu verstauen ist eine Tätigkeit, die Kinder in diesem Alter mit Unterstützung eines Erwachsenen durchaus ausüben können. Auch das Anreichen der zum Kochen benötigten Lebensmittel, etwa der Packung Nudeln und die Tomatensauce, sind zu handeln. Kinder ab etwa 4 Jahren können mit Messern umgehen, wenn sie es von einem Erwachsenen gezeigt bekommen. So kann ein Kindergartenkind wunderbar eine Banane schneiden. Vorausgesetzt, die Erwachsenen verabschieden sich von dem Gedanken gleich großer Stücke. Auch Gurken und Paprika kann das Kind alleine schneiden, ebenso sich sein Brot selbst schmieren. Vielleicht noch mit ein wenig Unterstützung, die aber im Laufe der Zeit mit regelmäßiger Übung abnehmen wird.

    Vorschulkinder als Beiköche

    Wer mit seinem Vorschulkind gemeinsam kocht, hat eine wunderbare Unterstützung. Kinder in diesem Altern schneiden nahezu jedes Obst und Gemüse, benötigen dabei maximal noch Hilfe. Bringen Eltern ihren Kindern den Umgang mit einem Schäler bei, übernimmt viele Vorschulkinder gerne das Schälen von Karotten oder Kartoffeln. Nach wie vor gilt jedoch, dass perfekte Stücke und Scheiben noch nicht erwartet werden dürfen. Das Vorschulkind ist aber dafür in der Lage, das Nudelwasser vorzubereiten, den Milchreis umzurühren oder die Pizza zu belegen (das schaffen viele Kinder schon früher – vor allem, wenn sie hin und wieder naschen dürfen). Auch Backen klappt nun schon gut. Beim Abmessen wird der kleine Mensch wohl noch Hilfe benötigen, dann aber macht das Zusammenpanschen von Mehl, Butter und Eiern einen Heidenspaß. Während bei Rührteig das Kind den Mixer noch nicht unbeaufsichtigt nutzen sollte, wird Keksteig häufig mit einem mächtigen Elan geknetet. Beim Ausstechen von Plätzchen ist es allerdings möglich, dass nach mehreren Blechen die Motivation verloren geht, das liegt aber nicht daran, dass das Vorschulkind es nicht könnte.

    Schulkinder können das

    Sobald ein Kind in die Schule kommt, fühlt es sich mächtig groß. Das ist auch sein gutes Recht, denn ein Kind in diesem Alter hat schon sehr viele Dinge gelernt. So ist es auch fähig, nahezu alle Tätigkeiten rund ums Kochen und Backen zu übernehmen. Einen Braten oder eine mehrstöckige Torte wird eher noch nichts, aber gemeinsam mit einem Erwachsenen ist es durchaus möglich, ein mehr-Gänge-Menü zu kredenzen. Vorweg einen Salat, vom Kind geschnitten und das Dressing gemeinsam angerührt. Anschließend als Hauptgang Lasagne oder Schnitzel mit Kartoffelbrei oder ein Gemüsetopf – das Kind kann vieles. Zum Dessert ein Pudding oder eine Quarkspeise, ein Obstsalat mit Nüssen und Jogurt oder was auch immer sich der kleine Kochheld wünscht. Je älter das Kind wird, desto ausgefallenere Tätigkeiten – wie zum Beispiel den Sonntagsbraten – wird es übernehmen können. Ob es das dann noch will, steht auf einem anderen Blatt Papier.

    Haushaltsarbeiten früh deligieren

    Wenn das Kind schon in jungen Jahren daran gewöhnt ist, gewisse Dinge im Haushalt zu übernehmen, haben die Eltern später weniger Schwierigkeiten, Aufgaben an ihren Nachwuchs zu übertragen. Schon kleine Kinder können helfen, die Spülmaschine auszuräumen oder den Abwasch in die Schränken zu stellen. Auch beim Verstauen von Einkäufen sind kleine Kinder mitunter große Helfer. Vorschulkinder etwa saugen zudem die Wohnung, Schulkinder wischen im Anschluss. Wäsche aufhängen und Müll in die Tonne werfen sind weitere typische Haushaltsaufgaben für Kinder.  

    Welche Aufgaben hast du früher als Kind übernommen? Wenn du Kinder hast: Welche Tätigkeiten werden von ihnen ausgeführt?