Kategorie: Aus der Praxis
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„Die ganze Klasse lachte“ – Warum Wegschauen Mobbing verstärken kann
Während eines Klassengemeinschaftstrainings fiel mir ein Junge auf, der sich konsequent im Hintergrund hielt. Er meldete sich kaum, suchte wenig Kontakt zu anderen und schien darauf bedacht, möglichst wenig Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Als die Klasse später in Kleingruppen arbeiten sollte, wurde schnell deutlich, warum. Mehrere Mitschülerinnen und Mitschüler lehnten es offen ab, mit ihm zusammenzuarbeiten. Einige kommentierten dies mit einem Lachen, andere schlossen sich an. Wieder andere sagten nichts. Der Junge reagierte kaum sichtbar auf die Situation. Es wirkte nicht wie eine überraschende Kränkung, sondern eher wie etwas, das er bereits kannte. Für Außenstehende hätte die Szene wie ein typischer Konflikt unter Jugendlichen wirken können. Tatsächlich zeigte sich hier jedoch eine Dynamik, die in vielen Gruppen vorkommt: die schrittweise Ausgrenzung einer einzelnen Person.
Was dahinter stecktMobbing beginnt selten mit einer großen Eskalation. Häufig entwickelt es sich aus vielen kleinen Situationen, die einzeln betrachtet vielleicht nebensächlich wirken. Ein Kind wird nicht in Gruppen gewählt. Eine Jugendliche wird bei Gesprächen regelmäßig übergangen. Ein Schüler wird immer wieder zum Ziel von Kommentaren, die andere als „nicht so schlimm“ empfinden. Genau darin liegt die Herausforderung: Viele Situationen sind nicht eindeutig. Es gibt nicht immer eine sichtbare Täterin oder einen sichtbaren Täter. Häufig entsteht die Dynamik innerhalb einer Gruppe und wird dadurch aufrechterhalten, dass niemand sie unterbricht. Besonders wichtig ist dabei die Rolle der Zuschauerinnen und Zuschauer. Die meisten Kinder und Jugendlichen möchten nicht bewusst jemanden verletzen. Sie lachen vielleicht mit, weil alle anderen lachen. Sie sagen nichts, weil sie nicht selbst zum Ziel werden möchten. Oder sie reden sich ein, dass es nicht schlimm sei. Für die betroffene Person macht es jedoch einen großen Unterschied, ob jemand widerspricht oder ob alle schweigen. Denn das Schweigen einer Gruppe kann sich anfühlen wie eine Zustimmung. Über längere Zeit können solche Erfahrungen das Selbstbild beeinflussen. Wer wiederholt erlebt, ausgeschlossen oder abgewertet zu werden, beginnt irgendwann nicht mehr nur die Situation zu hinterfragen, sondern sich selbst.
- „Vielleicht bin ich wirklich schwierig.“
- „Vielleicht gehöre ich einfach nicht dazu.“
Genau hier setzt Präventionsarbeit an: Nicht erst dann, wenn ein Konflikt vollständig eskaliert ist, sondern bereits bei den kleinen Momenten, in denen Gruppen lernen können, Verantwortung füreinander zu übernehmen.
Mein Vorgehen im Training
In solchen Situationen ist es selten hilfreich, sofort einzelne Personen herauszugreifen oder Schuldzuweisungen auszusprechen. Das führt häufig dazu, dass sich Beteiligte verteidigen und das eigentliche Thema aus dem Blick gerät. Stattdessen nutze ich die Situation, um die Gruppe gemeinsam auf die Dynamik schauen zu lassen. ⇒ Wir sprechen darüber, was Menschen brauchen, um sich in einer Gruppe sicher zu fühlen. Die Jugendlichen sammeln eigene Gedanken: Respekt, Vertrauen, Zugehörigkeit, Fairness. Anschließend drehen wir die Perspektive um: ⇒ Was passiert, wenn genau diese Dinge fehlen? Dadurch entsteht ein Raum, in dem die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Beobachtungen einbringen können, ohne direkt angegriffen zu werden. Perspektivwechsel sind ein wichtiger Bestandteil meiner Trainings. Die Jugendlichen beschäftigen sich damit, wie eine Situation von außen aussieht, wie sie sich für die betroffene Person anfühlen könnte und welchen Einfluss einzelne Reaktionen haben. Dabei geht es nicht darum, jemanden als „böse“ darzustellen. Vielmehr geht es darum, sichtbar zu machen, dass jede Person in einer Gruppe eine Rolle spielt. Auch Nichtstun ist eine Entscheidung.
Welche Alternativen möglich sind
Viele Gruppen warten zu lange, bevor sie reagieren. Oft kommt die Unterstützung erst dann, wenn die Situation bereits festgefahren ist. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, früher anzusetzen. Ein wichtiger Schritt ist, Beobachtungen von Bewertungen zu trennen. Statt „Ihr mobbt ihn“ kann eine Rückmeldung lauten: „Mir ist aufgefallen, dass er heute mehrfach ausgeschlossen wurde.“ ⇒ Das wirkt weniger anklagend und ermöglicht eher ein echtes Gespräch. Ebenso wichtig ist es, die stille Mehrheit zu stärken. Kinder und Jugendliche brauchen konkrete Ideen, wie sie reagieren können, wenn sie eine ungerechte Situation beobachten. ⇒ Ein einfaches „Das ist nicht okay“ oder „Lass uns das anders machen“ kann bereits eine Veränderung auslösen. Auch Erwachsene können viel bewirken, indem sie nicht nur auf die beteiligten Personen schauen, sondern auf die gesamte Gruppe. ⇒ Wie gehen wir miteinander um? ⇒ Welche Regeln gelten wirklich? ⇒ Und was passiert, wenn jemand diese Regeln verletzt? Gemeinschaft entsteht nicht automatisch. Sie muss entwickelt und gepflegt werden.
Fazit
- Ausgrenzung beginnt oft leise.
- Nicht jede verletzende Situation ist automatisch Mobbing, aber jede wiederholte Abwertung verdient Aufmerksamkeit.
- Der entscheidende Unterschied liegt häufig darin, ob eine Gruppe lernt hinzusehen oder ob sie wegschaut.
Prävention bedeutet deshalb nicht nur, Kindern und Jugendlichen beizubringen, was sie nicht tun sollen. Es bedeutet auch, ihnen zu zeigen, was sie tun können. Denn eine starke Gemeinschaft entsteht nicht dadurch, dass alle gleich sind. Sie entsteht dadurch, dass Unterschiede ausgehalten werden und jeder Mensch seinen Platz haben darf.
Unterstützung für Schulen, Vereine und Gruppen
Ich begleite Schulen, Vereine und pädagogische Einrichtungen mit praxisnahen Trainings zu Klassengemeinschaft, Mobbing- und Cybermobbingprävention, Konfliktlösung und wertschätzender Kommunikation.
Dabei geht es nicht um theoretische Konzepte, sondern um Situationen, die Kinder und Jugendliche tatsächlich erleben.
Weitere Informationen zu meinen Angeboten findest du unter Workshops. Für Schulen, Vereine und Gruppen biete ich individuelle Formate passend zu Bedarf und Zielgruppe an.
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Virtuelle Betriebsversammlung – ein Erfahrungsbericht
Das erste Mal, dass ich einer Betriebsversammlung beiwohnen durfte, war etwa 2013. Ich war als freie Redakteurin in einer großen Münchner AG tätig und die Redaktionsleitung lud die anderen freien Mitarbeiter und mich, nach Absprache mit dem Betriebsratsvorsitzenden, zu dieser Versammlung ein. Das gesamte Podium wurde von den Mitgliedern des Betriebsrates eingenommen, etwa 1.000 Mitarbeiter erschienen, um sich die Informationen anzuhören. Und das allein an diesem Standort, weitere sind international verteilt. Ein für mich sehr imposantes Bild. Ein prägendes Bild. Denn ab diesem Moment fand ich Betriebsratsarbeit unterstützenswert.Betriebsratsarbeit als Fokus
So arbeitete ich mich in die Materie ein und lernte verschiedene Vorgehensweisen von Betriebsräten kennen. Manchen ist ein gutes Verhältnis zum Arbeitgeber das Wichtigste, andere gehen pauschal auf kontra. Die meisten aber sind um ein gutes Verhältnis zum Arbeitgeber bemüht, ohne aber ihre eigentliche Aufgabe aus den Augen zu verlieren. Sieben Jahre später darf ich ein Unternehmen bei ihrer ersten virtuellen Betriebsversammlung begleiten.Spontane Entscheidung zur digitalen Betriebsratssitzung
Die Entscheidung für diese Art der Veranstaltung fällt relativ spontan. Vom Betriebsrat wurde die vorangegangenen Wochen immer wieder erwähnt, dass sich die steigenden Coronazahlen nicht positiv auf eine persönlich abgehaltene Betriebsversammlung auswirken und sie würden als Gastgeber nicht die Verantwortung für dieses Event übernehmen, sollte es eine Präsenzveranstaltung werden. Die Geschäftsführung hingegen hat bis zum letzten Augenblick auf diese Möglichkeit gehofft. Digitalisierung wird in diesem Unternehmen nicht groß geschrieben, zu viel Angst, dass etwas nicht richtig laufen könne. So wurde sich erst Anfang des Jahres im Zuge des Lockdowns überhaupt eingehend mit dem Thema beschäftigt. Der Betriebsrat aber ließ in diesem Fall nicht locker. Bis die Geschäftsführung etwa zwei Wochen vor dem Termin letztlich ihr ok für die virtuelle Variante gab.Wenig Zeit für Digitalisierung
Zwei Wochen sind nicht viel Zeit, um das technisch Notwendige zu arrangieren, wenn das Unternehmen noch in den digitalen Kinderschuhen steckt. Die IT-Abteilung war daher vollkommen ausgelastet. Stattfinden wird das Prozedere via Microsoft Teams. Viele Unternehmen hatten sich während des Lockdowns Anfang des Jahres spontan für eine virtuelle Begegnungsmöglichkeit entscheiden müssen, das Microsoft-Angebot ist aus Datenschutzgründen wohl eines der am häufigsten gewählte. Für einzelne Gespräche oder auch kleine Teamsitzungen ist das Programm, so wie es installiert ist, bestens geeignet. Für den Betriebsrat als Gastgeber einer unternehmensweiten Präsentation hingegen sind die Lizenzen, so wie sie vergeben sind, unzulänglich. Damit ist die IT nun mehrere Tage beschäftigt. Der Testlauf, nur zwei Tage vor dem Termin der Versammlung, verläuft negativ. Viele Einstellungen sind dem Betriebsrat als Veranstalter der Veranstaltung nicht möglich.Hindernisse, Herausforderungen und Baustellen
So können die Gastgeber nicht automatisch alle Teilnehmer auf stumm schalten. Auch eine komplette Untersagung von Kameras für die Teilnehmenden ist nicht möglich. Die Präsentation der vorbereiteten Unterlagen erfolgt ebenfalls nicht ohne Herausforderung, ein Testlauf ist nicht möglich. Entsprechend hoch ist die Nervosität. Die Aufteilung innerhalb des Betriebsrats ist geregelt: Der Vorsitzende wird die Präsentation halten, die Stellvertretung währenddessen den Chat betreuen. Die weiteren Mitglieder behalten die Wortmeldungen im Auge und weisen Redner oder Chatbetreuer gegebenenfalls darauf hin.Spontaner Gastredner
Schon morgens soll die Versammlung beginnen. Spontan kündigt der Vorstand am Vorabend noch Redezeit an. Üblich ist das nicht. Der Betriebsrat hat das Recht, die Geschäftsführung um einen Bericht zu bitten, auch kann diese Bitte seitens der Geschäftsführung oder des Vorstands geäußert werden. Dass aber trotz mehrmaligen Nachfragens und Ablehnens dann spontan am Vorabend doch Redezeit erbeten wird, ist kein Usus. Auch muss es nicht genehmigt werden. Für diesen Fall aber sprechen sich die Mitglieder des Betriebsrats ausnahmsweise für die spontane Zwischeneinlage aus. Aus den beantragten drei Minuten werden schnell zehn. Zudem wird durch die Rede der Anschein erweckt, dass es sich um eine betriebsseitige Veranstaltung handeln würde. Lediglich ein kurzer Dank zum Ende der Versammlung hin geht in Richtung des Betriebsrates.Bad practise
Das ist eine Vorgehensweise, wie man es nicht machen sollte. Zwar wird die Betriebsversammlung, von denen je nach Unternehmensgröße jährlich mindestens drei stattfinden müssen, gerne auch für die obligatorischen Berichte von Geschäftsführung und Vorstand genutzt, dennoch bleibt die Versammlung eine Veranstaltung vom Betriebsrat. Geschäftsführung und Vorstand sind lediglich Gäste. Das sollten die Gäste, der ausschließliche Zuhörer ebenso wie der Gastredner, zu jedem Zeitpunkt respektieren. Ein überschwänglicher Dank an andere Organe eines Unternehmens als den Betriebsrat ist daher fehl am Platz und kann sich im schlimmsten Fall negativ auf das Verhältnis zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung bzw. Vorstand oder Gastredner auswirken. Damit ist niemandem geholfen. Eine gute Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber- und der Arbeitnehmerseite ist oftmals effektiver als zwei kontrahente Lager. Soviel zum Best practise.Fazit
Insgesamt läuft diese Versammlung, besonders unter Anbetracht der technischen Schwierigkeiten im Vorfeld, sehr gut. Mit einer Dauer von über 90 Minuten ist diese Variante auch nicht kürzer als die vergleichbaren Präsenz-Versammlungen der letzten Jahre.Mein Tipp für digitale Konferenzen
Wer zu Zeiten von Corona eine online-Veranstaltung mit vielen Teilnehmern stattfinden lassen möchte, tut sich gut daran, die technischen Gegebenheiten so früh wie möglich zu prüfen und gegebenenfalls nachzujustieren. Wie so oft gilt: Better done than perfect – lieber erledigt als perfekt. Kleine Schwierigkeiten kann es immer geben, auch bei einer Präsenz-Veranstaltung (das Mirko fällt aus, die Lüftung läuft auf Hochtouren, Handys klingeln, etc.). Daher lieber mit nicht optimalen Gegebenheiten starten, als wichtige Konferenzen ersatzlos zu streichen. Auch die Vorbereitungen der Präsentation unterscheiden sich nicht allzu sehr zu denen einer Präsenz-Veranstaltungen, allerdings sollte immer im Auge behalten werden, dass die Aufmerksamkeitsspanne online nicht unbegrenzt erhalten bleibt und sowohl Konzentration als auch Motivation beim Zuhörer schnell verloren geht. Daher gilt, online noch mehr als sonst, dass sich die Redner kurz fassen und auf das Wesentliche beschränken sollten.Welche Erfahrungen hast du mit Online-Veranstaltungen?
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Was meine Arbeit eigentlich umfasst – und warum sie sich nicht in eine Berufsbezeichnung pressen lässt
Wenn Menschen hören, was ich beruflich mache, folgt oft eine kurze Pause.
Dann kommt eine der typischen Fragen:
„Also… bist du Coach?“
„Beraterin?“
„Kommunikationstrainerin?“
Die ehrliche Antwort lautet: ein bisschen von allem – und gleichzeitig etwas anderes.
Meine Arbeit bewegt sich genau an der Stelle, an der Kommunikation, Emotionen, Beziehungen und neurodiverse Lebensrealitäten aufeinandertreffen. Dort, wo Alltag nicht mehr nur Alltag ist, sondern sich festgefahrene Muster, Überforderung, Missverständnisse und Erschöpfung bemerkbar machen.
Viele Menschen kommen nicht zu mir, weil sie ein einzelnes Problem lösen möchten.
Sie kommen, weil etwas im System nicht mehr funktioniert.
Und genau dort beginnt meine Arbeit.
Ich arbeite nicht mit „Problemen“. Ich arbeite mit Systemen.
Wenn ein Kind ständig wütend wird, wird schnell das Kind zum Problem erklärt. Wenn Eltern erschöpft sind, denken sie oft, sie machen etwas falsch. Wenn Kommunikation eskaliert, glauben viele Menschen, sie müssten nur „besser reden lernen“. Die Realität ist meist komplexer. Familien sind Systeme. Schulklassen und Teams sind Systeme. Partnerschaften sind Systeme. In jedem System beeinflusst jedes Verhalten mehrere Ebenen gleichzeitig: Emotionen, Erwartungen, Kommunikation, Stress, Vergangenheit, Rollen und unausgesprochene Bedürfnisse. Meine Aufgabe ist es, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen. Nicht, um Schuld zu verteilen. Sondern um Verständnis zu schaffen. Denn sobald Menschen verstehen, warum etwas passiert, verändert sich oft schon die Art, wie sie damit umgehen.
Ein großer Teil meiner Arbeit besteht darin, Druck aus Situationen zu nehmen
Viele Eltern, mit denen ich arbeite, haben bereits unzählige Ratschläge gehört. Mehr Konsequenz. Mehr Struktur. Mehr Geduld. Mehr Regeln. Mehr Verständnis. Die Liste ist lang. Was dabei häufig fehlt, ist ein Blick auf das, was im Hintergrund wirkt: Überlastung, emotionale Dysregulation, neurobiologische Besonderheiten oder Kommunikationsmuster, die sich über Jahre eingeschlichen haben. Gerade in Familien mit ADHS entsteht schnell ein Kreislauf aus Reizüberflutung, Konflikten und Selbstzweifeln. Kinder geraten in emotionale Überforderung, Eltern versuchen zu regulieren – während sie selbst bereits erschöpft sind. Hier arbeite ich vor allem an drei Ebenen:- dem Verstehen von ADHS und neurodiversen Reaktionsmustern
- der emotionalen Regulation im Alltag
- einer Kommunikation, die Verbindung ermöglicht statt Druck zu erzeugen
Kommunikation ist selten das eigentliche Problem
Viele Konflikte wirken zunächst wie Kommunikationsprobleme.- Ein Kind hört nicht zu.
- Ein Partner fühlt sich nicht verstanden.
- Ein Team redet aneinander vorbei.
- Wer fühlt sich gesehen?
- Wer fühlt sich übergangen?
- Wer trägt gerade zu viel Verantwortung?
- Wer versucht eigentlich nur, nicht weiter zu eskalieren?
Ein weiterer Teil meiner Arbeit besteht darin, Perspektiven zu übersetzen
Besonders deutlich wird das bei Kindern mit ADHS. Viele ihrer Reaktionen wirken für Außenstehende unlogisch, impulsiv oder übertrieben. Doch aus der inneren Perspektive des Kindes ergibt vieles davon Sinn. Emotionen entstehen schneller. Reize werden intensiver wahrgenommen. Frustration lässt sich schwerer regulieren. Meine Aufgabe ist es oft, genau zwischen diesen Perspektiven zu vermitteln. Ich übersetze gewissermaßen zwei Sprachen:- die Sprache der Eltern, die versuchen zu strukturieren und zu stabilisieren
- und die Sprache der Kinder, die oft schlicht überfordert sind
Ich arbeite präventiv – nicht erst, wenn Systeme bereits zerbrechen
Ein wichtiger Teil meiner Arbeit liegt auch in der Prävention. Das betrifft zum Beispiel Themen wie:- Mobbing und soziale Dynamiken in Gruppen
- Konfliktkommunikation in Schulen und Teams
- emotionale Selbstregulation
- gewaltfreie Kommunikation im Alltag
- neurodiversitätssensible Begleitung von Kindern
Am Ende geht es immer um Verbindung
Unabhängig davon, ob ich mit Familien, Eltern, Kindern oder Schulklassen/Teams arbeite – ein Thema zieht sich durch fast alle Gespräche: Menschen möchten sich verstanden fühlen. Kinder möchten gehört werden. Eltern möchten nicht ständig zweifeln, ob sie genug tun. Paare möchten wieder miteinander sprechen können, ohne dass jedes Gespräch zum Konflikt wird. Meine Arbeit besteht deshalb weniger darin, Lösungen vorzugeben. Sie besteht darin, Räume zu schaffen, in denen Menschen neue Sichtweisen entwickeln können. Manchmal reicht eine kleine Verschiebung in der Perspektive, damit ein festgefahrenes Muster plötzlich beweglich wird. Und genau diese Momente sind der Kern meiner Arbeit. Dort beginnt Veränderung.